Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur „I Am Mother“: Wenn Mama aus Metall ist
Nachrichten Kultur „I Am Mother“: Wenn Mama aus Metall ist
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 19.08.2019
Wer ist die bessere Mutter? Die Frau aus Mensch und Blut (Hilary Swank) oder die Roboter-Mama? Quelle: Concorde
Hannover

Können Roboter hilfsbedürftige Menschen unterstützen? Regisseur Grant Sputore spielt die Sache in seinem intelligenten Science-Fiction-Film mal durch. Die Pflegetechnologie ist hier bereits weit fortgeschritten, die Aufmerksamkeit des titelgebenden humanoiden Roboters gilt aber nicht Senioren: Die Aufgaben des schlicht als „Mutter“ bezeichneten Androiden liegen in der Kinderbetreuung – und das bereits vom Embryonalstadium an.

Der Grund für die Existenz des Roboters ist ein trauriger: Nachdem die Menschheit fast komplett ausgelöscht wurde, ist „Mutter“ in einer Einrichtung zur Neubesiedelung der Erde für mehr als 63.000 tiefgefrorene Embryonen zuständig. Aktuell päppelt und unterrichtet sie ein „Tochter“ genanntes Mädchen (Clara Rugaard), das unter ihrer fürsorglichen Obhut zu einem neugierigen Teenager heranreift. Für die „Tochter“ ist der Umgang mit einem Maschinenwesen selbstverständlich, täglicher strenger Unterricht inklusive. „Tochter“ würde aber auch gern mehr über die Welt außerhalb des Bunkers wissen.

Ist die Erde da draußen wirklich unbewohnbar?

Die Beziehung zwischen der metallenen Mutter und ihrem menschlichen Zögling ist unproblematisch – bis eines Tages vor der Luftschleuse eine schwerverletzte Frau (Hilary Swank) auftaucht. Ihre bloße Existenz widerspricht allem, was Mutter über die Unbewohnbarkeit der Erde behauptet hatte. Tochter lässt die Unbekannte heimlich herein und versorgt sie. Die angeschossene Frau hat offenbar schlechte Erfahrungen mit Androiden gemacht und will ihre Retterin überreden, ihr in die Außenwelt zu folgen. Angeblich gibt es dort noch weitere Überlebende.

Aus dieser Konstellation und erstaunlicherweise auch aus dem recht überschaubaren Setting bezieht das Science-Fiction-Drama Spannung – Spuren von Klassikern wie „Ex Machina“, „Alien“ und „Terminator“ sind unverkennbar. Ist die Robo-Mama womöglich doch keine Wohltäterin? Was, wenn sie die Frau tötet? Und wie steht es um die neue Mitbewohnerin: Ist diese vertrauenswürdig? Was geht da draußen vor den dicken Metalltüren tatsächlich vor? Das von Clara Rugaard einnehmend gespielte Mädchen sieht sich plötzlich gezwungen, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Muss ein Mensch das Überleben von fünf anderen sichern?

Die Story mag nicht in allen Punkten wasserdicht sein. Aber Drehbuchautor Michael Lloyd Green nutzt sie zu einem abgründigen Gedankenspiel über moralische Aspekte des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz, die auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet ist. Nicht von ungefähr stellt Mutter ihrer „Tochter“ im Ethikunterricht die Frage, wie man verfahren solle, wenn die Organe eines Menschen, der selbst noch gerettet werden könnte, fünf anderen Menschen das Überleben sichern würden.

„I Am Mother“ zählt ohne Frage zu den Science-Fiction-Filmen, die zum Nachdenken anregen. So einfach lässt sich hier nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden.

„I Am Mother“, Regie: Grant Sputore, mit Clara Rugaard, Hilary Swank, 115 Minuten, FSK 12

Von Jörg Brandes / RND

Mit Musik gegen die Rodung von Wäldern: Bei einem Open-Air-Konzert macht Komponist Fazil Say auf den Raubbau in der Nordwesttürkei aufmerksam - und spielt ein Stück, das er eigens komponiert hat.

18.08.2019

Das 1990 gegründete Festival Wacken Open Air ist seit Jahren eines der Mega-Events im Heavy Metal-Markt - und soll nun auf Gesellschafter-Ebene finanzkräftige Verstärkung für sein Organisationsteam bekommen.

17.08.2019

Die Jury des Filmfestivals von Locarno hat sich für künstlerisch Anspruchsvolles entschieden. Der portugiesische Spielfilm “Vitalina Varela” gewinnt den Hauptpreis.

17.08.2019