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12:30 14.02.2013

Der CD-Verkauf brach weltweit ein, zeitweise tauschten 80 Millionen Nutzer online Musik – ohne dafür auch nur einen Cent zahlen zu müssen. Noch heute muss sich die Branche vom Napster-Schock erholen.

Es erscheint wie ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet Napster und Firmen wie Spotify, Simfy oder Deezer nun zu den Hoffnungsträgern der Musikindustrie zählen. „Denen, die sich bislang illegal mit Musik versorgt haben, baut das Streaming eine Brücke zum legalen Konsum“, erklärt Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI). Denn Napster hat schon 2005 das Geschäftsfeld gewechselt und ging mit einer legalen Musik-Streaming-Plattform online. Dort können die Nutzer über das Internet mit einem monatlichen Abo (Kosten zwischen 7,95 Euro für die Flatrate und 9,95 Euro für die Flatrate plus mobile Nutzung) so viel Musik hören wie sie wollen. Nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten auch die übrigen Anbieter von Musikstreaming-Diensten. An die Plattenfirmen fließt dann ein Teil der Einnahmen. Spotify-Deutschland-Geschäftsführer Stefan Zilch beziffert den Anteil auf 60 bis 70 Prozent. Für ihn steht fest: „Jedes Label, das unter Musikpiraterie leidet, hat grundsätzlich ein Interesse, mit Spotify zusammen zu arbeiten.“

Die Firma, 2008 von den Schweden Daniel Ek und Martin Lorentzon gegründet, ist so etwas wie der Star am Streaming-Himmel. Die Nutzer können aus einer Bibliothek von mehr als 20 Millionen Liedern ihre persönlichen Playlists zusammenstellen, mit Freunden teilen oder ein auf die eigenen Vorlieben abgestimmtes Radio hören. Rund 20 Millionen Nutzer hat Spotify weltweit, fünf Millionen davon zahlen eine monatliche Abogebühr, der Rest hört die Musik – mit Werbeunterbrechungen – umsonst. Laut Unternehmensangaben hat Spotify in gut vier Jahren 500 Millionen US-Dollar an die Plattenfirmen gezahlt, die Hälfte davon allein in den vergangenen neun Monaten.

„Derzeit ist es noch nicht so, dass die Umsatzverluste im physischen Verkauf dadurch ausgeglichen werden“, sagt Peter Tschmuck, Professor für Kulturwirtschaft an der Universität Wien. Er macht folgende Rechnung auf: Für eine Million Streams erhält der Rechteinhaber zwischen 5000 und 7000 US-Dollar – ein wenig rentables Geschäft. Laut Tschmuck kommen nach allen Abzügen davon rund neun Prozent beim Künstler an.

Deshalb vermarkten sich einige Künstler auch selbst. Erst Ende des vergangenen Jahres stellten die Metal-Veteranen von Metallica ihre Songs bei Spotify online, zuvor hatte sich die Band dagegen vehement gewehrt. Andere Künstler wie Adele kann man gar nicht streamen, sie erhoffen sich durch den Verkauf von CDs und Mp3s höhere Einnahmen.

Die drei großen Labels Universal, Sony und Warner haben sich schon bei Streaming-Plattformen wie Spotify eingekauft, um nicht nur von den Einkünften pro Stream, sondern zusätzlich auch von den Abo-Einnahmen profitieren zu können. „Streaming stellt aktuell ein Zusatzgeschäft dar, neben anderen Vertriebsformen von Musik“, sagt BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke. Nur drei Prozent am Gesamtmarktumsatz machte das Streaming im ersten Halbjahr 2012 aus, so Drücke.

