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Kultur Härte und Humor: Das Metallica-Konzert in Berlin
Nachrichten Kultur Härte und Humor: Das Metallica-Konzert in Berlin
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12:27 07.07.2019
Rockgiganten: James Hetfield und Kirk Hammett der US-Band Metallica. (Archiv) Quelle: Especial/NOTIMEX/dpa
Berlin

Von wegen Teufelsmusik, dieses Heavy-Metal-Konzert beginnt wie ein Gottesdienst. Als die Leinwand zu flimmern beginnt und der erste Ton des Intros erklingt, erheben sich auch auf den Sitzplatztribünen alle Metallica-Fans wie Christen beim Vaterunser. In der gezeigten Szene aus dem Western “The Good, the Bad and the Ugly” rennt ein habgieriger Gauner über einen Friedhof in der Prärie, er giert nach einem Goldfund. Der hymnische Soundtrack von Ennio Morricone läutet seit Jahrzehnten jedes Konzert der Band ein. Ein festes Ritual, das die Heavy-Metal-Gemeinde auf fast zweieinhalb Stunden harten Hochgeschwindigkeitsrock einstimmt.

Volles Haus und Bier aus Ein-Liter-Plastikbechern

Hier wird eine heilige Messe gefeiert, nur in ein paar Punkten hinkt der Vergleich zur Kirche. Das Olympiastadion in Berlin ist rappelvoll wie die meisten Gotteshäuser noch nicht mal an Weihnachten mehr. Zum Abendmahl gibt’s kein Wein aus dem Kelch, sondern Bier aus Ein-Liter-Plastikbechern. Und gelacht werden darf auch – aber dazu später mehr. Denn tatsächlich gehört Humor und Selbstironie ja nicht gerade zu den Primärtugenden altgedienter Heavy-Metal-Bands.

Vom Thrash-Metal zur Mainstream-Tauglichkeit

Metallica gründeten sich 1981 und lieferten 1983 mit „Kill’Em All“ ein knüppelhartes Thrash-Metal-Manifest ab. Knapp ein Jahrzehnt später vergraulten sie mit ihrem schwarzen Album, das melodiöser als seine Vorgänger war und mit „Nothing Else Matters“ eine radiotaugliche Schmusehymne enthielt, kompromisslose Krach-Fetischisten und eroberten den Mainstream. Nach Erscheinen der eher konventionellen Rockplatten „Load“ und „Reload“ geriet Metallica pünktlich zur Jahrtausendwende ins Straucheln. Die Bandgründer James Hetfield und Lars Ulrich fetzten sich wie kleine Kinder, ein Psychologe wurde als Mediator eingesetzt. Mit den Alben nach der großen Krise kanalisierten die Musiker ihre Aggressionen wieder verstärkt in ihren Songs anstatt sie aneinander auszulassen.

Lasershow, Stichflammen und Knalleffekte

Beim Konzert am Samstagabend präsentieren sich Metallica mit der mannschaftlichen Geschlossenheit eines Motorrad-Klubs. Auch wenn Sänger James Hetfield, stets breitbeinig stehend und in Rocker-Weste mit Band-Aufnähern gekleidet, den Chef der Gang markiert. Er formuliert manche Ansagen in der dritten Person („Metallica liebt Euch!“) und beschwört die "Metallica-Familie". Damit holt er auch die durch die Hits der 90er-Jahre angelockten Heavy-Metal-Laien ab, die sich einen Abend lang als Teil einer wilden Truppe fühlen dürfen. Die in Weiß gehaltene Bühne ist riesengroß. Links und rechts von der Leinwand, die sich mächtig in die Breite zieht, prangen der erste und letzte Buchstabe des Bandnamens im Stil des Blitzen nachempfundenen Logos. Beeindruckend ist, wie Metallica ihre Anti-Kriegs-Hyme „One“ inszenieren – mit Lasershow, Stichflammen und Knalleffekten, die an Tretminen erinnern.

Gute Stimmung trotz schlechter Akustik

Leider war ist und bleibt das Olympiastadion eine akustische Grabstätte. Es verschluckt jede klangliche Nuance, aber ganz so breiig wie bei Guns N' Roses oder Bruce Springsteen gerät der Sound trotz einiger Schwierigkeiten nicht. Zum Höhepunkt entwickelt sich vor allem der Teil der Show, der selbst am wenigsten Show ist: Hetfield und Co. verlegen die Bühne für eine handvoll Songs auf eine kleine Plattform, die die Laufstege durchs Publikum miteinander verbindet. Wie eine Garagenrockband dreschen die vier Millionäre auf ihre Instrumente ein, treiben sich auf engem Raum gegenseitig an und spielen die finster-fiesen Todeshymnen „For Whom the Bell Tolls“ und „Creeping Death“.

Härte und Humor

Doch Metallica sind mitnichten die knallharten Kerle, die manche erwarten. Das beweisen sie einer bewusst missglückten Coverversion des Rammstein-Hits „Engel“, die vor allem eines ist – ein Gag. Bassist Robert Trujilo quält sich begleitet von Kirk Hammett in gebrochenem Deutsch durch die Textzeilen. Die trauen sich was und beweisen, dass Selbstironie im Dicke-Hose-Genre Heavy Metal durchaus möglich ist.

Von Maurice Wojach

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