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Kultur „Das etruskische Lächeln“ – Rorys letzter Weg
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20:02 11.04.2018
Begegnung im Museum: Rory (Brian Cox) trifft Claudia (Rosanna Arquette) – und ist fasziniert vom Lächeln der Toten auf dem etruskischen Terrakottasarg. Quelle: Foto: Constantin
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Hannover

Es war 1764, da hatte eine gewisse MacNeil in Vallassay auf der schottischen Isle of Lewis ihre Verlobung mit einem Campbell gelöst – sehr zum Ärger der Campbells. Woraufhin diese das männliche Vieh der MacNeils auf der Weide kastrierten.

Damals begann eine Fehde, die immer noch andauert. Im Pub wünschen der alte Campbell und der alte MacNeil einander ein möglichst baldiges Ableben und sind auch schnell mit dem Messer zur Hand, um die Sache zu beschleunigen. Leberzirrhose zehrt an dem einen, ein böser Rückenschmerz frisst an dem anderen. Wer zuerst stirbt, hat verloren.

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Ein „Tut mir leid!“ geht Rory kaum über die Lippen

Brian Cox spielt jenen Rory MacNeil – einen Schotten in Barbourjacke – bärtig, brummig und von Bärengestalt. Einsam lebt der Witwer in einem Haus am Meer und beschließt eines Tages, seine Familie in San Francisco zu besuchen.

Er muss dorthin, um sich mit seinem Sohn Ian (JJ Feild), einem gefeierten Molekularkoch, auszusöhnen – kein einfacher Weg für einen, dem eher ein „Stirb!“ als ein „Es tut mir leid!“ über die Lippen kommt. Und der noch nicht einmal weiß, ob sich hinter dem Namen Jamie ein Enkel oder eine Enkelin verbirgt.

Die letzte Reise eines Griesgrams

Dem örtlichen Tierarzt, der ihn sonst zuverlässig zu Wohlbefinden spritzt, verspricht Rory, einen echten amerikanischen Gesundheitscheck an sich durchführen zu lassen, wenn der Veterinär dafür über Campbells Verfassung auf dem Laufenden hält.

So schickt uns das israelische Regieduo Oded Binnun und Mihal Brezis in seinem ersten abendfüllenden Film auf die letzte Reise eines Griesgrams, der – im üblichen Verlauf solcher Feelgood-Tragödien von komisch zu tragisch – Herz und Gemüt wiederfindet. Zunächst rümpft er freilich die Nase über alles Amerikanische – genervt von der vertraulichen Anrede „Dad“ seiner Schwiegertochter Emily (Thora Birch) bis zur beharrlichen Weigerung des Arztes (Tim Matheson), seinem Prostatakrebs im Endstadium einen Zeitrahmen zu geben. Was für ein Feigling!

Sampedros Roman wurde nach Schottland verlegt

José Luis Sampedros Roman „Das etruskische Lächeln“ hat das Regieduo von Italien nach Schottland und in die USA verlegt. Der Wechsel von verwitterten hebridischen Bruchsteinmauern in die Metropole aus Glas und Licht ist noch krasser als der zwischen kalabrischem Dorf und dem kühlen Mailand. In einem Museum in Frisco lernt Rory die Kuratorin Claudia (Rosanna Arquette) kennen, die ihn über das seltsame Lächeln eines Terrakottapaars auf einem etruskischen Sarkophag aufklärt.

So freundlich stellten sich die Etrusker ihre Toten vor. Diese Vorstellung scheint Rory zu behagen. Er beginnt seine tatzende Annäherung an Ian, wirbt um Claudias Zuneigung und wünscht sich, dass Klein Jamies erstes Wort „Seanair“ lauten möge, das gälische Wort für „Großvater“.

Ein handfester Schotte gegen die Verstellungskünstler

Der Handlungsverlauf ist ohne Überraschungen, die Sympathien sind schnell vergeben – der ehrliche, handfeste Schotte ist allen amerikanischen Verstellungskünstlern natürlich überlegen. Wie leicht hätte das falsch und kitschig geraten können. Aber Cox macht Rorys Erwachen glaubwürdig und rührt den Zuschauer am Ende zu Tränen. „Ich konnte es nicht erwarten, einen Mann aus dir zu machen, wie ich einer war“, gesteht er seinem Sohn Ian. „Ich konnte nicht warten zu sehen, welcher Mann du sein würdest.“

Zahllose Söhne überall auf der Welt dürften sich von diesen Worten angesprochen fühlen. Vielleicht gelingt es ihnen, sich ihre Väter mit einem Lächeln vorzustellen.

Von Matthias Halbig / RND

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