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Kultur Fröhliche Apokalypse mit Sophie Rois am Deutschen Theater
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13:35 03.02.2020
Sophie Rois begeistert im Deutschen Theater.
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Berlin

Die Katastrophe kommt ganz leise. Unerwartet, überraschend. Mit einem Augenzwinkern, lächelnd und verspielt. Vielleicht ist das Undenkbare auch nur ein Traum. Oder ein Roman, in den man eintaucht und sich dann heillos verirrt.

Eben noch hat es sich Sophie Rois auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin gemütlich gemacht. Räkelt sich wohlig auf einer kleinen Couch, blättert in einem alten Buch. Liest sich fest, glaubt ihren Sinnen nicht zu trauen. Denn was dort in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ erzählt wird, widerfährt ihr plötzlich selbst.

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Rois kann sich alles Vorstellen

Es gibt zwar auf der Bühne keine Berge und keinen Wald, auch keine undurchdringliche Glaswand, die sie vom Rest der Welt abschottet, einer Welt, auf der nach einer Katastrophe sämtliches Leben zum Erliegen gekommen ist. Aber natürlich kann sich Rois das alles vorstellen und ausmalen, sprachlich und musikalisch zum Klingen bringen.

Sie braucht keine fünf Minuten, schon hat sie das Publikum um den Finger gewickelt, nimmt es mit auf eine Reise in die Abgründe der Fantasie und die Freiheiten des Theaters: Wer, wenn nicht die wunderbar wandelbare, kurios krächzende, kauzig Krakeelende und schön schräg singende Sophie Rois könnte uns weismachen, dass die Apokalypse fröhlich und das Alleinsein eine wahre Freude ist?

Die Dystopie als freudiges Ereignis

Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater“, so nennt Regisseur und Bühnenbildner Clemens Maria Schönborn seinen ebenso intelligenten wie unterhaltsamen Abend, der uns die Dystopie als freudiges Ereignis präsentiert, als bizarre Laune einer Schauspielerin, als Tagtraum eines Theater-Tausendsassas.

Was harmlos als private Lesung des 1963 veröffentlichten (und 2012 mit Martina Gedeck in der Hauptrolle verfilmten) Romans beginnt, wird schnell zu einem rhetorisch filigranen Kunstwerk und grandios komischen Schauspiel.

Die Wand als Seelenzustand

Die (nicht vorhandene) Wand ist ein Seelenzustand, eine Möglichkeit, sich selbst zu erkennen und besser zu verstehen. Abgeschottet von der Welt und ganz auf sich selbst geworfen, fliegen die Gedanken frei herum und kennen keine Grenzen.

Rois probiert alles schelmisch aus. Bekommt in Wanderstiefeln dicke Blasen, irrt mit einem Rucksack ziellos durch die finstere Leere, ballert mit einem Gewehr auf potenzielle Nahrung. Schildert, wie schön es ist, Kühe zu melken und das Heu zu ernten. Wie befreiend es ist, keinen Mann um sich zu haben und Rechenschaft abzulegen.

Schön ist es auch, ein Lied zu singen, wenn von irgendwoher ein Klavier klimpert oder eine Gitarre erklingt. Mit Wiener Schmäh intoniert die gebürtige Österreicherin melancholische Songs, die von vergeblicher Liebe und nie zu stillender Sehnsucht erzählen. Sie erinnert sich an den Liedermacher Wolfgang Ambros und seine Version von Bob Dylans „Like a Rolling Stone“, singt von der Frau, die sich früher für was Besseres hielt und über die einfachen Leute lachte, heute aber ganz unten angekommen ist, auf der Straße lebt und bettelt. Dann ist der kurze Abend zur langen Einsamkeit nach 80 Minuten auch schon vorbei. Schade.

Deutsches Theater, nächste Vorstellungen am 16. und 26. März, Karten unter 030/28441225, service@deutschestheater.de

Von Frank Dietschreit

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