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20:40 09.03.2014
Til Schweiger und Fahri Yardim im "Tatort: Kopfgeld".
Til Schweiger und Fahri Yardim im "Tatort: Kopfgeld". Quelle: NDR
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Jan Sternberg: "Limitierte Schauspielkunst"

Wenn Til Schweiger so weitermacht, ist das Ende seiner „Tatort“-Karriere absehbar. Nicht wegen seiner limitierten Schauspielkunst oder der kruden Drehbücher und himmelschreienden Absurdität seiner Folgen. Sondern schlicht und einfach, weil beim Tempo der Schweigerschen Zerstörungswut nach zirka sieben Folgen nichts mehr übrig sein wird, was zu verfilmen wäre: Alle Hamburger Gangster werden tot sein und die Stadt liegt in Schutt und Asche.

Im „Tatort: Kopfgeld“, Schweigers zweitem Auftritt als Nick Tschiller, kommt der 50-Jährige auf dem Weg dorthin einen großen Schritt voran. Und zwei Mal darf er dabei sogar sein bestes darstellerisches Argument auspacken – sein nach wie vor knackiges Gesäß.

Damit sind die beiden Argumente für diesen „Tatort“ hinreichend betrachtet. Ansonsten wurde viel geballert, mit 19 Toten gilt „Kopfgeld“ als der leichenreichste „Tatort“ in 43 Jahren.

Einige in diesem Film können wenigstens schauspielern, vor allem Fahri Yardim und Britta Hammelstein als Schweigers Ko-Kommissare. Hoffnung keimt: Vielleicht liegt Tschiller ja mal länger im Krankenbett und sie bekommen Zeit für eine eigene Folge. Aber was soll’s: Unter dem großen Dach der Marke „Tatort“ ist auch Platz für einen Möchtegern-Bruce-Willis.

Imre Grimm: "Sehenswerter Thriller"

Es muss an manchen Tagen eine Bürde bedeuten, Til Schweiger zu sein. Stell dir vor, du hast 20 Millionen Zuschauer im Kino, du forderst seit Jahren Respekt für deine Schauspielkunst, mal mehr, mal weniger entspannt – aber alle Welt guffelt nur über dein
Genuschel, dein eher variantenarmes Minenspiel und deinen, Entschuldigung, Arsch. Da macht sich der Schweiger in seinem zweiten „Tatort“ am Sonntagabend also hintenrum nackig. Und der Boulevard diskutiert des Längeren und Breiteren, ob das nicht ein wahrhaft phänomenales Hinterteil sei für einen Mann mittlerer Reife.

Bei all der künstlichen Erregung um die soundsovielte Zurschaustellung seines Allerwertesten könnte man glatt übersehen, dass auch sein zweiter Einsatz als Hamburger „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller ein sehenswerter Thriller geworden ist.

Hart und düster ist dieser Thriller geraten, weniger cartoonhaft und hollywoodesk als der erste. Schweiger findet ihn in branchenüblicher Unbescheidenheit „sensationell“ und sogar besser als Teil eins, – aber ganz so spritzig, keck und laut wie der Einstieg ist er nicht. Tschiller als einzelgängerischer Draufgänger funktioniert, aber das hier ist kein fröhliches Entertainmentspektakel mehr, sondern ein komplexer, manchmal etwas verworrener Versuch, Tschillers Abgründe zu zeigen.

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