Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Fünf Defa-Spielfilme, die man gesehen haben muss
Nachrichten Kultur Fünf Defa-Spielfilme, die man gesehen haben muss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 09.01.2020
Unerwünschte Arbeiterklasse. Der Film „Spur der Steine“ mit Manfred Krug durfte von 1966 bis 1989 nicht gezeigt werden. Quelle: DEFA-Stiftung
Potsdam

Defa ist die Abkürzung für Deutsche Film AG. Der Betrieb wurde am 17. Mai 1946 in Potsdam-Babelsberg in der Regie der sowjetischen Besatzungsmacht auf dem Areal der Althoff-Ateliers gegründet. Nach Gründung der DDR ging der Staatsbetrieb in deutsche Hände über. Die Defa hatte in der DDR eine Monopolstellung inne. Bis zur Privatisierung 1990 drehte das Unternehmen neben Animations-, Dokumentar- und Kurzfilmen fast 700 Spielfilme. Die Kulturpolitik der SED war Schwankungen ausgesetzt. Alle Filme mussten eine staatliche Zensur durchlaufen und zeigen somit auch, was in den Entstehungsjahren ideologisch gewollt oder möglich war.

1. „Die Mörder sind unter uns“ (1946)

Szene aus dem Film „Die Mörder sind unter uns“. Quelle: DEFA-Stiftung / Eberhard Klagemann

Der Trümmerfilm von Wolfgang Staudte spielt im zerbombten Berlin und machte die Schauspielerin Hildegard Knef international berühmt. Die Handlung schildert dramatische Begegnungen zwischen Tätern und Opfern. In letzter Minute kann die Tochter eines Naziopfers einen traumatisierten Kriegsteilnehmer davor bewahren, Selbstjustiz zu üben.

2. „Spur der Steine“ (1966)

Manfred Krug als Hannes Balla, Boss einer Brigade von Zimmerleuten auf der Großbaustelle Schkona, in einer Szene des DDR-Films „Spur der Steine“ von 1966. Quelle: Kinowelt

Regisseur Frank Beyer verfilmte einen gleichnamigen Roman des Arbeiterschriftstellers Erik Neutsch. Zwei Wochen nach der Uraufführung im Potsdam Thalia-Kino wurde der Film verboten. Der Film sei „künstlerisch ganz schwach“ und „eben ein Machwerk in jeder Beziehung“, kritisierte Kulturminister Klaus Gysi. Als „Spur der Steine“ dann im Oktober 1989 gezeigt werden durfte, war das ein Paukenschlag. Als Brigadier Hannes Balla spielte der Volksschauspieler Manfred Krug die Rolle seines Lebens. Der Klassiker hatte zwar an Aktualität verloren, nicht aber an Frische und mitreißendem Charme. Regisseur Beyer ließ sich nicht entmutigen und lieferte mit „Jakob der Lügner“ (1974), „Das Versteck“ (1977) und „Geschlossene Gesellschaft“ (1978) noch weitere großartige Spielfilme.

3. „Die Legende von Paul und Paula“ (1973)

Angelica Domröse und Winfried Glatzeder in „Die Legende von Paul und Paula“ von 1973. Quelle: Defa-Stiftung

Heiner Carow gelang mit der Umsetzung des Drehbuchs von Ulrich Plenzdorf ein Kultfilm. Er handelt vom Alltagsfrust und dessen Überwindung. Angelica Domröse (Paula) und Winfried Glatzeder (Paul) spielen ein romantisches Liebespaar, das die utopische Kraft aufbringt, sich über gesellschaftliche Schranken hinwegzusetzen. Auch die Puhdys erlebten mit diesem Film ihren Durchbruch, die beiden Filmsongs „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“ sind heute noch in aller Munde.

4. „Insel der Schwäne“ (1983)

Hermann Zschoche adaptierte ein Jugendbuch von Benno Pludra und erzählt eine packende, realitätsnahe, sozialkritische Geschichte. Sie versetzt sich in einen Jugendlichen, der mit seiner Familie von einem Dorf auf dem Lande in ein noch unfertiges Plattenbaugebiet in die Stadt zieht. Vom verordneten Optimismus ist hier kaum etwas zu spüren. Auch unbequeme Dinge werden angesprochen.

5. „Märkische Forschungen“ (1981)

Der Literaturverfilmung von Roland Gräf liegt der gleichnamige Roman von Günter de Bruyn zugrunde. Recherchen führen zwei sehr gegensätzliche Charaktere in die brandenburgische Provinz. Beide erforschen das Werk und das Leben eines Dichters. Der angesehene Professor möchte ihn im Sinne des sozialistischen Staates als Revolutionär würdigen, der Landschullehrer weiß, dass dieser Dichter auch als reaktionärer Zensor für die preußische Regierung gearbeitet hat. Eine Paradestück über das Verhältnis der SED zum kulturellen Erbe.

Lesen Sie auch

Von Karim Saab

Im Bemühen um Einschaltquoten setzt der Rundfunk Brandenburg-Berlin auf DDR-Klassiker, an diesem Freitag läuft „Der Mann, der nach der Oma kam“ aus dem Jahr 1971. Die Reihe „RBB Retro“ versucht, Diensten wie Netflix eine andere „Farbe“ entgegenzusetzen.

06.02.2020

In sechs Wochen beginnen die Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Die neue Leitung hält noch manches Detail geheim - eine wichtige Personalie aber hat sie nun verraten.

09.01.2020

Der Streit zwischen Musikproduzent Moses Pelham und der Elektropop-Band Kraftwerk um einen Zwei-Sekunden-Rhythmus geht weiter. Es geht bereits in die vierte Verhandlung des Bundesgerichtshofs.

09.01.2020