Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Wer nimmt schon Anstoß an einem kiffenden König?
Nachrichten Kultur Wer nimmt schon Anstoß an einem kiffenden König?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:41 07.02.2020
Plakat der Musikfestspiele Potsdam. Preußenkönig Friedrich II. mit einem Joint. Quelle: PROMO
Anzeige
Potsdam

Ein Hingucker ist das Plakat der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam Sanssouci in jedem Fall. Der Preußenkönig Friedrich mit einem dicken Joint! Wie cool ist das denn?

Das Motto der Musikfestspiele in diesem Jahr lautet „Flower Power“. Politisch unkorrekt wirbt das Klassikmusikfestival mit einem Motiv, das den Alten Fritzen mit John-Lennon-Sonnenbrille und Haschischzigarette zeigt. Sprechen sich Intendantin Dorothee Oberlinger und Geschäftsführerin Heike Bohmann auf diese Weise für eine Legalisierung von Cannabis aus? Während es derzeit immer noch auch kleinere Haschischfunde in die Polizeimeldungen schaffen, wollen Lobbyisten und einige Politiker den Handel entkriminalisieren und plädieren dafür, dass in aller Öffentlichkeit gekifft werden darf.

Potsdam – das neue Goa?

Eine Leserin aus Kleinmachnow nimmt an der Vermarktungsstrategie der Musikfestspiele Anstoß und fragt: „Chillen im Park Sanssouci? Potsdam, das neue Goa? Gehört der Joint zu einem gelungenen Fest? “ Wozu überhaupt Steuergeld für Suchtprävention ausgeben, wenn hier mit Steuergeldern Haschischkonsum bekundet wird?

„Die Festspiel-Kampagne hat nicht zum Ziel, Drogen zu verherrlichen“, beteuern die beiden Festival-Chefinnen auf MAZ-Anfrage. Worum es geht? Natürlich darum, möglichst viele Karten zu verkaufen. Und darum, hip zu wirken. Denn wer sich in Potsdamer Klassikkonzertsälen umschaut, erblickt vor allem ergraute Köpfe. Wie also auch jüngere, unkonventionellere Leute ansprechen und in die Konzerte locken?

Ein Spagat mit Augenzwinkern

Oberlinger und Bohmann erklären, was die umworbene Zielgruppe auf ihrem Plakat sieht: „Mit satirischem Augenzwinkern wird hier der programmatische Spagat zwischen der Hippie-Ära und Barockzeit durch die Kombination der Stereotype in einem Motiv fassbar.“ Das Ganze sei eine humorvolle Angelegenheit.

Die Kampagne ist offenbar gut angekommen. Knapp die Hälfte der Karten, 7500, sind nach drei Wochen bereits verkauft. Selten genug, dass grelles Marketing einmal nicht die Mängel eines Produktes verkleistert. Die hohe Qualität der Konzerte steht außer Frage.

Kiffen, damals und heute

Dass sich bisher kaum jemand am kiffenden König gestört hat, ist allerdings auch einer weit verbreiteten Naivität und Unwissenheit zuzuschreiben. Die Achtundsechziger Generation hält Joints für ungefährlich. Warum, meinen viele, sollen Kinder und Enkel nicht das offensichtlich tun, was sie noch heimlich machen mussten? Hat es den Grauköpfen geschadet?

Der THC-Gehalt, die psychoaktive Substanz im Cannabis, ist in den heutigen Züchtungen allerdings vielfach höher als noch zu Woodstock-Zeiten. Dass Lethargie, Depressionen und Angststörungen unter Jugendlichen zunehmen, könnte eine Folge des Kiffens sein, wie Psychiater mutmaßen. Ein Rezept dagegen? Klassische Musik ist Balsam für die Seele. Vielleicht finden ja die Retro-Hippies, die das THC aus der Bahn geworfen hat, im Konzertsaal wieder zu ihrem seelischen Gleichgewicht.

Von Karim Saab

Sarah Burrini ist für „Das Leben ist kein Ponyhof bekannt“. In „Nerd Girl“ wird sie selbst zur Superheldin –allerdings ohne Superkräfte. Die MAZ hat nachgefragt, warum das so ist.

07.02.2020

Die Höhenflüge von Superman sind vorbei. Unsere Zeit hat andere Helden. Warum das so ist und warum wir Donald Duck mehr lieben als Gustav Gans, erklärt Medienkultur-Dozent Martin Hennig im Interview.

07.02.2020

Vor mehr als 70 Jahren erschien der Roman „Die Pest“, des französisch-algerischen Schriftstellers Albert Camus Roman – eine Geschichte über die physischer und moralische Zerstörung einer Gesellschaft durch eine Pandemie.

07.02.2020