Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Weiter auf dem Feldzug: Audrey Horne
Nachrichten Kultur Weiter auf dem Feldzug: Audrey Horne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:43 17.01.2018
Gekonnt entfesselte Riff-Gewitter: Audrey Horne.
Gekonnt entfesselte Riff-Gewitter: Audrey Horne. Quelle: Bent René Synnevåg
Anzeige
Potsdam

Freunde der gepflegten Lärmens auf Twin-Gitarren – hier habt ihr gleich zu Jahresbeginn einen Leckerbissen, der die verdoppelten Gitarren von Arve Isdal und Thomas Tofthagen in allerbester Form in die Lauschlappen hämmert. Noch dazu fein böllernde federnde Bassfiguren und eine unerhört effiziente Schlagzeugerei. Audrey Horne zeigen sich in erstaunlicher Spiellaune. Und das, obwohl sich die Arbeit an den Stücken fürs aktuelle Album „Blackout“ wie man hört etwas hinzogen. Zehn von über 70 schafften es schließlich auf die Platte.

Mehr davon

Gebt es zu: Ihr habt sie doch gern gezockt –die Skater-Spiele um Tony Hawks. Knackig untermalt von Nebula. Die kalifornischen Stoner-Rocker, 1997 von Mitgliedern der Band Fu Manchu fett ins Leben gerifft, machen jetzt Monat für Monat auf ihre hochwertige Hinterlassenschaft aufmerksam. Dieser Tage wird ihr Frühwerk „Let It Burn“ wiederveröffentlicht. Im Februar folgt das Debüt „To The Center“ und im März die raren „Dos EPs“ (alle Heavy Psych/Cargo). Sämtlich aufgewertet mit Bonus-Stücken. Die Stoner-Bewegung war überrascht vom plötzlichen Aufstieg und Fuzz-Furor der Band, die sich ebenso in psychedelische, sogar progressive Gefilde begab und vor Berührung mit Ikonen wie Black Sabbath oder AC/DC längst nicht Halt machte. Wie gemacht für Neueinsteiger und Wiederentdecker. Damit niemand denkt, dass hier ein Nachruf verfasst wird: Freuen darf man sich wie Bolle darauf, dass die Truppe um Gitarrist Eddie Glass neu formiert beim Desertfest in Berlin aufschlägt.

Es gibt sie noch: die Vertreter der klassisch zu nennenden Ära des Progressive Rock. Auch im benachbarten Niederlanden. Kayak, personell vom letzten verbliebenen Gründungsmitglied Ton Scherpenzeel erneuert, legen jetzt ihr schlicht mit „Seventeen“ betiteltes Studioalbum vor. Vital, orchestral und phänomenal. Akkurate Vokals, apart geschichtete Keyboard-Kaskaden, abwechslungsreiche wie einprägsame Saiten-Schöpfungen. Was soll man sagen? Alte Schule, neue Horizonte. Eine köstliche Mixtur aus sinfonischem und melodischem Rock. Wenn schon das Wort bombastisch fällt, dann weil „17“ keinen Vergleich mit gloriosen Platten wie „Paradise Theater“ von Styx oder „Misplaced Childhood“ von Marillion zu scheuen braucht.

Kayak: Seventeen. InsideOut Music/Sony.

Norwegen, so scheint es, ist wie das benachbarte Schweden der Hort des Hard Rock. Der Fünfer aus Bergen hat die Großen inhaliert: Iron Maiden dürften unter anderem als deutlicher Orientierungspunkt auszumachen sein. Doch die straff heruntergerockten Power-Songs erinnern bisweilen Foo Fighters. Cello, Piano und Hammondorgel bringen weiteren Nuancen ins gekonnt entfesselte Riff-Gewitter. Mal wird das Tempo angezogen, mal geht es gebremster zu. Etwas Blues-Färbung spielt mit der Erinnerung an Thin Lizzy. Wer mag, kann weiterforschen. Keineswegs wollen sich die Jungs anbiedern. Was sie gerade anbieten, ist vielmehr ein unbeirrt lauter und cleverer Feldzug für Hard Rock und Metal.

Zaubern einen wuchtigen Sound herbei: Magick Touch. Quelle: Christian Misje

Für Magick Touch gilt genauso gut: Damit kann man etwas anfangen. Das Trio, formiert 2014, kommt aus der Nachbarschaft. Buchstäblich und übertragen. Aus der Nähe von Bergen und mit allergrößter Nähe zum harten Rock. Auf ihrem Debüt-Album „Blades, Chains, Whips & Fire“ treten die drei das Wah-Wah-Pedal bis zum Anschlag durch. Geschwind, laut und mit etlichen deutlichen Bezügen auf die achtziger Jahre – wer zählt die Namen? Doch sie steigen noch tiefer hinunter. Früher, zäher Doom ist spürbar und die eine oder andere tiefe wie wuchtige Verneigung vor Led Zeppelin. Wie im Titelsong, in dem Klingen sausen, Ketten rasseln, Peitschen knallen und endlich alles in Flammen aufgeht. Eine feine, weil kompromisslos agierende Ergänzung für diesen Abend.

Das Konzert: Audrey Horne & Magick Touch spielen am Donnerstag, dem 18. Januar, um 20 Uhr im Musik & Frieden in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam