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Kultur Helmut Berger: Ein Exzentriker wird 75
Nachrichten Kultur Helmut Berger: Ein Exzentriker wird 75
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09:02 29.05.2019
Filmstar, Dandy, schwieriger Typ: Der Schauspieler Helmut Berger. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Salzburg

Helmut Berger ist kein einfacher Mensch. Das sagt der Schauspieler über sich selbst – und in einer neuen Doku liefert er auch den Beweis. Er zeigt in dem Film viel Humor, viel Selbstkritik, aber auch diese etwas unberechenbare, abgehobene, streitsuchende Seite, die sich in der öffentlichen Darstellung über ihn in den vergangenen Jahren durchgesetzt hat. Berger war in den 1960er und 1970er Jahren ein europäischer Star, genoss Ruhm und Parties, stürzte aber nicht zuletzt durch Alkoholeskapaden gewaltig ab und landete im RTL-Dschungelcamp. „Dieser Dschungel, der verfolgt mich, als wenn ich nicht noch anderes gemacht hätte“, sagt Berger in dem neuen Film. Nun wird er 75 Jahre alt, und der Ruf des abgestürzten Künstlers hält sich beharrlich.

Niedersächsin macht Berger-Doku

Bettina Vorndamme wollte eigentlich genau daran arbeiten. Im Internet sah sie die Skandalauftritte des Österreichers und war überzeugt: Dem einstigen Star muss geholfen werden. Sie nahm Kontakt zu Berger auf, lud ihn zu sich aufs Land nach Niedersachsen ein und unterstützte ihn, wo sie konnte. Die Tochter, Filmemacherin Valesca Peters, machte daraus eine Dokumentation. Der Schauspieler gibt in dem kürzlich erschienenen Film viel über sich preis – Gutes wie Schlechtes.

Bekannt wurde Berger mit seinen Rollen in „Die Verdammten“ (1969) und „Ludwig II.“ (1972), für ersteren wurde er 1970 für den Golden Globe als bester Nachwuchsschauspieler nominiert. Bei beiden Filmen führte Luchino Visconti Regie.

Der 38 Jahre ältere Italiener hatte Berger entdeckt, er wird sein Lebensgefährte und „Vaterersatz“. Visconti stirbt 1976 und Berger stürzt in eine Krise. Es folgen ein Selbstmordversuch, Alkoholexzesse, ein dekadenter Lebensstil, aber kaum noch neue große Rollen. Berger sagt, dass er sich nach Visconti niemals mehr in jemanden verliebt habe.

Helmut Berger: „Ich bin total versackt“

Beruflich wie privat bleibt der große Aufschwung stets aus, Berger zehrt zunehmend von seiner Vergangenheit und dem Prädikat des einst „schönsten Mannes der Welt“, als der er mal das Cover der Zeitschrift „Vogue“ zierte. Statt mit schauspielerischen Leistungen macht er mehr mit Auftritten in Talkshows von sich reden. „Ich bin total versackt“, erklärt er schließlich 1996 in Harald Schmidts damaliger Sat.1-Show.

Die ganz große Aufmerksamkeit wird ihm tatsächlich erst wieder zuteil, als er 2013 ins RTL-Dschungelcamp zieht. Aus gesundheitlichen Gründen steigt er bereits nach wenigen Tagen wieder aus, doch plötzlich kennen ihn auch jüngere Menschen. Besonders zuträglich für sein Image war der Auftritt aber sicher nicht.

„Es ist mir scheißegal“, sagt Berger der Filmemacherin Peters, als sie ihn fragt, was andere wohl über ihn denken. Berger schützt sich selbst - oder ist er einfach nur abgehoben und selbstverliebt? Seine öffentlichen Auftritte sind zu unterschiedlich, um darauf eine klare Antwort zu geben.

Streit über Selbstbefriedigungsszenen

Zuletzt noch stritt er sich vor Gericht mit dem Regisseur Andreas Horvath, der ihn im Dokumentarfilm „Helmut Berger, Actor“ bei der Selbstbefriedigung gezeigt hatte. „Bloßstellend und herabsetzend“ seien einige Szenen gewesen, so der Vorwurf. Kurz vor seinem 70. Geburtstag 2014 berührte Berger derweil mit einem eher stillen Auftritt: Zittrig und gesundheitlich angeschlagen zeigte er sich zur Weltpremiere von „Saint Laurent“ auf dem roten Teppich des Filmfestivals von Cannes. 2018 folgte dann in hohem Alter sein Theaterdebüt: An der Volksbühne Berlin spielt Berger an der Seite von Ingrid Caven einen Baron der Barockzeit.

Ob dieses Engagement ohne die Unterstützung des Doku-Teams möglich gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Und so bleibt die Frage, welches Bild sich von Berger irgendwann einmal in den Erinnerungen der Menschen festsetzen wird. Bettina Vorndamme hat ihr Fazit bereits gezogen: „Er ist nicht wie wir. Es wird immer so sein, dass wir ihn nicht verstehen können.“

Von RND / dpa

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