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Kultur Ein Album aus Liebe zu sich selbst: „Love and Fear“ von Marina Diamandis
Nachrichten Kultur Ein Album aus Liebe zu sich selbst: „Love and Fear“ von Marina Diamandis
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12:19 26.04.2019
Pro-Happiness: Marina Diamandis glaubt nicht, dass wahre Kunst nur aus unglücklichen Seelenzuständen erstehen kann. Quelle: Warner Music
Los Angeles

Sie heißt jetzt nur noch Marina und Namenswechsel haben in der Popmusik ja immer eine Bedeutung. Man will sagen, jemand anderes geworden zu sein. Gerade noch firmierte Marina Diamandis auf der aktuellen „Bravo Hits 104“ als Marina and the Diamonds.

„Orange Trees“ ist eine synthpoppige Tanzhymne für Neohippies

Mit dem puertoricanischen Sänger Luis Fonsi („Despacito“) und den britischen Elektropoppern Clean Bandit hatte sie „Baby“ gesungen – eine Geschichte von Trennung, Neubeginn und der Sehnsucht nach einer zweiten Chance für die gescheiterte Liebe: „I‘m already someone else’s Baby“ hauchte Diamandis und der schon im November veröffentlichte Latinpop-Ohrwurm klingt auch ein halbes Jahr später noch wie ein Sommerhit für 2019

Womit Diamandis in Konkurrenz zu sich selbst tritt. Denn auch „Orange Trees“, die jüngste Single der Tochter eines griechischen Vaters und einer walisischen Mutter erfüllt die Chartsanforderungen: Flirrend, tanzbar, melodiös, mit bezwingendem Refrain. Im Video zum Song tanzt die 33-Jährige in orangefarbener Strandgarderobe an ägäischen Gestaden Sirtaki und singt von „flowers in the hair“ wie weiland Scott McKenzie in der Hippie-Hymne „San Francisco“.

Es geht in „Orange Trees“ um das Heil der Flucht, weg von Neonlichtern und Stadtgetriebe – hinein in die Natur, die Sonne, das wahre Leben. „Ich war beschäftigt, dem Glück hinterherzujagen“, gesteht Marina im Song, „wo doch alles, was ich brauchte, ein bisschen Frieden war.“

Marinas Stimme erinnerte an zuckergerandete Schierlingsbecher

Diamandis ist seit 2010 auf der Liste sowohl derer, die Musik nur hören, wenn sie sich in den Charts befindet, aber auch derer, für die musikalische Schönheit immer im Unrunden liegt. Mit Songs wie „Mowgli’s Road“, „Hollywood“ und „I am Not A Robot“ erreichte sie auch Fans von beispielsweise Radiohead, Lambchop, David Bowie oder Kate Bush.

Tolle Stimme befand man damals, eine von den kristallklaren, kippenden, schlingernden Gesängen, die an Kate Nash erinnerte und an zuckergerandete Schierlingsbecher. Unter dem Logo Marina and the Diamonds brachte Diamandis ihre „The Family Jewels“ (so hieß ihr Debütalbum) ans Licht. Das waren böse Karfunkel, die von Depressionen und emotionalem Schlechtwetter kündeten. Dem Imperativ „Lasst dicke Arrangements um meine Lieder sein“ wollte man zwar gelegentlich ein „weniger = mehr“ entgegenhalten. Aber es war sündhaft melodiöses Zeug mit interessanten Kanten.

Jetzt gibt es also nur noch Marina. Und kaum noch Kanten. Auf dem vierten Album „Love + Fear“ finden sich 16 Stücke. Zu den acht schon Anfang des Monats digital veröffentlichen „Love“-Songs gesellen sich seit 26. April im Tonträger-Release acht „Songs of Fear“.

Nach zwei Semester Psychologie reiften neue Songs in Marina

56 Minuten voller betörender Liedschönheiten von einer Frau, die nach ihrem dritten Album „Froot“ die Musik eigentlich ganz drangeben wollte. Und die stattdessen ein Psychologiestudium begann. Nach zwei Semestern kam die Musik zurück, wuchsen die neuen Lieder zu der Platte, die auf einer These der 2004 verstorbenen Schweizer Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross gründet. Kübler-Ross, die sich mit dem Sterben, dem Tod und der Trauer beschäftigte, sah alles menschliche Verhalten in zwei Gefühlen begründet: Liebe und Angst.

Marina hat dazu einiges zu sagen. Und es ist nicht nur musikalische Selbstbetrachtung. In „Karma“ rechnet sie mit den #MeToo-Männern ab: („Und wenn deine Welt zusammenkracht / wird alles Geld in dieser STadt / deinen Ruf nicht wieder herstellen können“).

Und in der Ballade „To Be Human“, der neuen Single, reflektiert die Sängerin, die viel Zeit in Los Angeles lebt (aber auch in London und Griechenland), vor allem die politische Krise in den Trump-USA, zeigt im Video die „LGTB“- und die „Black Lives Matter“-Demonstrationen. Und singt: „Wenn es einen Gott gibt, wird er wohl wissen, warum es so schwer ist, menschlich zu sein.“ Politische Songs wie dieser waren bislang nicht ihr Ding. Aber, so sagt sie: „Niemand von uns kann es sich mehr leisten, sich nicht zu engagieren.“

Irgendwann will Marina Diamandis als Psychologin arbeiten

Diamanten sind ihre Synthpop-Lieder weiterhin, mit bezwingenden Melodien, aber die Dunkelheit, die frühere Alben durchzog, ist dabei, sich zu verziehen. „Ich mag den Gedanken nicht, das Stereotyp, dass Künstler beschädigt oder zerstörerisch sein müssen“, erzählte Marina jüngst in einem Interview mit dem Billboard-Magazin, „zu romantisieren, was hauptsächlich Probleme mit der geistigen Gesundheit sind.“ Marina ist privat glücklich mit Jack Patterson von der Band Clean Bandit. Derzeitiger Seelenzustand: „I am pro-happiness.“ Eine andere ist sie geworden.

Was offenbar nicht leicht war: „Ich weiß, dass es weh tut, nett zu sein“, singt die Veränderte im letzten Song „So to be Strong“, „ich weiß, dass es hart ist, weich zu sein.“ Und: „Die Wahrheit ist, dass du weich sein musst, um stark zu sein.“ Das klingt nach einer guten Erzieherin von Menschen für eine bessere Welt. Und tatsächlich hat sie das mit dem Studium noch nicht zu den Akten gelegt.

Irgendwann mal, so verriet sie in einem Interview, wolle sie als Kinderpsychologin arbeiten. Dann wohl weder mit noch ohne Diamonds im Namen sondern schlicht als Marina Diamandis.

Marina: „Love and Fear“ (Warner), erschienen am 26. April

Von Matthias Halbig/RND

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