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Kultur Gelungene„Metropolis“-Inszenierung
Nachrichten Kultur Gelungene„Metropolis“-Inszenierung
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17:16 16.01.2017
Burkhard Götze im Potsdamer Filmmuseum
Burkhard Götze im Potsdamer Filmmuseum Quelle: KÜHNEL
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Berlin

„Das ist ja genau wie damals in den Goldenen Zwanzigern“, meinte eine Mittdreißigerin am Dienstagabend im Berliner Kino Babylon. Alle Zuschauer blickten gespannt zum Kino-Orchester vor ihnen, das auf seinen Einsatz wartete. Das „Metropolis Orchester Berlin“ wurde eigens zum 90. Jahrestag der Premiere von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ gegründet. Es präsentierte sich mit eleganten Fracks und glitzernden Kleidern im Stil der 20er Jahre.

Doch bevor die Vorstellung des Kinofilmes, der zum Weltkulturerbe zählt, losging, begrüßte als Überraschung ein Redner in schwarzem Anzug und mit roter Fliege die Gäste. Das Ständchen „Wer hat bloß den Käse zum Bahnhof gerollt“ verwirrte sie. Dann klärte er sie jedoch auf, das Liedchen sei als Metapher auf den Flop der Filmpremiere 1927 gedacht. Und anschließend gab er ein paar Anekdoten rund um dieses cineastische Ereignis zum Besten.

Stille beherrschte den Kinosaal, als auf schwarzem Hintergrund der Filmtitel „Metropolis“ in großen weißen Lettern erschien. Kurz darauf – mit den Namen und Rollen der Schauspieler, wie damals üblich – setzte die Musik ein. Beeindruckend komponierte Gottfried Huppertz seinerzeit die Filmmusik, die eine ganz besondere Dramatik heraufbeschwor: in Szenen, in denen riesenhafte Maschinen die arme Arbeiterschaft bedrohen. Oder schaurige dunkle Gestalten in dem expressionistischen Film ihr Unwesen treiben. Den Gegenpol zu diesen düsteren Tönen bildeten dagegen zarte, leise Melodien. Diese untermalten zum Beispiel die Reinheit der Lichtgestalten, die für das Gute kämpfen.

Das Kino-Orchester hat präzise Arbeit geleistet und das Filmjubiläum im Babylon zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Bereits in der Pause klatschte das Publikum tosenden Beifall. Nach der Vorführung gab es minutenlangen Applaus. Die Idee des Dirigenten und Initiators, Burkhard Götze, das legendäre Kino-Orchester in Berlin wiederzubeleben, ist sehr gut angekommen: An allen drei Aufführungstagen – am 12. Januar läuft die letzte Filmvorführung mit Livemusik – ist das Lichtspielhaus ausverkauft.

Von Josefine Kühnel

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