Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur „Gegen den Strom“ – Superheldin ohne Superkräfte
Nachrichten Kultur „Gegen den Strom“ – Superheldin ohne Superkräfte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 10.12.2018
Sie lässt sich nicht unterkriegen: Halla (Halldóra Geirharðsdóttir). Quelle: Foto: Pandora Film
Hannover

Die Frau hat eine Mission. Leichten Schrittes fliegt sie über die Einsamkeit der isländischen Tundra, einen Köcher auf dem Rücken und einen Plan im Kopf, der sogleich per Pfeil und Bogen Islands Stromversorgung lahmlegen wird.

Benedikt Erlingsson schickt seine Heldin auf den Kriegspfad

Noch bevor klar ist, was hier gespielt wird, hat die Heldin in Benedikt Erlingssons Film „Gegen den Strom“ den Zuschauer am Haken – so ähnlich wie sonst nur Kasperle oder Winnetou. Erst recht, als über dem Land der erste martialische Hubschrauber auftaucht, dann eine surrende Drohne und irgendwann die Satellitenkamera. Nicht leicht, sich in Islands baumloser Weite in Zeiten von Cybertech und waffenstarrender Staatsschützer zu verstecken.

Erlingsson schickt seine Heldin Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) in dem bei den Filmfestspielen in Cannes gleich mehrfach preisgekrönten Film auf den Kriegspfad. Gegen die Natur zerstörende Aluminiumindustrie, die Global Player in der Regierung und die Investoren aus Fernost, die damit ihre Geschäfte machen. Dabei hat diese Frau in mittleren Jahren den unspektakulären Beruf einer Chorleiterin. Sie ist Single mit Kinderwunsch und einem blumengeschmückten Damenrad, auf dem sie durch den graumelierten isländischen Sommer entspannt zur Chorprobe radelt.

Der Isländer kommt der Rettung der Welt mit Humor bei

Spätestens hier sieht man, dass Erlingsson mit der bierernsten Angelegenheit, die dieser Film auch hätte werden können, nichts im Sinn hat. Politisch korrekte Geschichten interessieren den Regisseur nicht, der 2013 mit seinem herrlich wildwüchsigen Langfilm „Von Pferden und Menschen“ debütierte. Lieber kommt der Isländer der Rettung der Welt mit Humor bei, bricht Erzählkonventionen und spielt ironisch mit den Genres.

Er lässt Indianerfilm mit Hightech-Action verfließen, stellt Trapperschläue gegen die elektronische Überwachung – und ein folkloristisch schepperndes Musikertrio in die Leere der Landschaft. Mitverschwörer oder wohlgesonnene Beobachter sind immer dann da, wenn die Heldin Antrieb oder Beistand braucht. Oder eine Denkpause. Denn just, als Halla zum finalen Schlag ansetzt, trudelt ihr ein Adoptionsangebot aus der Ukraine ins Haus ...

Halldóra Geirharðsdóttir spielt die Umweltamazone so zupackend wie die Chorleiterin beseelt, und wenn sie mit Tatkraft und Entschlossenheit ihre Stahltrossen spannt, ist das garantiert so cool wie Tom Cruise in „Mission Impossible“. Dass sie darüber hinaus auch noch Hallas yoga-bewegte Zwillingsschwester Asa verkörpert, ist eine Finte, der man trauen muss, bis sie sich im Ausgang der Geschichte estaunlich überraschend auflöst.

Die Kamera widmet Islands Landschaft eine eigene Hommage

Bis dahin eilt die Kamera (Bergsteinn Björgúlfsson) über Heide und Moos, schlägt mit Halla Haken über Lavafelder und Gletscherzungen und widmet Islands grandioser Landschaft eine eigene Hommage. In schnellen Schnitten verdichten sich die Bilder der Flüchtenden und ihrer Verfolger zum atemlosen Jagddrama.

Es braucht nicht viele Worte in diesem Film, der von seiner findig unabhängigen Heldin lebt. Und von der Gewitztheit, mit der Erlingsson Umweltthema, eigenwilliges Frauenporträt sowie Thriller und Komödie verschmilzt.

Die Dialoge kommen so schön knapp wie schwarzhumorig. Etwa, wenn der Polizei statt Halla immer wieder ein südamerikanischer Fahrradtourist in die Fänge gerät – martialisch wie im Hollywood-Katastrophenkino. Und dann ist da noch der maulfaule Landwirt und bestimmt weitläufige „Cousin“, dem Halla auf der Flucht in die Schafherde rennt. Der Ritter in schimmernder Rüstung – hier steht er bereit als Schafbauer im Pickup.

Von Ruth Bender

Beethoven, Schönberg, Martinu – drei Brückenbauer in der Musikgeschichte standen am Sonnabend auf dem Programm der Kammerakademie Potsdam. Für den erkrankten Weltklasse-Oboisten Ramon Ortega Quero musste Philipe Tondre einspringen. Trotzdem ein wunderbares Konzert.

09.12.2018

Im Weltraum findet im Jahr 2849 ein neuer Goldrausch statt: Wer die Energie von Pulsaren am erfolgreichsten erschließt, gewinnt bei dem anspruchsvollen Strategiespiel „Pulsar 2849“.

09.12.2018

Eigentlich bezieht Intendantin Bettina Jahnke gegen die AFD gern Position. Doch in der Inszenierung „Viel gut essen“, werden die Gedanken eines Wutbürgers nicht explizit gewertet – der Zuschauer soll sich selbst ein Urteil bilden.

09.12.2018