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Filmuniversität Potsdam mit fünf Filmen auf Max-Ophüls-Filmfestival

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20:19 17.12.2020
Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.
Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Quelle: Dpa
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Babelsberg

Die Filmuniversität Babelsberg ist mit fünf Filmen beim 42. Max-Ophüls-Filmfestival vertreten. Das teilte die Uni am Donnerstag mit. Das Festival findet vom 17. bis 24. Januar zum ersten Mal nur online statt und zeigt insgesamt 98 Filme. Davon starten 50 in den vier Wettbewerben Spielfilm, Dokumentarfilm, Mittellanger Film und Kurzfilm.

Aufarbeitung sexueller Übegriffe

In der Kategorie Dokumentarfilm kämpfen gleich vier abendfüllende Dokumentationen um den entsprechenden Preis. Da ist zum einen Alison Kuhn mit „The Case You“, in dem von fünf Schauspielerinnen erzählt wird, die alle vor Jahren an einem Casting teilgenommen haben, bei dem es zu sexuellen und gewaltsamen Übergriffen kam. Regisseurin Kuhn war selbst unter den Bewerberinnen. „Als ich 2018 mein Regiestudium begann, wusste ich, dass es einen Film gab, den ich so schnell wie möglich realisieren musste“, sagt sie dazu auf der Website des Filmfestivals. „Ich wollte meine neue Position hinter der Kamera nutzen, um meine Schauspielkolleg·innen zu unterstützen und ihren Stimmen eine öffentliche Plattform zu geben.“

Gedreht wurde vier Tage im April 2019 im Theatersaal der Filmuniversität, der für die Protagonistinnen zu einem geschützten Raum wird. Dort können sie ihr Schweigen brechen und ergründen gemeinsam, was damals geschah und was die Geschehnisse für ihre Gegenwart bedeuten. „Das Resultat war nicht nur dieser Film, sondern ebenso eine Schwesternschaft, in der auch ich selbst Halt gefunden habe“, sagt Kuhn. Ihr sei es eine Herzensangelegenheit, für diese wichtige Thematik zu sensibilisieren und das Schweigen zu brechen, das Fälle wie diesen erst ermöglicht.

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Konflikte in den Heimatdörfern

Laura Reichwald hingegen erzählt in „Stollen“ von den Tücken alter Traditionen. In dem erzgebirgischen Dorf Pöhla hält man, ungeachtet der verheerenden gesundheitlichen Folgen, auch 30 Jahre nach der Wende die Bergbaubräuche lebendig. „Besonders interessiert mich dabei der dörfliche Mikrokosmos, in welchem konzentriert sichtbar wird, welche universellen Themen beschäftigen und wie sie verhandelt werden“, sagt die Regisseurin dazu. „Stollen“ sei eine filmische Spurensuche und Bestandsaufnahme der erzgebirgischen Lebenswirklichkeit im Jahr 2019 und ein Blick in die eigene Heimat.

Ebenfalls von einem Dorf erzählt Filmuni-Absolvent Christoph Eder in „Wem gehört mein Dorf?“. In seinem Heimatdorf auf Rügen streiten die Einwohner über die Zukunft des beliebten Urlaubsortes. Der Gemeinderat wird seit Jahren von vier Männern dominiert, die die Hotelprojekte eines Multimillionärs unterstützen. Um ein vom Bau bedrohtes Naturschutzprojekt zu retten, wollen Nadine und ihr Vater Bernd die Mehrheit bei der anstehenden Kommunalwahl erringen.

Sophie Linnenbaum. Quelle: Sophie Linnenbaum

Der Mythos Vater

Um Heimat im weitesten Sinne, geht es auch in Sophie Linnenbaums „Väter unser“, eine Doku, die ein intimes wie formales Porträt des unergründlichen Wesens Vater zeichnet. Sechs Menschen erzählen hier Geschichten über ihre Väter: über kuschelige Nachmittage auf dem Vaterbauch, über väterliche Schläge mit dem Stock, über nie endende Liebe, über Abschiede an der Schiebetür, über ein erstes Aufeinandertreffen.

Sophie Linnenbaum, die im Jahr 2017 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet wurde und vor kurzem mit ihrem Kurzfilm „Das Mensch“ im rbb zu sehen war, möchte mit „Väter unser“ einladen, „den eigenen Vaterbegriff in einem inneren Spaziergang für sich selbst neu zu enthüllen“. „Während Mütter mit dieser gewissen Selbstverständlichkeit im Leben der meisten eine wichtige Rolle spielen, umspielt das Stereotyp Väter oft eine Art Mythos“, sagt sie im Regiekommentar zu dem Film. „Mit einer kuriosen Mischung aus Abwesenheit und Omnipräsenz spielen sie oft auf einer Klaviatur zwischen Helden und Ungeheuer.“

Jannis Alexander Kiefer. Quelle: VINCENT ENGEL

Prädikat besonders wertvoll

Und noch ein Träger des Deutschen Kurzfilmpreises ist bei dem Filmfestival vertreten: Jannis Alexander Kiefer ist in diesem Jahr mit dem Preis ausgezeichnet worden, sein Film „Kollegen“ läuft nun in der Kategorie Kurzfilm im Wettbewerb des Max-Ophüls-Filmfestivals.

Kiefer erzählt von den beiden Handwerkern Uli und Didi. Sie arbeiten in alltäglicher Routine in ihrer Werkstatt und sinnieren über alte Lehrerinnen und das anstehende Dorffest – aber auch über die neuen Gäste im Ort. Von denen haben sie einen außergewöhnlichen Auftrag erhalten: Sie sollen Teile eines KZs auf deutschem Boden erbauen für einen historischen Film einer internationalen Produktion. Der Kurzfilm, der hier in der Deutschen Erstaufführung zu sehen ist, wurde gerade mit dem Prädikat besonders wertvoll ausgezeichnet.

Das gesamte Filmprogramm mit weiteren Filmuni-Beteiligungen wird am 23. Dezember 2020 unter ffmop.de/programm veröffentlicht.

Von Sarah Kugler