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Kultur Brückenbauern in der Kammerakademie Potsdam
Nachrichten Kultur Brückenbauern in der Kammerakademie Potsdam
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22:11 09.12.2018
Sprang als erstklassiger Ersatz ein: der Oboist Philipe Tondre aus Frankreich. Quelle: Martin Jehnichen
Potsdam

Um Komponisten, die es wagen, von den bewährten Pfaden abzuweichen, Althergebrachtes zu hinterfragen und neue Räume aufzustoßen, ging es beim Sonnabendkonzert der Potsdamer Kammerakademie in Nikolaisaal gleich dreimal. Der erste der hier „Brückenbauer“ genannten war Arnold Schönberg (1874–1951). Seine erste Kammersinfonie gehörte am Anfang des 20. Jahrhunderts zu jenen Werken, die die bislang tonal geschulten Hörgewohnheiten auf den Kopf stellten und den Weg zur Atonalität bereiteten. Der gebürtige Wiener vollzog im Konzertsaal das, was in der Malerei die Impressionisten umsetzten: Die Suche nach neuen Wegen und Ausdrucksmitteln.

Dem Dirigenten flog der Taktstock davon

Das 1907 uraufgeführt Werk sprengte schon von der Besetzung her das bis dahin Übliche: Schönberg schrieb es für 15 Soloinstrumente. Und damit ist es in der Kammerakademie in besten Händen. Ihr Chef Antonello Manacorda legt sich dabei derart ins Zeug, dass ihm einmal sogar sein Taktstock davonfliegt.

Von der Grippewelle erwischt

Einen Brückenbauer ganz anderer Art brauchte es beim Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bohuslav Martinu (1890–1959): Den eigentlich angekündigten Weltklasse-Solisten Ramon Ortega Quero hatte kurz vor der Aufführung die Grippewelle erwischt und er musste absagen. Mit Philippe Tondre, dem Solo-Oboisten vom SWR Symphonieorchester Stuttgart, fand sich zum Glück in kürzester Zeit ein erstklassiger Ersatz. Tondre schafft es mit spielerischer Lust, das Eigenständige von Martinus Werk bloßzulegen, diese ganz unverwechselbare Tonsprache zwischen Alt und Neu, zwischen Gestern und Morgen. Auf brillante Weise bringt er sowohl das Tänzerische der böhmischen Tradition wie auch die Nähe zu Igor Strawinsky und seinem „Petruschka“ zum Klingen.

Wobei die Uraufführung 1956 selbst ein Brückenschlag allererster Güte war. Komponiert in Nizza, schickte Martinu das Konzert seinem in Australien lebenden Prager Jugendfreund Jiri Tancibudek, der es dort während der olympischen Spiele vorstellte – jenem sportlichen Großereignis, unter dessen Stars auch der tschechische Langstreckenläufer Emil Zatopek war.

Selten gespielt: Beethovens Vierte

Und letztlich gehörte auch Ludwig van Beethoven (1770–1827), man übersieht das heute gerne, zu jenen Musikern, die die Grenzen der klassischen Form immer weiter ausloteten. Ein beredtes Beispiel dafür ist seine 4. Sinfonie. Zu Lebzeiten des Komponisten war sie ausgesprochen populär, in jüngerer Zeit wird sie vergleichsweise selten gespielt. Dass das anders sein müsste, zeigten Manacorda und die Kammerakademie an diesem Abend nachdrücklich auf.

Das Lebensgefühl von 1806

Auch wenn der Viersätzer eher melancholisch-getragen beginnt und der Dirigent diesen Einstieg noch weiter dämpft, kommt es doch bald zu einem Umschlagen im Gestus. Spiegelt das Werk doch etwas vom Lebensgefühl Beethovens in jenen Jahren um 1806 wider, den ein Freund da als „heiter, zu jedem Scherz aufgelegt, frohsinnig, munter, lebenslustig, witzig, nicht selten satirisch“ bezeichnete. Manacorda und das Orchester bringen das alles mit Verve aufs Schönste zu Gehör. Am Ende viel Beifall, erst für den Solisten, dann für Manacorda und die Musiker der Kammerakademie.

Von Frank Starke

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