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Kultur Eine Travestieshow vom Feinsten
Nachrichten Kultur Eine Travestieshow vom Feinsten
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00:19 13.01.2018
Les Ballets Trockadero de Monte Carlo Quelle: Sascha Vaughan
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Berlin

Männerballett – wer denkt da nicht an krachlederne Faschingsfeiern, muskulöse Stachelbeerwaden und ausgestopfte Brüste? Dass eine Parodie auch gelingen kann, wenn sie weniger platt angelegt ist, dafür steht Les Ballets Trockadero de Monte Carlo. Die 15 Männer in Tutus gastieren noch bis zum Sonntag im Berliner Admiralspalast.

Ihre Travestie geht zurück auf die New Yorker Schwulenbewegung der 1970er Jahre. Doch mittlerweile genießt die Ballettkompanie sogar am Moskauer Bolschoi-Theater höchste Reputation. Dabei ironisieren die 15 Männer aus aller Welt die große Tradition des russischen Balletts, die sie allerdings selbst meisterlich beherrschen. Die Tänzer haben sich schrille Künstlernamen gegeben, die zu Beginn der Vorstellung eingelesen werden, sie nennen sich Lariska Dumbchenko (Lariska die Unbedarfte) oder Nina Immobilashvili (Nina die Reglose). Das Fotografierverbot mit Blitz wird damit begründet, dass die Ballerinas an „bolschewistische Geschützfeuer“ erinnert werden könnten. Im ersten Bild des dreiteiligen Abends tanzen die Männer Tschaikowskis Schwanensee, Akt zwei. Choreografie, Kostüme und Bühnenprospekt (eine aufgemalte Wasserburg, in die manchmal Blitze hineinzucken) orientieren sich getreu am Original anno 1895. Einen anderen Klassiker des russischen Balletts aus dieser Zeit, Glasunows Hochzeitstänze „Raimonda“, nehmen sich die Tänzer dann im dritten Teil vor.

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Natürlich ist es ungewöhnlich und komisch, wenn Männer – wie sonst nur Frauen – auf die Spitze gehen und reihenweise trippeln. Gekonnt nehmen die Schwanentänzer alle weiblichen Posen des klassischen Balletts ein. Sie setzen nicht auf männliche Athletik, sondern geben sich durchaus grazil und zahm, wobei sie ihre Zurückhaltung gern auch überzeichnen. Dass einer von ihnen Schuhe in Größe 47 trägt, fällt jedenfalls nicht auf. Mit ungeahnter Leichtigkeit beherrschen die Männer den Pas de deux und trumpfen mit Arabesque und Pirouette auf.

Es sind oft nur kleine pantomimische Gesten, Augenaufschläge und munteres Wimperngeklimper, mit dem sich die Trockaderos von den pathetischen Vorlagen absetzen. Kokette Bühnenabgänge und skurrile Pannen, die den konventionellen Erzählfluss aber nur kurz unterbrechen, sorgen dafür, dass die Zuschauer nicht romantisch glotzen.

Die beiden Höhepunkte des unterhaltsamen Abends geschehen im Mittelteil. Robert Carter als Olga Supphozova (Olga die Vermeintliche) gibt den Sterbenden Schwan nach Camille Saint-Saëns’ Musik. Das Todes- und Abschiedsmotiv ermöglicht hier mehr Tiefenwirkung. Als eleganten, lebendigen Barockreigen setzt das Männerteam in kurzen schwarzen Trägerkleidchen mit gelber Blume im Haar auch zwei Stücke aus Bachs Brandenburgischen Konzerten um. Ästhetisch ist das alles ein echter Genuss.

Nächste Vorstellungen: 11. und 12. Jan., 15 Uhr. 13. und 14. Jan. 15 Uhr.. 13. Jan. 20 Uhr. Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Karten unter 030/22 50 7000.

Von Karim Saab