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Kultur Ein feiner Schuppen: Eröffnung von „The Shed“ in New York
Nachrichten Kultur Ein feiner Schuppen: Eröffnung von „The Shed“ in New York
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10:00 27.04.2019
Filetstück eines Superluxusviertels: „The Shed“ wird die Kulturlandschaft New Yorks bereichern. Ob er sie, wie lautstark angekündigt, auch revolutioniert, bleibt abzuwarten. Quelle: Spencer Platt/Getty
New York

Bescheidenheit gehört nicht eben zu den Tugenden der New Yorker. Wer in der Stadt der Superlative etwas erreichen will, kommt ohne Trommeln nicht weit. Doch bei der Präsentation der neuesten Kultureinrichtung der Stadt, dem provokant lakonisch „The Shed“, Schuppen, genannten 475-Millionen-Dollar-Bau an der West Side, war der Raum von der Größe eines Hangars mit noch mehr Ambition aufgeladen, als man das selbst in Manhattan gewohnt ist.

Da wurde von der Rückeroberung der ersten Weltranglistenposition in der Disziplin Kultur gesprochen. Und davon, der Kunst den Weg ins 21. Jahrhundert zu weisen. Das Wort „radikal“ fiel häufig, gepaart mit der Ankündigung, alle Gewissheiten und Gewohnheiten des Kulturbetriebs in Frage zu stellen.

„Flugzeughalle unter Steppdecke“: Rund 475 Millionen Dollar hat der Kulturschuppen gekostet. Quelle: Spencer Platt/Getty

Derlei Absichtsbekundungen hätte es freilich kaum bedurft. Um den Ehrgeiz des Shed zu ermessen, reicht es bereits aus, den Neubau von außen zu betrachten. Das Gebilde des Architektenteams Diller, Scoffidio und Renfro, die in den vergangenen Jahren beinahe immer ganz vorne landeten, wenn prestigeträchtige Großbauten anstanden, ist alles andere als unauffällig.

Die überdimensionierte High-Tech-Garage, die ein Kritiker als „Flugzeughalle unter Steppdecke“ bezeichnete, zieht selbst inmitten der Hudson Yards die Blicke auf sich – jenem neuen Manhattaner Shopping-, Wohn- und Arbeitsbezirk, in dem sich die namhaftesten Architekten der Zeit mit beinahe unbegrenztem Budget austoben durften.

„Ex­treme Flexibilität“ als gestalterisches Prinzip

Die Macher der Hudson Yards, der ehemalige Bürgermeister Michael Bloomberg und sein ehemaliger Vize Dan Doctoroff, stellten sich den Shed als das Filetstück ihres Superluxusviertels vor. Mit Begriffen wie „plutokratische Wolke“ und „Gated Community of the One Percent“ haben Kritiker das neue Quartier belegt. Der nackte Luxus indes war zu schnöde, um öffentliche Mittel und öffentliches Land anzufordern, eine Prise Kultur musste her.

Eine wirkliche Vision dafür gab es freilich nicht, wie Doctoroff noch bei der Eröffnung Anfang April zugab; man wollte lediglich, dass es „Weltklasse“ wird. Den Rest überließ man den Experten. Elizabeth Diller von Diller, Scoffidio, Renfro wäre nicht die begehrte Stararchitektin, die sie ist, wenn sie nicht aus der Not eine Tugend gemacht hätte. Die Vorgabe der „ex­tremen Flexibilität“, wie sie es nennt, wurde zum gestalterischen Prinzip.

Das gesamte Gebäude lässt sich auf Schienen wie ein Stadiondach hin und her rollen, es kann Konzertbühne, Museum, Open-Air-Theater, Kino oder Galerie sein. Quelle: John Angelillo

Herausgekommen ist ein Raum, mit dem man alles machen kann – und alles machen soll. Das gesamte Gebäude lässt sich auf Schienen wie ein Stadiondach hin und her rollen, es kann Konzertbühne, Museum, Open-Air-Theater, Kino oder Galerie sein.

Vielleicht lag es an der relativen Ideenarmut der Auftraggeber, dass Alex Poots zunächst ablehnte, als ihn 2014 ein Headhunter anrief und fragte, ob er Programmdirektor des Shed werden wolle. Doch Doctoroff und die Architekten umwarben den schottischstämmigen Direktor der Park Avenue Armory, einem Upper-East-Side-Venue für dramatische Multimedia- und Performance-Stücke. Und je länger Poots mit ihnen sprach, desto größeres Potenzial sah er an der Westseite. Zumal der Shed-Vorstand ihm beachtlichen Handlungsspielraum bot.

Eklektisch ist das Programm der gerade begonnenen ersten Saison. Eine Multimedia-Kooperation zwischen den Komponisten Arvo Pärt und Steve Reich sowie dem Künstler Gerhard Richter ist kommissioniert. Auf der Hauptbühne wird Björk ein Gastspiel geben. In der Lobby erzählt der Filmemacher Steve McQueen, Oscarprämierter Regisseur von „12 Years a Slave“, mit einer bunten Gruppe von Künstlern die Geschichte der afroamerikanischen Musik. Und im Juni erzählt ein Kung-Fu-Musical die Geschichte chinesischer Einwanderer in New York.

Freikontingente für Schulen und Benachteiligte

So verspricht der Shed ein durch private Spenden wohlfinanzierter, spannender Aufführungsraum in New York zu werden. Ganz gewiss wird er die Kulturlandschaft der Stadt bereichern. Ob er sie, wie lautstark angekündigt, auch revolutioniert, bleibt abzuwarten.

Der Schuppen dürfte jedenfalls das neue Quartier Hudson Yards beleben und Menschen dorthin bringen, die sich weder eine Luxuswohnung leisten können noch Interesse an Luxusgeschäften haben. Der Shed will die Ticketpreise auf erschwinglichem Niveau halten, Freikontingente werden an Schulen und Benachteiligte vergeben. Und: Das Kuratorenteam gelobt, junge und finanzschwache Künstler nicht nur einzubinden, sondern gleichberechtigt mit etablierten Stars zu behandeln.

Alex Poots, Geschäftsführer von "The Shed", nimmt an der Einweihungsfeier des Gebäudes teil. Quelle: Mark Lennihan/AP/dpa

All das sind hübsche Ideale, mit denen Poots und seine Kollegen die Kunst an einem der undemokratischsten Orte der Welt demokratisieren und eine „antiinstitutionelle Institution“ schaffen wollen. So jedenfalls formulierte es Elizabeth Diller bei der Eröffnung.

Ähnliches hatte sie allerdings bereits verkündet, als sie einen stillgelegten, überwucherten Hochbahntrakt an der Westseite Manhattans in einen Park verwandelte. Die „High Line“, die unmittelbar am Shed vorbei führt, stellte sich jedoch vor allem als Touristenmagnet und als Motor der Hypergentrifizierung heraus. Nun muss der Shed beweisen, dass er es vermag, aus diesem Kontext auszubrechen.

Von Sebastian Moll

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