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Kultur Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?
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00:20 20.06.2018
Frank Schätzing bei der Matinee im Potsdamer Hans-Otto-Theater. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Was wird das alles wohl noch werden? In „Der Schwarm“ hatte der Kölner Starautor Frank Schätzing 2004 die globale Auflehnung, einen Feldzug der Natur gegen den Menschen inszeniert.

Da rächt sich das überfischte, verschmutzte Meer mit einer Riesenwelle. Nach dieser ökologischen Botschaft nun wieder ein Thema, das viele umtreibt.

In seinem jüngsten Thriller „Die Tyrannei des Schmetterlings“, seit Wochen auf Platz eins der Bestsellerliste des „Spiegel“, geht es um künstliche Intelligenz. Fluch oder Segen?

Am Sonntag war der 61-jährige Schätzing mit dem Buchkritiker Denis Scheck darüber im Potsdamer Hans-Otto-Theater im Gespräch. Zwar hatte sich der Schriftsteller nach der Buchpremiere im März rar gemacht, zu LIT:Potsdam zu kommen, ließ er sich aber nicht nehmen.

Und so war der Saal bei der Matinee denn auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Besuchern auch Gabi Weyrauch aus Weißwasser. Sie sagte: „,Den Schwarm’ fand ich faszinierend und gleichzeitig bedrückend, es macht Angst, was da auf uns zukommen kann, aber man kann auch was dagegen tun.

Das neue Buch hab’ ich noch nicht gelesen. Aber da geht’s ja auch um ein Thema, das uns bange machen kann. Die künstliche Intelligenz kann uns nutzen, aber es kommt darauf an, wer sie nutzt und zu welchem Zwecke.“

Im Wilden Westen und Silicon Valley recherchiert

Es waren anderthalb spannende Stunden. Schätzing – locker und witzig – gewährte dem Publikum Einblicke in die Zukunft, las zwei Passagen aus seinem Thriller vor.

Darin will ein kalifornischer Sheriff den Mord an einer Frau aufklären, die einen hohen Posten bei Nordvisk hatte. Die Spur führt ins Silicon Valley. Computernerd Elmar Nordvisk hat einen gigantischen Rechner ersonnen. Gutes soll er bringen.

Doch dieses superkluge, allmächtige Ding macht sich selbst immer intelligenter. Irgendwann stört die Menschheit nur noch.

Für das Buch ist Schätzing mit seinem Verleger extra über den großen Teich geflogen, in die USA. „Man muss schon hin, sich mit den Leuten unterhalten, man kann nicht alles im Netz recherchieren.

Mittlerweile ist meine Flugphobie einer Flugangst gewichen.“ Er erzählte, dass er zu meditieren angefangen hat. Scheck: „Haben Sie Angst vor der Sterblichkeit?“ Schätzing: „Ich möchte ja ungern zerschellen.“

Drüben dann zwei Welten. Der Wilde Westen, er wollte ja auch die kleinste Sheriff-Wache sehen. Und sie waren in Silicon Valley. „Um herauszufinden, wie das tickt.“ Sie seien erstmal verblüfft gewesen.

„Das ist an sich zunächst eine entsetzlich spießige, langweilige Angelegenheit mit relativ hässlichen Büroklötzen aus den 70ern und Häuschen drumherum mit Leuten, die vegan leben und Jesuslatschen tragen. Aber sie planen die Zukunft der Welt.“ Sie hatten etliche Kontakte dort, so haben sie mit dem milliardenschweren Investor Peter Thiel gesprochen, der im Beraterstab von Donald Trump ist.

Was ist, wenn Computer nicht mehr unsere Knechte sein wollen?

Und was ist nun mit der künstlichen Intelligenz? Das Operieren ginge heute schon besser mit ihr als mit dem Menschen, auch Krebs spüre sie besser auf. „Wir alle sind seit Jahren umgeben von ihr“, sagte Schätzing und nannte auch das hilfreiche Navi in unseren Autos und den Herzschrittmacher.

Doch einem Computer könne man nicht eingeben, was ein Wert, was Moral für uns sind. Und was zum Teufel solle man machen, wenn diese Roboter irgendeine Lust verspüren, sich nicht mehr von uns knechten zu lassen, fragte Scheck.

Schätzing: „Da müssen sie ja irgendeine Ahnung von ihrer Existenz haben.“ Doch es sei nur eine Frage der Zeit, dass sie sich selber spiegeln: Ich bin der Diener dieser Schwachköpfe. „Das ist der Punkt, der uns Angst machen könnte“, so Schätzing.

Irgendwie war man nach der Matinee froh, vorm HOT erstmal einfach nur das in der Sonne glitzernde Wasser des Tiefen Sees zu sehen. Das so gar nichts Bedrohliches hat.

Von Angelika Stürmer

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