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Kultur Ein Illegaler als Detektiv
Nachrichten Kultur Ein Illegaler als Detektiv
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00:19 26.10.2017
Der Autor Max Annas ist vor drei Jahren von Südafrika nach Berlin zurückgekehrt. Quelle: Michelle Smith
Potsdam

Wer wurde in Detektivromanen nicht schon alles mit der Detektivrolle betraut: Alkoholiker und Hausfrauen, Depressive, Grobiane und auch Kinder. Eine weitere Volte wagt nun Max Annas, der in seinem Krimi „Illegal“ einen Berliner Afrikaner ohne Aufenthaltsgenehmigung ins Rennen schickt.

Kodjo Awusi ist kein politischer Asylant und nicht einmal ein Wirtschaftsflüchtling. Der Ghanese aus der Oberschicht hatte in Accra die Tochter des Chefs der Konrad-Adenauer-Stiftung kennengelernt. Ihre Ehe in Deutschland wurde dann aber geschieden, noch bevor Kodjo einen Aufenthaltstitel erlangen konnte. Der studierte Historiker hält sich also mit Küchenjobs über Wasser und kann in Berlin auf einen breiten Freundeskreis zählen. Vor allem die Frauen vertrauen ihm blind, auch wenn er sich einen Fauxpas nach dem nächsten leistet.

Kodjo ist das, was man einen Antihelden nennt. Er tut oft Dinge, die seine brenzlige Situation dramatisch verschärfen. Er ist unschuldig, handelt aber so unbesonnen, dass er am Ende von einem privaten Sicherheitsdienst, BVG-Fahrkartenkontrolleuren und einem Großaufgebot der Polizei quer durch Berlin gejagt wird.

Was ist geschehen? Von seinem heimlichen Schlafplatz in einem zugemauerten Mietshaus fiel sein Blick zufällig in eine Wohnung, in der eine Prostituierte misshandelt und erschlagen wird. Kodjo hat den Mörder gesehen. Jeder Normalsterbliche würde Anzeige erstatten und sich als Zeuge zur Verfügung stellten, doch Kodjo muss ja die Polizei fürchten. Zwar erzählt er die Geschichte seinen Freunden, aber keiner kommt auf die Idee, eine anonyme Anzeige zu erstatten. Stattdessen ermittelt er auf eigene Faust.

Wie kann man nur so dämlich und konfus sein, fragt sich der Leser immer wieder, und sich so sinnlos in Gefahr begeben. Der Autor sieht es ähnlich, wenn er schreibt: „Kodjo kam sich verloren vor. Was er tat, war nicht sinnvoll. Er war kein Detektiv. Hatte keinen Plan und keine Idee, wie er je schaffen sollte, was gar nicht seine Aufgabe war.“

Mehr als die Hälfte des Romanes besteht aus Straßenszenen (die Angst eines Illegalen, in eine Kontrolle zu geraten) sowie aus wilden Verfolgungsjagden. Slow Motion, also Zeitlupen-Einstellungen, entsprechen dem Naturell der Hauptfigur, die in ihren Aktionen immer nur den nächsten und nicht den übernächsten Schritt oder gar ein Ziel bedenkt. Auf Action und detaillierte Schilderung des Kesseltreibens legt der Autor mehr Wert als auf die Gestaltung der Charaktere. Offenbar war sein Stoff ursprünglich als Drehbuch gedacht. Die vielen konkreten Kieze, Straßen, Plätze, S- und U-Bahnstationen machen das Buch, das im Rowohlt-Verlag erschienen ist, zu einem Berlin-Roman. Hauptanliegen des Autors ist es, den Leser dafür sensibilisieren, wie schwer es für einen Schwarzen ist, in Deutschland unter Weißen zu leben. Abschätzige Gesten und rassistische Ausfälle lauern an jeder Ecke. Vor allem das alkoholgetriebene Berliner Nachtleben wird in bedrohlichen Farben ausgemalt.

Der Krimi-Autor Max Annas lebte viele Jahre selbst in Südafrika, wo er an einem Forschungsprojekt über südafrikanischen Jazz beteiligt war. Am Donnerstag besteht die Möglichkeit, ihn und sein Buch in Potsdam kennenzulernen.

„Krimi live“. 26. Oktober, 19 Uhr. Max Annas liest aus“Illegal“. MAZ-Media Store. Friedrich-Ebert-Straße 85/86. Potsdam. Karten unter Tel. 0331 / 979 30 340.

Von Karim Saab

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