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Kultur Ein Monster von einem Theaterstück
Nachrichten Kultur Ein Monster von einem Theaterstück
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18:54 12.05.2019
Schauspielstudentin Siri Wiedenbusch spielt in „Monster“ eine Hauptrolle.
Potsdam

Es ist ein ganz schönes Päckchen, das der schottische Autor David Greig seiner jungen Heldin Duck mit auf den Weg gibt: Die Mutter tot, der Vater ein Chaot, dazu schwerkrank, und dann steht auch noch der Besuch einer Sozialarbeiterin ins Haus. Was bleibt ihr da anderes als die Flucht in erträumte Welten. Und hier setzt auch Regisseurin Catharina Fillers an. Aus dem eigentlich schwerblütigen Stoff voller immer neuer Untiefen formt sie einen so poetischen wie fantasievoll-witzigen Trip in befreiende Gefilde.

Schon der Auftakt gibt die Richtung an: ein rockiges Entrée der vier Akteure in futuristischem Outfit, mit silbrig glänzendem Kopfputz. Aber dann wird erst einmal Klartext geredet. Wobei das wieder Ducks Part ist. Ihre größte Sorge: die Frau vom Jugendamt könnte denken, sie kommen nicht klar, essen nur Chips, hängen den ganzen Tag vor der Glotze. Also muss sie den Vater auf Vordermann bringen, dem Antikoch zeigen, wie man ein Makkaronigericht auf den Tisch bringt. Auch wenn sich da gerade eine neue Hürde auftut. Wenn dieser Hugh nämlich sagt: „Mach doch mal das Licht an“, wird klar, dass er nun auch noch erblindet.

Aber das stört den Mann gar nicht so sehr, denn er lebt seit jeher in seiner eigenen Welt. Der Name seiner Tochter leitet sich ab von der Leidenschaft seines Lebens, dem Motorradfahren, aber stets nur auf einer Ducati, am liebsten auf einer Ducati Monster, womit sich auch der Stücktitel lüftet. Leider kostete diese Leidenschaft der Ehefrau das Leben, noch dazu bei einem Rennen gegen ihn.

Aber nun geht es um ganz andere Siege oder Niederlagen. Wobei Autor Greig geschickt an gute alte Komödienmuster anknüpft. Denn gleich mehrfach steht, wenn es klingelt, natürlich nicht die mit Bangen Erwartete vor der Tür. Zunächst ist es Lawrence, ein Junge aus Ducks Theaterkurs, der ein sehr spezielles Problem hat und dabei den Beistand des Mädchens sucht. Man hält ihn für schwul, und um das zu widerlegen, macht er Duck einen ziemlich brachialen Vorschlag.

Aber sie kommt gar nicht richtig dazu, ihn zurückzuweisen, weil es schon wieder klingelt. Doch auch diese Besucherin ist nicht die Frau vom Amt. Sie hat, zeigt sich, irgendwie mit Hughs neuem stillen Hobby zu tun, dem Leben in virtuellen Computerwelten. Und diese Agnetha ist extra aus Norwegen angereist, um endlich den Helden ihrer ebenfalls einsamen Nächte kennenzulernen. Und es ist eines der vielen Kabinettstückchen, an denen Fillers Inszenierung reich ist, wenn die beiden Alten sich im abgehackten Gestus ihrer Comicfiguren präsentieren. Oder wenn Lawrence und Duck im Stil einer Fernsehquizshow erklären, was für ein irrer Typ der Vater eigentlich ist und was es mit seiner unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose auf sich hat.

Und, noch so ein alter Theatertrick, auch Agnetha wie zuvor schon Lawrence muss im Schrank verschwinden. Da ist dann das Entsetzen der echten Linda vom Amt natürlich groß, als sie neben all dem Chaos im Haus auch noch zwei vor Schreck Erstarrte im Küchenschrank findet. Duck sieht nur noch eine Chance, die Flucht. Sie kapert Lindas Moped, und es startet eine wilde Verfolgungsjagd, mit ganz einfachen Mitteln auf die Bühne gebracht, aber von durchschlagender Wirkung. Ein Versatzstück aus der Theatermaschinerie, ein Lenkrad, dazu das richtige Licht, mehr braucht es eigentlich nicht, den Rest übernimmt die Fantasie der Zuschauer.

Siri Wiedenbusch, Studentin an der Babelsberger Filmuniversität, zeigt sehr schön das Mädchenhaft-Unfertige einer Heranwachsenden, nach der sich die Jungs eher nicht umdrehen, mit ihren Träumen, ihren Ängsten, sie lässt aber auch durchblicken, was es sie für eine Kraft kostet, sich den immer neuen Widrigkeiten des Lebens zu stellen. Zum Glück hat sie ja diesen Fluchtpunkt, den Roman, an dem sie in stillen Stunden schreibt, „ein bisschen wie Harry Potter, aber irgendwie auch autobiografisch“. Matthias Manz ist als Vater ein netter lebensfremder Spinner, ein großer Junge, der immerhin samt seinem Saxofon die Musik zum Stück beisteuert. Aber auch Kristin Muthwill als Agnetha und Linda sowie Jan Nicolas Bastel als Lawrence tragen zum „Monster“-Erfolg bei – ein so spannender wie anregender Theaterabend, nicht nur für junge Zuschauer.

Von Frank Starke

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