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Kultur regional Potsdamer Liedermacher Eric Zobel spielt auf dem MAZ-Dach
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Corona-Konzert: Eric Zobel spielt "Way Home" auf Dach der MAZ-Druckerei

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16:25 11.06.2020
Eric Zobel auf dem Dach der MAZ-Druckerei. Quelle: Maike Schultz
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Potsdam

Eric Zobel hat in den Corona-Tagen Songs geschrieben, die „nicht nach Krise klingen“, wie er sagt, doch letztlich ist er nicht der Typ für permanente Party. Er dreht die Temperatur in der Musik nicht höher, als er sie aus dem Alltag kennt.

Deshalb singt er nicht nur über Frauen, die er mag, sondern manchmal über Männer wie Trump, „die lang erkämpfte Freiheiten in kurzer Zeit zerstören.“ Eric, 30 Jahre, komponiert die Songs – sein Bruder Till, ein Fan der Dire Straits, streut ab und zu sein Solo auf der E-Gitarre ein, das den Liedern Sehnsucht gibt.

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Er kennt Leute, sagt Eric, die sich auf Techno eingeschossen haben, doch wenn sie seine Lieder hören, kommen ihnen fast die Tränen. So etwas wie Rührung, das kennen sie nicht aus der elektronischen Musik.

Eric Zobel wohnt in Potsdam. Quelle: Maike Schultz

Ja, Eric lebt in seinen Liedern analog, er spielt auf der akustischen Gitarre – auch wenn er damals, 2009, in Potsdam Straßenmusik machte, um Geld für seinen ersten Laptop einzusammeln. „Laptop“ ist fast das einzig digitale Wort, das er während des Gesprächs benutzt.

„Laptop“ und „Streaming“. Ja, er hat viel Musik gestreamt in den Corona-Tagen, als er im Homeoffice saß, weil das Büro, in dem er als Stadtplaner arbeitet, geschlossen blieb. Er hat die Anlage zu Hause aufgedreht und einen Dienst gefunden, der die Songs „nicht komprimiert“.

Das sei klanglich „eine neue Welt“ gewesen, so, als hätte er die Songs zum ersten Mal gehört. Eric hat Ben Harper und John Mayer angeschaltet, Männer, vom Wetter gegerbt und vom Leben gezeichnet. Männer mit ehrlichen Akkorden, denen man vertraut in schweren Zeiten.

Nun hat Eric Zobel auf dem Dach der MAZ ein kleines Konzert gegeben, ohne Zuschauer, eines, das nur online zu sehen ist. Eigentlich ist er ein Mann des Publikums, er sucht die Nähe. Eric ist Teil der Potsdamer Poetry-Slam-Szene, die Gedichte und Geschichten wie auf Zuruf präsentiert. In Zeiten von Corona lernt er um. Und hält nun Abstand.

Seiner Geigerin sind 30 Konzerte im März und April abgesagt worden. Ihm selbst „nur“, wie er sagt, sechs Auftritte, nicht nur in Brandenburg und Berlin, sondern auch im Europa-Park Rust, gelegen im Schwarzwald. Das waren Chancen, sich zu zeigen. Und sich dem Ziel zu nähern, zumindest einen Teil des Alltags mit Musik zu finanzieren.

Nicht nur seine Geigerin spielt sonst im Keimzeit-Quintett, dem kleinen Ensemble, das sich aus Keimzeit, der Band, destilliert hat, die von den Brüdern Leisegang im Umfeld von Bad Belzig gegründet wurde. Auch sein Schlagzeuger spielt im Quintett. Eric kennt viele Musiker von Keimzeit, doch ausgerechnet Norbert Leisegang, den Sänger und Songschreiber, hat er noch nicht getroffen.

Aber er spielte auf dessen Gitarre, sie hängt im Tonstudio von Jürgen Block in Lütte, einem Ortsteil von Bad Belzig. Bei Block hat Eric Zobel vor zwei Jahren sein erstes Album „Way Home“ aufgenommen. „Verrückt, wie viele Feinheiten er in den Liedern freigelegt hat“, schwärmt Eric – die Songs klängen unglaublich reich, Block habe ihnen mit der Rezeptur eines erfahrenen Tonmeisters neue Facetten gegeben.

Jürgen Block arbeitet analog in seinem Studio, ideal für Eric, der den Sound des alten Songwriting schätzt. Zu diesem Klang zählt immer auch die Abgeschiedenheit, die in Lütte allemal zu finden ist. Wenn man so will, erzählt das Album aus der Zeit, in der man sich zurückzieht aus dem Trubel. Seine Lieder klingen wie ein zarter Aufbruch für die Tage, in denen man jetzt endlich wieder vor die Tür darf. Vier davon hören Sie in unserem Video.

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