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Kultur „Zehdenick war schräger als Shanghai“
Nachrichten Kultur „Zehdenick war schräger als Shanghai“
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11:05 27.03.2014
Freie Oberkörper in Oberhavel: Mitglieder der Band 5 Teeth Less und andere Zehdenicker präsentieren sich in „Deutschboden“ von ihrer tätowierten Seite. Quelle: W-Film/Florianfilm
Zehdenick

MAZ: Was ist die perfekte Größe für ein Glas Bier?
André Schäfer: Das kommt auf den Anlass und die Tageszeit an. Der Autor von „Deutschboden“, Moritz von Uslar, sagt in unserem Film, dass 0,3 Liter eine wunderbare Größe ist. Bis 18 Uhr ist das perfekt und danach dürfen es auch 0,5 Liter sein.

Wie viel Bier mussten Sie mit den Zehdenickern trinken, damit sie sich filmen lassen?
Schäfer: Es gab einen feucht-fröhlichen Abend, bei dem wir uns alle kennengelernt haben. Wir waren uns schnell über den Film einig, dann haben wir bis zum Dienstschluss des Wirtes in der Gaststätte Schröder geredet und sehr viel getrunken.

Wie wirkte die Stadt im Vergleich zu dem Bild, das Sie aus dem Buch hatten?
Schäfer: Sehr adrett. Mein Kameramann war etwas enttäuscht. Viele Wände waren neu angestrichen, und die Stadt kam nicht so düster rüber wie im Buch. Wir haben versucht, dem Buch trotzdem nahezukommen und ein paar finstere Ecken zu finden. Ich war total angetan von dem Hafen und den Tonstichen. Es ist eine funktionierende Kleinstadt.

Rein in den wilden Osten

„Ich haue ab von hier,  dorthin, wo kaum ein Mensch je vor uns war – nach Hardrockhausen.“
Zitat aus "Deutschboden"

Die Zehdenicker mussten sich bereits für das Buch monatelang ausfragen lassen. Hat es sie nicht genervt, noch gefilmt zu werden?
Schäfer: Zumindest die Bandmitglieder von 5Teeth Less fanden das geil. Ich bin gespannt, wie die anderen rund 13.000 Bewohner auf den Film reagieren. Die Jungs von der Band glauben, dass es keine Buh-Rufe und keine Prügel geben wird. Die Zehdenicker können sich wirklich wohl fühlen, was den Film angeht. Natürlich gibt es hässliche Ecken, die gibt es in jeder Kleinstadt – ob im Westen oder Osten. Es gibt aber auch schöne Ecken, die wir in großen Bildern zeigen. Unsicher bin ich, wie die Zehdenicker, die im Film einen Schnaps nach dem nächsten trinken, das auf der großen Leinwand finden. Es gab einen Gast, der bei allen Kneipenszenen im Hintergrund zu sehen ist. Das fiel mir erst im Nachhinein auf.

Manche der Protagonisten gehörten früher zur rechten Szene. Im Film bedauern sie das zwar, aber loben die „geilen Partys“ von damals. Hatten Sie mal überlegt, solche Antworten in dem Film stärker einzuordnen?
Schäfer: Nein, wir erklären nichts, wir dokumentieren. Ich habe aber nachgefragt, warum die solche Sachen gemacht haben. Meine Aufgabe war aber keine investigative, ich wollte die Menschen nicht entlarven.

Nebenbei haben Sie dennoch einiges entdeckt.
Schäfer: Ja, wir haben zum Beispiel im Hinterzimmer eines Kiosks gedreht, das Moritz von Uslar noch nicht kannte. Ein vergilbter Raum, in dem sich ein paar Männer täglich treffen, rauchen und schon um 11Uhr einiges trinken. Das ist eine eigene Welt.

Sie dokumentieren nicht nur, Sie stellen Szenen nach, die im Buch schon beschrieben wurden. Warum ist das nötig?
Schäfer: Weil das literarisch starke Szenen waren. Ich habe zum Beispiel noch nie Leute mit 100 km/h nachts und ohne Licht durch den Wald fahren sehen und dann auch noch auf dem Radweg. Das wollte ich natürlich auch im Film haben. Andere Sachen sind einfach passiert. Wenn ein muskelbepackter, tätowierter Typ sich im Nagelstudio die Augenbrauen zupfen lässt und uns einlädt, dann muss man das drehen. Und dann erzählt er auch noch, dass er bei der Jugendweihe seiner Tochter Pipi in den Augen hatte.

Sie haben gerade in China gedreht. Was war exotischer – Shanghai oder die märkische Kleinstadt?
Schäfer: Zehdenick war schräger als Shanghai und auch nicht so westlich. Du siehst eine tolle Skyline, verständigst dich auf Englisch und nach ein paar Tagen fliegst du wieder weg. In Zehdenick mussten wir uns auf die fremde Umgebung einlassen. Drei Monate an einem Ort zu drehen, war eine neue Erfahrung. Es war toll und ich vermisse das.

Interview von Maurice Wojach

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