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Kultur Karl Hagemeister – ein märkischer Impressionist im Potsdam-Museum
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18:27 05.02.2020
Teich in der Mark aus dem Jahr 1902 – eines der zahlreichen Seerosenbilder von Karl Hagemeister. Quelle: varvara Smirnova
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Potsdam

Es sind wilde Linien in weißer Pastellkreide, die über die Leinwand schwirren. Dahinter lässt sich ungefähr die Kontur eines Baumstammes erahnen. Nur in der unteren linken Ecke des Bildes schimmert verschwommen das saftige Grün einer märkischen Landschaft durch.

Auf den ersten Blick kaum zu glauben, aber das ist ein Hagemeister. Einer aus der späten Schaffensphase des märkischen Landschaftsmalers – und „unglaublich modern“, freut sich die Direktorin des Potsdam-Museums, Jutta Götzmann.

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Vorbote der gegenstandslosen Malerei

Modern, im Sinne von abstrakt. Denn die abgebildeten Objekte lassen sich in der Tat kaum noch erahnen. Es sind Linien, Flächen und Farben zu sehen, die ein wohlkomponiertes Bild ergeben. „Winterlandschaft (Rauhreif)“ hatte Karl Hagemeister das um 1910 entstandene Pastellgemälde genannt. Ein Bild, das ihn zum Vorboten der gegenstandslosen Malerei macht. Der Impressionismus scheint überwunden.

In einer breit angelegten Karl-Hagemeister-Retrospektive zeigt das Potsdam-Museum 88 Werke des märkischen Landschaftsmalers. Ein Blick in die Ausstellung mit einer kleinen Auswahl der gezeigten Werke.

Dabei ist Hagemeister noch nicht einmal im Impressionismus so richtig verankert. Bislang gilt der 1848 in Werder geborene Künstler, der dort die meiste Zeit seines Lebens verbrachte und dort 1933 nach langer Krankheit auch starb, vielen immer noch als märkischer Heimatmaler. Götzmann will das ändern.

Zusammen mit der Kunsthistorikerin Hendrikje Warmt hat sie eine Ausstellung konzipiert, die Hagemeister „in den Reigen der großen deutschen Impressionisten aufnehmen soll“. Neben bekannteren Vertretern dieses Malstils, wie Max Liebermann, Lovis Corinth oder Walter Leistikow.

88 Werke des märkischen Meisters

Die Schau, die die beiden kuratiert haben, kann sich sehen lassen. Das Potsdam-Museum zeigt in den kommenden Monaten 88 Ölgemälde, Pastelle und Zeichnungen von Karl Hagemeister aus allen Schaffensphasen. Dazu kommen zwölf Arbeiten von Malerkollegen wie Liebermann, Corinth, Leistikow, Lesser Ury und Max Slevogt, Künstler, die wie Hagemeister seinerzeit der Berliner Secession angehörten, jener Künstlervereinigung, die sich von der akademischen Malerei abgrenzte und heute für den Deutschen Impressionismus steht.

Am Sonnabend wird die Schau, die im Oktober nach Schweinfurt und anschließend nach Ahrenshoop wandert, eröffnet. Der märkische Maler wird damit fast zwei Jahre lang in Deutschland zu sehen sein, betont Götzmann.

Gleich nebenan gibt es demnächst Monet

Die Schau ist eine gelungene Ergänzung zu der großen Monet-Ausstellung, die im benachbarten Museum Barberini zwei Wochen später öffnen wird. Hagemeister hat fast ausschließlich Landschaften gemalt und dabei versucht, Stimmungen einzufangen. „Ich erkannte, dass nicht die Tonigkeit die Hauptsache für die Bilder sei, sondern das Licht, das ewig wechselt“, bekannte der Künstler einmal.

Und so hatte er sich Schritt für Schritt von der Malweise der Tradition gelöst. Spätestens 1884, nach einem Aufenthalt in Paris, war es um ihn geschehen. Hagemeister malte helle, lichtdurchflutete Bilder, die Konturen verschwammen, lose Farbtupfer reflektierten die abgebildeten Gegenstände.

Die Potsdamer Ausstellung führt durch alle Stationen, von den noch erdigen Bildern wie etwa die „Kinder auf dem Eis“ von 1870, über die berühmten märkischen Landschaften, die immer impressionistischer werden, bis zu den späten Arbeiten, in denen Hagemeister schon fast expressionistisch malt, bis er am Ende teilweise gar die gegenständliche Haftung verliert.

Exklusive Leihgaben

Jutta Götzmann und Hendrikje Warmt haben für die Schau nicht nur das Depot des Potsdam-Museums geplündert – das Haus hat nach eigenen Angaben nach dem Berliner Bröhan-Museum den größten Bestand an Hagemeister –, sie haben auch zahlreiche Leihgaben an Land gezogen.

So ist zum Beispiel das Bild „Teich in der Mark“ von 1902 erstmals überhaupt außerhalb des Bröhan-Museums zu sehen – eines von Hagemeisters Seerosenbilder. Dieses Werk zu sehen ist vor allem deshalb eine besondere Gelegenheit, da nebenan im Barberini die Seerosen von Claude Monet ausgestellt werden.

Hagemeister-Schau in drei Städten

Das Potsdam-Museum ist die erste Station der großen Karl-Hagemeister-Ausstellung.

Die in Zusammenarbeit mit dem Museum Georg Schäfer in Schweinfurt und dem Kunstmuseum Ahrenshoop entstandene Schau wird anschließend bis Herbst 2021 an den beiden anderen Orten gezeigt.

Karl Hagemeister. „... und das Licht, das ewig wechselt“. Landschaftsmalerei des deutschen Impressionismus. Potsdam-Museum, Am Alten Markt, Di, Mi, Fr 10-17 Uhr, Do bis 19 Uhr, Sa und So bis 18 Uhr. 8. Februar bis 5. Mai.

Es sind solche Raritäten, die einen Besuch der Ausstellung lohnenswert machen. Aber auch die späten Arbeiten auf der Insel Rügen, wo Hagemeister sich nach 1907 regelmäßig damit beschäftigte, die Naturgewalt des Meeres einzufangen, beeindrucken. Der Künstler schuf prägnante Farb- und Bewegungsimpressionen, indem er die Farbtuben direkt auf die Leinwand drückte und ohne Pinsel, nur mit den Fingern arbeitete.

Hagemeister-Liebhaber trennen sich nicht gern von ihren Bildern

Interessant auch das Fotomaterial, das die Ausstellung bereitstellt. Details, die dem Maler als Vorlage dienten aber auch einfach die Perspektiven von denen er malte, zeigen. Überhaupt erstmals zu sehen auch ein dreieinhalbminütiger Stummfilm, in dem Hagemeister durch das Werder von 1928 führt.

Die Exponate der Ausstellung werden übrigens im Laufe der Monate wechseln, da vor allem die Pastellbilder zu lichtempfindlich sind. Und manches Werk, wie zum Beispiel das in blauen und grünen Farbtönen flirrende Bild „Nach dem Frühlingsgewitter“ von 1910 wird nur in Potsdam zu sehen sein. „Es gab private Leihgeber, die sich nicht für zwei Jahre von einem Hagemeister trennen wollten“, erzählt Jutta Götzmann. Deshalb geht nicht alles anschließend nach Schweinfurt und Ahrenshoop.

Von Mathias Richter

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