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Kultur „Ein Kessel Buntes“-Moderator Manfred Uhlig wird 90
Nachrichten Kultur „Ein Kessel Buntes“-Moderator Manfred Uhlig wird 90
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00:17 05.09.2017
Ein „Kessel Buntes“ im Jahr 1985 mit Horst Köbbert, Manfred Uhlig und Lutz Stückrath (v.l.). Quelle: Screenshot: Youtube
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Leipzig

Es ist schon eine alte Liebe, die den Humoristen mit seinem Publikum verbindet. Noch heute wird er auf der Straße angesprochen. Manfred Uhlig liebt sein Publikum über alles. Und er ist Sachse reinsten Wassers. Raffiniert, freundlich, er weiß sich aber auch durchzusetzen. Heute feiert Manfred Uhlig seinen 90. Geburtstag, für den morgigen Sonntag steht aus diesem Anlass eine Matinee in der Leipziger Pfeffermühle auf dem Plan.

Er ist eine heitere Natur, immer zu einem Witz bereit. Etwa in der Art: „Der Daach hätte so gut wern kenn’, und jetzt gommst du.“ Humor ist für ihn Lebenshaltung. Doch Uhlig fliegt einfach über das Geschehen hinweg, er trifft schon das Wesen. Auch wenn er ihm einfach nur die lähmende Ernsthaftigkeit nehmen will. Ein guter Beobachter ist er in jedem Fall. Er hat ein gutes Gedächtnis wie auch ein sicheres Urteil. Und im Umgang mit Kalauern zeigt er wirkliche Größe, ist für jeden Ulk zu haben. Ein waschechter Sachse – schlau, wendig, schlitzohrig. „Fischelant“ eben, wie man in Leipzig sagt.

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Der Kabarettist und Moderator Manfred Uhlig lässt sich auf einem Handout vom 15.07.2017 porträtieren. Quelle: Kabarett Leipziger Pfeffermühle

Manfred Uhlig gehört den Jahrgängen an, die keine Jugend hatten – nur Krieg. Im letzten Moment wurde er noch zum Flakhelfer gemacht. Nach dem Krieg schloss er die Schule ab und studierte dann von 1948 bis 1950 in Leipzig Schauspiel. Seine ersten Engagements hatte er in den Theatern von Naumburg, Greifswald, Wittenberg und Schwerin. Da wurde bereits deutlich, dass er eher ein Mann fürs heitere Fach sein würde. Erste Kabaretterfahrungen kamen hinzu. Und es zog den Sachsen in die Heimat.

Uhlig bewarb sich also und landete im Sommer 1956 im Ensemble der Leipziger Pfeffermühle. Doch die Freude am Kabarett wurde sehr bald empfindlich gestört. Das Programm „Rührt Euch!“ wurde verboten, der Kabarett-Chef Conrad Reinhold in die Flucht geschlagen und mit ihm wichtige Autoren wie Erich Loest, Gerhard Zwerenz wie auch Reiner Kunze. Das war ein Tiefschlag. Fünf Jahren später kam der Mauerbau dazu. Da sah Manfred Uhlig für die Satire keinen Raum mehr. Gemeinsam mit Helga Hahnemann verließ er 1962 die Pfeffermühle.

Ein Ausstieg ins Ungewisse. Angst aber, freiberuflich nicht genug Geld verdienen zu können, hatte der fischelante Sachse nie. Zumal er bereits beim Sender Leipzig einen Fuß in der Tür hatte. Vor dem Mikrofon zu sitzen und Geschichten zu erzählen, war für Manfred Uhlig, wie er sagt, das Größte. Und daran hat sich nichts geändert, bis er im Jahr 2006 bei Radio Sachsen das Mikrofon aus der Hand gelegt hat.

Undatierte Aufnahme Quelle: André Kempner

Das Fernsehen rangierte bei ihm immer an zweiter Stelle. Dort hat er moderiert mit kleinen Spitzen auf den sozialistischen Alltag. Viel oder gar gezielter Spott war in der DDR nicht möglich. Kabarett war das für ihn nicht. Doch selbst da griffen die Genossen, von Argwohn getrieben, immer wieder ein. Manfred Uhlig gehörte zum Moderatoren-Team „Die drei Mikrofonisten“ der TV-Sendung „Da lacht der Bär“ und in „Ein Kessel Buntes“ führte er mit dem Rostocker Horst Köbbert und dem Berliner Lutz Stückrath als „Die drei Dialektiker“ von 1972 bis 1978 durch das Programm. Das brachte ihm große Popularität ein. Sein Meisterstück legte er aber im Radio ab. Mit „Alte Liebe rostet nicht“. Nahezu 25 Jahre produzierte er mit Günter Hansel diese Sendung, in der Städte vor Ort in einer öffentlichen Veranstaltung für Radio DDR porträtiert wurden. Premiere war am 1. Mai 1965 im thüringischen Waltershausen.

Manfred Uhlig während einer Vorstellung aus dem Pfeffermühlenprogramm «Rührt Euch!» von 1956. Quelle: Kabarett Leipziger Pfeffermühle

Neben leichter Unterhaltung wurde da gut informiert über das Leben der jeweiligen Stadt geplaudert. Ein Höhepunkt war die fiktive Erklärung, wie die jeweilige Stadt zu ihrem Namen gekommen ist. Das war alles in allem heiterer bis grober Unsinn und deshalb sehr beliebt. 1990 sollte die „Alte Liebe“ mit der 300. Sendung in Zwickau beendet werden, die Wendewirren führten aber dazu, dass sie bereits mit der 289. Folge im Oktober 1989 ihr Ende fand.

Manfred Uhlig blieb nun bei Radio Sachsen mit unverwechselbarem sächsischem Humor auch weiter seinem Publikum erhalten. Zusammen haben sie erlebt, wie die Zeit vergeht. Ende 2014 hat Manfred Uhlig ein Buch mit einer Auswahl seiner Erklärungen zu Städtenamen veröffentlicht. Da war seine große Vergangenheit wieder ganz nah. Doch das war nicht nötig, denn unvergessen ist er seit Langem.

Von Harald Pfeifer

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