Peter Tschmuck sieht eine weitere Hürde: „Das Problem ist, dass Streaming auch das physische Produkt kannibalisieren könnte.“ Nicht nur Nutzer, die früher illegal Musik runtergeladen haben, würden nun legal streamen, sondern auch solche, die sich zuvor CDs oder Mp3s gekauft haben. Wobei Tschmuck auch Studien kennt, die das Gegenteil belegen. „Aus bisherigen Befragungen mit der Universität Hamburg wissen wir, dass die meisten Nutzer der neuen Dienste die Services zum Vorhören nutzen und das Streaming den Besitz einer Aufnahme in der Regel nicht ersetzen kann“, meint auch Florian Drücke.

„Früher mussten sich Musikfans auf Empfehlungen von Freunden oder den Rat des Verkäufers im Plattenladen verlassen“, sagt Thorsten Schliesche, General Manager Rhapsody Europe, das Napster Anfang 2012 aufgekauft hat. Heute empfehlen Bekannte über die Streaming-Portale neue Alben, oder man hört sich Playlists von Freunden an. „Weltweit haben Spotify-Fans bisher über eine Milliarde Playlisten erstellt, im vergangenen Jahr allein 4,7 Millionen unter dem Titel ,Love’“, erklärt Spotify-Geschäftsführer Zilch.

„Die Möglichkeit, immer und überall auf ein riesiges Musikrepertoire legal zugreifen zu können, revolutioniert und demokratisiert die Musiknutzung“, resümiert BVMI-Chef Drücke. Gerade kleinere Bands und Künstler hätten so eine größere Chance, auf sich aufmerksam zu machen, so Drücke. Doch für Kulturwirtschaftler Tschmuck hat das auch Schattenseiten: „Die Schwelle des Markteintritts ist gewaltig gesunken. Das ist aber gleichzeitig das Problem, weil der Markt quasi überschwemmt wird von Musik und es dadurch viel schwieriger wird, sichtbar zu werden.“

Tschmuck sieht es noch nicht als erwiesen an, dass das Musikstreaming „das nächste große Ding“ wird: „Es gibt auf der einen Seite schon einen sehr starken Zuspruch. Allerdings ist nur ein Teil der Nutzer bereit, dafür Geld auszugeben.“ Laut Spotify wechseln 20 Prozent der Nutzer von der kostenlosen zur Bezahl-Variante. Außerdem könnten auch ökologische Fragen künftig eine Rolle spielen: „Man muss beim Streaming quasi ständig einen Energiestrom auslösen, der einen ziemlichen ökologischen Fußabdruck hinterlässt“, erklärt Tschmuck. Die Server-Farmen der Betreiber hätten den Stromverbrauch von mittleren Kleinstädten, so der Forscher.

„Mittelfristig hat Streaming das Potenzial, zu einer der wichtigsten Säulen im digitalen Musikgeschäft zu werden“, prognostiziert dagegen der BVMI-Geschäftsführer. 2016 könnten die Streaming-Abos für rund ein Drittel des digitalen Umsatzes sorgen, sagt Drücke. Für ihn gibt es noch einen weiteren, finanziell interessanten Aspekt: „Die deutschen Musikkäufer geben im Schnitt 56 Euro pro Jahr für Musik aus und damit deutlich weniger, als ein Streaming-Abo pro Jahr heute kostet.“ In Schweden habe rund ein Drittel der Bevölkerung einen Spotify-Zugang, so Stefan Zilch.

Für Sean Parker, den Napster-Gründer, steckt aber noch ein viel größeres Potenzial im Musik-Streaming. Er hat 15 Millionen Dollar in Spotify investiert und sitzt im Vorstand. Vor knapp einem Jahr sagte Parker sogar iTunes, der Musikplattform von Branchenriese Apple, den Kampf an: „Wenn die Zahl der Abonnenten von Spotify weiter so wächst wie bisher, werden wir iTunes bei der Gewinnabführung an die Plattenlabels in weniger als zwei Jahren überholen.“ Ein ehrgeiziges Ziel: Apple ist Marktführer und hat seit 2003 weltweit über 25 Milliarden Mp3s verkauft. (Von Stephan Henke)

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