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Kultur Gregor Gysi und Toni Krahl ziehen persönliche Wende-Bilanz in Potsdam
Nachrichten Kultur Gregor Gysi und Toni Krahl ziehen persönliche Wende-Bilanz in Potsdam
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00:22 28.01.2019
Als erste Talk-Gäste hat Superillu-Chefredakteur Stefan Kobus (r.) Gregor Gysi (M.) und City-Sänger Toni Krahl (l.) aufs Podium geladen. Die Veranstaltung fand in der Schinkelhalle in Potsdam statt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

 Die Wochen-Illustrierte „Superillu“ startete am Donnerstagabend in Potsdam eine zehnteilige Veranstaltungsreihe. Zu dem Thema „30 Jahre Mauerfall - eine ehrliche Bilanz“ hat Chefredakteur Stefan Kobus in den neuen Bundesländern insgesamt zehn Podiumsdiskussionen angesetzt. Das Boulevardblatt richtet sich an ein Publikum mit DDR-Prägung und erscheint im Burda-Konzern in einer Auflage von knapp 250 000 Exemplaren.

Zwei bekennende Linke

Den Auftakt in der festlich illuminierten Schinkelhalle machten vor etwa 200 Besuchern der Politiker Gregor Gysi und Toni Krahl, Sänger der Rockband City („Am Fenster“). Beide sind um die 70, haben ziemlich blanke Schädel, sind Sprösslinge aus deutsch-jüdischen Familien, die sich mit dem DDR-Sozialismus stark identifiziert haben und auch heute noch bekennende Linke.

Die erste Frage von Moderator Kobus galt dem Mauerfall. „Wir waren am 9. November beim Klassenfeind auf Tournee, kurioserweise gaben wir ein Konzert bei der Bundeswehr. City hat ja manchmal auch bei der NVA gespielt“, erzählte Krahl, der seit 1978 in den Westen reisen durfte. Für ihn habe die deutsche Wiedervereinigung „außerhalb der Vorstellungskraft gelegen“.

Erinnerungen an den 9. November

Rechtsanwalt Gysi musste am 10. November 1989, 8 Uhr, in einem Ostberliner Gericht einen Mörder verteidigen und stürzte sich deshalb nicht in die Berliner Nacht der Nächte. Wenn er heute über die große politische Zäsur spricht, kommt er ohne Umschweife auf die Vorteile zu sprechen. „Wir haben Frieden, Freiheit und Demokratie gewonnen und eine Währung, die in der Welt gilt. Und wie die Städte heute aussehen, das hätte die DDR nie geschafft“, meinte er. Seine Bilanz fällt deutlich positiv aus. Die Bundesrepublik habe aber den Fehler gemacht, nicht wenigstens fünf Sachen aus der DDR einfach zu übernehmen, etwa die Polikliniken oder die Berufsausbildung mit Abitur. Auch die Politik der Treuhand sei zu willkürlich gewesen. „Dass es nach 29 Jahren immer noch in Ost und West nicht gleiche Renten und gleichen Lohn für gleiche Arbeit gibt, ist ein Skandal“, so Gysi.

City gibt es schon seit 47 Jahren

Auch Krahl verbindet mit der Wende keinen Negativeinbruch, allerdings drei Einbrüche in sein Privathaus. In der DDR habe er sich sicherer gefühlt. „City ist nach 1989 nicht in ein tiefes Loch gefallen, obwohl die Menschen verständlicherweise erst einmal andere Bedürfnisse hatten“, erzählte Krahl. „Doch wir wussten, irgendwann holen sie wieder die alten Platten raus, zu denen sie das erste Mal geküsst und getanzt haben. City ist dann nicht mehr vor 3000, sondern in Klubs vor 500 Leuten aufgetreten. Wir konnten eine eigene Plattenfirma gründen, die Arbeitsbedingungen wurden viel besser“, bilanzierte Krahl. Die größte Krise seiner Rockgruppe sei die Neue Deutsche Welle in den 1980er Jahren gewesen.

Was die DDR-Zensur abgesegnet hat

Der Frontmann geht davon aus, dass City in drei Jahren das 50-jährige Bestehen feiern kann. „Solange wir alle unsere Tabletten pünktlich nehmen und unsere Blutwerte stimmen, machen wir weiter“, scherzte Krahl, der seine Akustikgitarre mitgebracht hatte und auch drei Lieder sang. Krahl wurmt, dass die Sender heute immer nur die alten Kamellen spielen. „Ich sage immer, die Redakteure verlassen sich auf das, was die DDR-Zensur abgesegnet hat.“ Gysi und Kobus führten dafür aber einige gute Gründe an. Zum Lamentieren oder gar zur Ostalgie war in dieser Runde keiner aufgelegt. Im Gegenteil. Gysi gab einige heitere Anekdoten zum Besten, um seinen Zweckoptimismus und seinen Kampfgeist zu untermauern. Den meist gleichaltrigen Jungsensenioren im Saal gab er drei Ratschläge mit auf den Weg: „1. Nehmt die Privilegien des Alters an! 2. Man muss nicht alles vererben. Erfüllt Euch Wunschträume! 3. Hört auf über Krankheiten zu sprechen, davon wird man nicht gesund!“

Von Karim Saab

Geschichten aus der Wendezeit: MAZ verlost das Spielfilmdebüt „Stilles Land“ des Potsdamer Regisseurs Andreas Dresen sowie seinen jüngsten Kinohit „Gundermann“. Beide Werke sind gerade als DVD erschienen.

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