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18:33 28.11.2019
Constanze Kreiser aus Brandenburg/H. nutzt Text und Bild, um daraus ungewöhnliche Formate entstehen zu lassen. Quelle: Karim Saab
Potsdam

Ausgefallen und schön sollen sie möglichst sein, die Weihnachtsgeschenke. Gut, wenn sie die einheimische Wirtschaft stärken. Noch besser, wenn sie auch das Bewusstsein und das Unterbewusstsein der Adressaten ansprechen. Am allerbesten, wenn sie obendrein das Bedürfnis nach haptischer Wahrnehmung bedienen.

Zum zweiten Mal führen Brandenburger Kleinverlage und Buchkünstler eine gemeinsame Verkaufsmesse durch. Der Termin, der erste Adventssamstag, ist gut gewählt. Denn jedes Jahr um diese Zeit stellt sich die Frage: Was – um Gottes willen – wieder schenken?

Jenseits kapitalistischer Logik

Eine kleine, feine Szene von Idealisten produziert jenseits aller kapitalistischer Logik bibliophile Kostbarkeiten, die im Buchhandel kaum eine Nische finden. Unternehmen wie der Verlag Natur+Text aus Rangsdorf oder die Edition Schwarzdruck aus Gransee legen besonderen Wert auf Schriftgestaltung und Satz, auf Handwerk und Qualität und verfolgen die Idee, für exquisite Inhalte eine besondere Form zu entwickeln.

Edel-Ausgaben in kleinen Auflagen

Initiator der Messe ist Hans Jörg Rafalski, der in der Abgeschiedenheit des Eberswalder Urstromtals zwei Erzähl-Bildbände kreiert hat und auf eigene Rechnung 444 bzw. 666 Mal drucken ließ. Bemerkenswerte Edel-Ausgaben in kleinen Auflagen gelingen seit vielen Jahren auch dem Potsdamer vacat-Verlag zu erschwinglichen Preisen. 16 Euro kostet ein neues 84-seitiges Bändchen mit bedrucktem Leineneinband über Theodor Fontane, an dem die Schriftstellerin Julia Schoch, der Fotograf Frank Gaudlitz und die Designerin Betina Müller mitgewirkt haben. Bei der Verkaufsmesse wird auch der Märkische Verlag Wilhelmshorst vertreten sein, der schon in den 1990-er Jahren die Idee verfolgte, dass sich die enthusiastischen Einzelkämpfer aus allen Ecken des Flächenlandes besser zusammentun. Der Verleger Peter Anders hat 2010 die DDR-Lyrik-Reihe Poesiealbum aufleben lassen und bringt jedes Jahr sechs neue Titel zum Preis von jeweils fünf Euro heraus.

Digitalprint statt Offsetdruck

Dank neuer Vervielfältigungstechnologien können heute Publikationen auch ohne herkömmliche Buchdruck-Verfahren entstehen. Mit dem bloßen Auge lassen sich Offsetdruck und Digitalprint kaum noch unterscheiden. Verleger müssen also nicht mehr hohe Auflagen vorfinanzieren, sondern können auf Nachfrage nachdrucken.

Ein ungewöhnliches Kunstbuch von Constanze Kreiser. Quelle: Ina Schidlowski

Constanze Kreiser aus Brandenburg/Havel wird neben Postkarten und kleinformatigen, literarischen Editionen auch sehenswerte Unikate anbieten. Mit Papier und Karton entfaltet die gelernte Architektin am liebsten räumliche, skulpturale Wirkungen. Ihre raffinierten Leporellos und Objekte lassen sich effektvoll und bildschön in Szene setzen, sind aber nie nur Selbstzweck, sondern liefern ganze Weltbilder. Die 58-Jährige nimmt etwa ein Zitat zur Grundlage, das den Zustand der Welt kritisch beleuchtet, und interpretiert es mit Farben, gestempelter Schrift und ausfaltbaren Bildmotiven. Für 400 Euro kann der Besucher von ihr ein Einzelstück erwerben, das genauso gut in einer öffentlichen Sammlung landen könnte. Museen wie das Gutenberg-Museum in Mainz oder das Deutsche Buch- und Schriftenmuseum in Leipzig haben ihre Buchobjekte bereits angekauft. Auch die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam, in deren Räumlichkeiten die Ausstellung „Schöne Bücher aus Brandenburg“ stattfindet, erwägt offenbar, die Brandenburgica-Sammlung um Künstlerbücher zu erweitern.

Für die Ewigkeit

Es wäre auch unverzeihlich, wenn die Mappenwerke des Cottbuser Fabrik-Verlages für künftige Generationen nicht auffindbar wären. „Die Ebene unserer Zweifel“ umfasst 32 Grafiken und 15 Analog-Fotografien und sind eine Kooperation des Malers Hans Scheuerecker, des Lyrikers Steve Sabor, des Fotografen Thomas Richert und des Siebdruckers Thomas Lehmann. Die limitierte Auflage beträgt hier nur 16 Exemplare.

Doch nicht nur ungewöhnliche Formate, auch brisante aktuelle Inhalte zählen zum Angebot der Editionen. Zwei Tage nach der zentralen Trecker-Demonstration der Bauern in Berlin wartet der Aufland-Verlag aus dem Oderbruch mit einem Buch auf, in dem 20 Landwirte ihre Existenz zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft reflektieren.

Veranstaltungsdesign ist verbesserungswürdig

Die künstlerische Gestaltung der Einladung zur Potsdamer Verkaufsausstellung lässt leider zu wünschen übrig. Logo, Schriftgestaltung und Farbgebung werden dem hohen grafischen Standard kaum gerecht. Insgesamt werden 17 Aussteller erwartet.

In bester Gesellschaft

Unter ihnen fühlt sich die Buchkünstlerin Constanze Kreiser in bester Gesellschaft. „Alle Akteure verfolgen einen hohen Qualitätsanspruch und haben der Massenkultur etwas Individuelles hinzuzufügen und auch entgegenzusetzen. Sie verfolgen ohne jede Frustrationsgrenze ihre Ziele“, sagt sie. Da am Wochenende auch in Weimar Künstlerbücher, Pressendrucke und Mappenwerke gehandelt werden, fehlt in Potsdam diesmal ein so bekannter Anbieter wie die edition ehrt aus Kleinmachnow.

Gereifte Produkte

Viele der Kleinverleger leben und arbeiten jenseits der großstädtischen Hektik und lassen in ländlicher oder kleinstädtischer Ruhe ihre Produkte reifen. Ist das vielleicht ein Brandenburger Qualitätsmerkmal? Constanze Kreiser hält es für nicht ratsam, die Brandenburger und die Berliner Szene voneinander zu unterscheiden. Diese Abgrenzung sei künstlich. Alle hätten sich am Wochenende schon auf der art book in Berlin-Kreuzberg getroffen. Aber merke: Nicht nur aus Berlin, auch aus Brandenburg kommen seltene und schöne Bücher.

Die Verkaufsmesse findet am 30. November, 10 bis 16 Uhr, in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam statt. Der Eintritt ist frei.  

Von Karim Saab

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