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Kultur Romanautorin Nina May über ihr Buch „Imaginate“
Nachrichten Kultur Romanautorin Nina May über ihr Buch „Imaginate“
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14:58 31.03.2020
Die Journalistin Nina May hat gerade einen Fantasy-Roman veröffentlicht. Quelle: RND
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Potsdam

Eigentlich arbeitet Nina May als Kulturjournalistin für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Nun hat sie einen Fantasy-Roman veröffentlicht.

Wie kommt eine Journalistin auf die Idee, in der Elternzeit mit Zwillingen nebenbei einen Fantasy-Roman zu schreiben?

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Nina May: Die Geschichte von „Imaginate – Der Nachttannenturm“ schlummerte schon seit geraumer Zeit auf meiner Festplatte. Die Idee kam mir bereits zu Schulzeiten. Im Traum erschienen mir elfenartige Wesen, die in einem Turm aus lebenden Tannen leben und voller Schabernack sind. Ihrer Königin durfte ich die Haare bürsten, die ständig ihre Farbe wechseln. Daraus wurden in der Fiktion meines Romans die Baldenkönigin Manjfee und der Nachttannenturm.

Mit dem Bürsten der Haare beginnt auch die Geschichte.

Ja, das eigentümliche Willkommensritual mit der Bürste absolviert zu Beginn des Romans die Protagonistin Raizel, die es aus der Menschenwelt ins Reich des Nachttannenturms verschlägt. Die Balden informieren sie darüber, dass sie die Hauptfigur des Fortsetzungsromans „Imaginate“ ist. Mehr noch: Raizels altbekanntes Universum ist überhaupt erst durch die Bestsellerreihe entstanden, die in der Welt des Nachttannenturms geschrieben wurde. Der anonyme Autor wird von einer riesigen Fangemeinde verehrt, die eifrig Merchandiseprodukte sammelt. Raizel fühlt sich daher in etwa so, als wenn Harry Potter eine unserer Buchhandlungen besuchen würde.

Warum diese verschachtelte Konstruktion zwischen Fiktion und Realität?

Im Roman spiele ich mit den Parallelen zwischen der realen und der phantastischen Welt. So heißen die Anhänger von „Imaginate“ Belieber – wie die Fans von Justin Bieber. Und in der Buchhandlung des Bücherwurms Vermicelli, der unter Stress seine eigene Ware anknabbert, gibt es Werke wie „Viel Lärm um den Wicht“. Die Brüder Grimm wiederum sind keine Märchenerzähler, sondern Sachbuchautoren.

Für eine Fantasy-Geschichte ein bisschen kompliziert, oder?

Stimmt. Für viele Verlage war dieser humorvolle Rückblick auf die Realität und die Mechanismen des Buchmarktes zu fern vom Mainstream. Das brachte mir zunächst auch einige Absagen ein. Fantasytexte mit zweiter Ebene hätten auf dem deutschen Fantasymarkt wenig Chancen, war der einhellige Tenor.

Und warum hat es der Verlag Drachenmond dann genommen?

Tja, die fanden den humorvollen Rückblick auf die Realität gerade gut. Und als ich bei der Leipziger Buchmesse 2018 Astrid Behrendt vom Drachenmond Verlag begegnete, begann für mich die Reise in die fantastische Welt als Buchautorin.

Will sagen?

Na ja, von Nachwuchsautoren wird eben immer öfter erwartet, dass sie ihr Werk über Social Media selbst vermarkten. Unter dem Stichwort Bookstagram hat sich eine Lesecommunity formiert, die Bücher auf ganz analoge Weise in Szene setzt. Also legte ich mir den Instagram-Account @imaginate_ninfamay zu, das erste Bild zeigt mich in Neuseeland vor der Kulisse der Hobbithöhlen. Wie viele meiner Figuren speise ich ebenso gerne wie diese gemütlichen Wesen aus Tolkiens „Herr der Ringe“. Man wird so als Buchautorin selbst zu einer Fantasy-Gestalt.

Das heißt, die Autorin muss sich ein Stück weit selbst vermarkten?

Genau. Bei meinen Eltern stieß ich auf ein passendes Accessoire, um mich als Autorin in Szene zu setzen: die alte Schreibmaschine meiner Großmutter, auf der sie Krimirezensionen tippte. Sie steht jetzt im Zentrum des Trailervideos zu „Imaginate – Der Nachttannenturm“. Am meisten Zuspruch erfuhr übrigens der Post, in dem ich Details über die Liebesgeschichte im Roman enthüllte.

Nina May: Imaginate – Der Nachttannenturm. Drachenmond, 340 Seiten, 14,90 Euro.

Von Mathias Richter