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Kultur Herzensgut und bisweilen schwerblütig
Nachrichten Kultur Herzensgut und bisweilen schwerblütig
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07:17 14.01.2017
Sam Alone kommt gar nicht allein – er bringt seine Totengräber mit.
Sam Alone kommt gar nicht allein – er bringt seine Totengräber mit. Quelle: Promo
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Potsdam

Gibt uns der Name dieser Band bereits etwa was zu denken auf? Sam Alone & The Gravediggers. Hm, finstere Gesellen könnten sie sein, diese Totengräber. Der Einsame Sam und seine Gefährten könnten außer einem Windlicht und den obligaten Spaten, die sie für ihre nächtliche Betätigung auf den Friedhöfen dieser Welt benötigen, tonnenschwere böse Metal-Riffs von den Saiten ihrer Stromgitarren lassen. Tun sie aber nicht: Stattdessen schlagen die Portugiesen mächtig an die Western-Glocke und kommen mit inbrünstig intoniertem Folk-Rock um die Ecke. Hymnisch und mit taumelnden Melodien. Als Referenzpunkte könnten geradlinige Typen wie Frank Turner und Bruce Springsteen herhalten. Gerade an letzterem scheint die fünfköpfige Truppe um Sam Alone, hinter dem sich Poli Correira verbirgt, geschult. Und wie der „Boss“ aus New Jersey haben Sam und seine Gravediggers auf ihrem Album „Tougher Than Leather“ ein weites Herz für das Schicksal der einfachen Leute. Und früher? Ja, da hat Poli C. tatsächlich mal ganz wild herumgemacht. Ein echter Berserker. Bei Devil in Me war knallharter Harcore-Punk ihr Handwerk.

Manchmal heiter, manchmal mit Sorgen beschwert: Luke Elliot. Quelle: Jorn Veberg

Luke Elliot und seine Jungs indessen geben erst gar nicht vor, jemand anders zu sein. Unlängst hatte Elliot mit dem außergewöhnlichen Sivert Hoyem, einst Frontmann von Madrugada aus Norwegen, auf der Bühne gestanden. Eine sogenannte Win-Win-Situation in Sachen Melancholie. Nun bekommt der 32-Jährige aus Princeton, New Jersey samt Verstärkung seine Chance, seine dunklen, von einigem Pathos umflorten Songs vorzustellen. „Dressed For The Occasion“ nannte er sein aktuelles Album, worauf er sowohl den zornigen als auch den verlorenen, vom Leben mitgenommenen jungen Mann gibt – ob nun in den Uptempo-Nummern mit Twang und etwas Western-Feeling oder in den eleganten Balladen, die er mit Tiefsinn vorträgt. Brillant auch sein Versuch, Tim Hardins unsterbliches Lied „Reason To Believe“ langsam und wie einen Tränenzieher im Country-Stil aufzuladen. Bereits als Achtjähriger erhielt er erste Stunden auf dem Piano. Auf Anraten eines Journalisten ging er einst nach Norwegen und erntete sofortige Aufmerksamkeit. Sehr zu Recht.

Die Konzerte: Sam Alone & The Gravediggers treten am Sonntag, dem 15. Januar, um 20 Uhr im Maze in Berlin-Kreuzberg auf.

Luke Elliot und Band sind am Mittwoch, dem 18. Januar, um 20 Uhr im Privatclub in Berlin-Kreuzberg zu Gast.

Von Ralf Thürsam