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Kultur Intendant Wellemeyer muss gehen
Nachrichten Kultur Intendant Wellemeyer muss gehen
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21:01 29.12.2016
Tobias Wellemeyer. Quelle: dpa
Potsdam

Jann Jakobs (SPD) wird den Vertrag mit Theaterchef Tobias Wellemeyer nicht verlängern. Diese Personalie gab am 29. Dezember 2016 das Büro des Oberbürgermeisters bekannt. „Die Landeshauptstadt strebt neue künstlerische Impulse an“, heißt es in der Begründung. Das Hans-Otto-Theater (HOT) ist die größte Kultureinrichtung der Stadt. Fast zwölf Millionen Euro der öffentlichen Hand ermöglichen die Arbeit der 160 Mitarbeiter und des 25-köpfigen Ensembles.

Der 55-jährige Wellemeyer übernahm 2009 die HOT-Intendanz. Sein Anstellungsvertrag wurde 2013 um fünf Jahre verlängert und läuft nun im Juni 2018 aus. Ausschlaggebend für die Entscheidung, die Jakobs im Alleingang treffen durfte, waren sicherlich sinkende Zuschauerzahlen. 2007, im ersten Jahr nach der Eröffnung des Theaterneubaus am Tiefen See, fanden 132 000 Zuschauer den Weg in die beiden Spielstätten auf dem Kulturstandort Schiffbauergasse. 2015 waren es nur noch 108 000. Die Potsdamer SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz bedauerte erst kürzlich in einem Hintergrundgespräch mit der MAZ, dass sich das Einwohnerwachstum der Stadt Potsdam nicht in der Besucherstatistik des Theaters widerspiegele.

Dass es Wellemeyer nicht gelungen ist, das Interesse des Publikums zu steigern, hat auch qualitative Gründe. Zwar setzte Wellemeyer – wie bereits sein Vorgänger Uwe Eric Laufenberg – darauf, Gastregisseure mit unterschiedlichen Handschriften an das Haus zu binden. Intention war es, verschiedene Milieus in der Stadt anzusprechen. Doch den honorigen Gastregisseuren, die heute hier und morgen dort inszenieren, fiel es oft schwer, präzise auf den Ort einzugehen. Es gab zu wenig konkrete Impulse in Richtung Stadt. Nur in Ansätzen kamen Geschichten und Motive, wie sie in Potsdam auf der Straße liegen, auch auf der Bühne zur Sprache.

Wellemeyer selbst steht für tiefsinnige, realistische Inszenierungen. In seiner Mitteilung hebt Oberbürgermeister Jakobs mit Recht zwei Wellemeyer-Aufführungen hervor, die das Profil des HOT geschärft hätten: Uwe Tellkamps „Der Turm“ und Leo Tolstois „Auferstehung“. Die Dramatisierung des Tellkamp-Romans im November 2010, die auch ein Zuschauererfolg wurde, war vielleicht sogar ein Befreiungsschlag, nachdem die Einstiegssaison 2009/10 als Fehlstart bewertet wurde. Damals wurde dem Ensemble, das zu einem großen Teil vom Magdeburger Theater kam, angekreidet, dass es auf der Bühne zu ernsthaft zuging.

Wellemeyer reagierte und setzte regelmäßig auch Unterhaltungsstücke auf den Spielplan. Mit Bestsellern wie „Kunst“, „Frau Müller muss weg“ oder „Terror“ wollte die Intendanz nichts falsch machen. Der Spielplan machte das HOT aber auch verwechselbar. Mit „Ein Käfig voller Narren“ im November gelang 2014 ein echter Komödien-Erfolg. Ansonsten aber blieb immer erkennbar, wann das HOT nach der Quote schielt und Risiken scheut. Sollte es um Amüsement gehen, wurde es nicht selten platt. Wurde dagegen trockenere Kost geboten, blieben Irritationen oder Provokationen in der Regel aus. Auch das Kinder- und Jugendtheater erlebte keinen echten Aufschwung.

Wellemeyer versuchte es kaum, sich in Potsdam für sein sozial-ästhetisches Programm ein Publikum heranzuziehen. Sein ureigentliches Anliegen, die höllenhafte Seite der Ehe, der Familie, der Kleinstadt und der feinen Gesellschaft auf der Bühne darzustellen, blieb auf der Strecke. Seine Lieblingsdramatikerin Dea Loher inszenierte er hier nicht, weil er offenbar Angst hatte, die Potsdamer zu überfordern.

Vor allem aber konnte der Theatermann nicht als Kommunikator überzeugen. Im eigenen Haus gab es zu viele Konflikte, die nicht plausibel gelöst wurden. Und viele außenstehende Akteure der reichen Kulturszene Potsdams erlebten das Theater als eine Institution, der die Integration in die Stadt schwer fällt.

„Nach zwei Amtszeiten als Intendant übergebe ich das Haus an Nachfolger, die es abermals von Grund auf neu erfinden“, ließ Wellemeyer am Donnerstag verlauten. „Ich freue mich auf die Inszenierungen und Projekte der aktuellen und der kommenden Spielzeit.“ Stadt und Land bereiten derzeit ein Auswahlverfahren für einen neuen Intendanten vor.

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Von Karim Saab

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