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Kultur regional Kesh aus Fürstenwalde/Spree rappt im MAZ-Newsroom
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16:00 06.05.2020
Kesh aus Fürstenwalde/Spree heißt im echten Leben Max Meißner – redegewandt sind sie beide, Max und Kesh Quelle: Susanne Liebsch
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Potsdam

Kesh ist musikalisch ein Großunternehmer, am liebsten steht er mit zehn Leuten auf der Bühne, seine Band ist eine Form von Großfamilie – doch leider formen diese Zeiten uns zu Einzelkämpfern. Abstand halten! Nicht berühren! Bleibt zu Hause! Nicht Keshs Sache, ganz ehrlich.

Für das MAZ-Online-Konzert kommt Kesh mit deutlich reduzierter Truppe, denn für 13 Männer, je zwei Meter Sicherheitsabstand, müsste man die ganze Zeitungsdruckerei freiräumen. Stattdessen bringt er einen DJ mit, der ihm die Beats vorgibt. Er reimt und rappt, lässt die Muskeln spielen, flirtet – auch wenn kein Publikum vor seiner Bühne steht, sondern alle ihn zu Hause auf dem Bildschirm sehen. Selbst so ein Geisterkonzert macht Kesh zu einem Spitzenspiel.

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Die „echten“ Konzerte für 2020 musste Kesh abblasen. Vielleicht aus Trotz heraus hat er das Personal in seiner Wohnung deshalb aufgestockt. Sein Sohn kam zur Welt, vor drei Monaten. Wenn man nicht mehr raus in die Welt darf, holt man sich die Welt nach Hause. Ben bringt Leben in Keshs Wohnung, er wohnt in Fürstenwalde/Spree (Landkreis Oder-Spree). Für Ben jedoch ist Kesh nicht Kesh, sondern Max Meißner, so heißt er bürgerlich. Doch meistens ist er einfach „Papa“.

Wenn Ben müde wird, wird sogar Kesh, der Mann fürs Temperament, für Hip-Hop, Funk und Rock, sanft und verbindlich. Dann setzt er Ben in die Wanne und holt den Boss raus, Bruce Springsteen mit seinem leisen, bebenden „Streets of Philadelphia“. Ben wird dann müde, „Zeit, dass er runterkommt“, sagt Kesh.

Wenn Kesh nicht Kesh ist, sondern Max, macht er eine Ausbildung zum Erzieher. Er scheint wie gemacht für diesen Job, ein lockerer Typ, der für jeden die passenden Worte finde, auch wenn er knapp bis zur Tischkante reicht. Und trotzdem sieht sich Max nicht für die Ewigkeit in einer Kita.

Er will leben von der Musik. „Ich bin jetzt 28 Jahre alt, mit 30 ziehe ich das Fazit.“ Zwei Jahre bleiben ihm, um den Sprung zu schaffen. Nein, dieses Jahr fällt weg, wegen Corona. Bleibt nur das nächste Jahr, sich die große Bühne zu erarbeiten. Das ist Druck. Doch Max ist nicht der Typ, der davon schlechte Laune kriegt.

„Du überrollst die Leute, das musst du nutzen“, sagen ihm die Manager, die ihn vertreten wollen, wenn sie ihn auf Open-Airs gesehen haben und den Mund nicht zubekommen, weil da so viel Freude auf der Bühne war, so viel Energie, dass selbst die kühlen Anwälte des Geldes so etwas wie Feuer in den Augen haben.

Kesh kam auf Umwegen zu seinem Namen. Sein Vater sagte, „nenn dich DJ Pleite, dein Konto ist doch dauernd leer.“ Max hat pariert, wie es sich ziemt für einen Rapper: mit spitzer Zunge. Das Gegenteil von Pleite ist Cash, das Rapperwort für schweren Reichtum. Weil Cash nach Goldschmuck und getunten Autos klingt, sich Max in dieser Welt jedoch eindeutig nicht zu Hause fühlt, hat er Cash zu Kesh geformt.

Unter diesem Kürzel hat er einigen Erfolg erzielt, gerade dort, wo man den Rock’n’Roll nicht unbedingt erwartet: in Salzwedel, Sachsen-Anhalt. Dort hat Cash mit seiner Band im Jahr 2018 den zweiten Platz bei „Local Heroes“ belegt – Deutschlands größter unkommerzieller Nachwuchswettbewerb, der einst auch die kürzlich ebenfalls bei der MAZ aufgetretene Potsdamer Band John Apart bekannt machte.

Bühne frei!

Ihr habt auch eine tolle Band und dürft gerade keine Konzerte vor Publikum spielen? Auf MAZ Online geben wir euch eine Plattform. Wenn ihr Interesse an einer Newsroom- oder Rooftop-Session bei uns in Potsdam habt, schreibt uns an chefredaktion@maz-online.de

Überrollen als Erfolgsrezept

Den Titel fürs Land Brandenburg hatten sie zuvor gewonnen. Erfolgsrezept? Überrollen. Mannschaftsstärke? 13 Jungs auf der Bühne. Und keine Frau? Doch, und was für eine! Jasmin sang im Background, nach dem Auftritt in Salzwedel fuhr sie schnell nach Hause, weil ihre kleine Tochter früh um sieben aufwacht.

Dann die Sensation: Die Jury verlieh ihr einen Sonderpreis als beste Sängerin des Wettbewerbs. Noch nie ging diese Auszeichnung an eine Künstlerin, die mit der Stimme eigentlich im Hintergrund arbeitet. „Jasmin, kommst du mal bitte auf die Bühne?“, rief ein beseelter Mann, um die Entscheidung zu verkünden. Nein, ging nicht, sie war daheim im Bett. Kesh und seine Männer haben ihr rauschhafte Sprachnachrichten aufs Handy geschickt. Und Salzwedel dann mit einer Party heimgesucht, deren Temperament dort bislang fremd war.

Jasmin gehört nicht mehr zur Band, sie hatte viele Angebote, die Zeit bei Kesh ist jetzt beendet. „Wir mögen uns immer noch, wir sind im Reinen miteinander“, sagt Kesh, von dem man sich nicht vorstellen kann, dass er sich ernsthaft überwirft mit einem Menschen. Er hat jetzt eine neue Backgroundsängerin. Wieder eine Jasmin. Das ist seine Art der Anhänglichkeit.

„Frauen sind das Größte!“

Er meint es gut mit den Frauen. Er schreibt Lieder über sie, er sagt: „Frauen sind das Größte!“ Am 8. Mai kommt sein neues Lied „Broke“ heraus, zu hören in den Streamingdiensten. Er singt davon, dass man als frisch verliebtes Paar nur seine eigenen vier Wände braucht, und mittendrin ein Bett. „Der perfekte Song zur Corona-Zeit“, glaubt Max, eine Hymne auf die selbst gewählte Quarantäne.

„Es ist schwer, in diesen Zeiten Songs zu schreiben“, sagt er, „weil ich draußen nichts erlebe, denn es ist nicht erwünscht, vor die Tür zu gehen.“ Und den kleinen Ben zu baden, ist nicht unbedingt der Stoff, der einen Rocksong am Leben hält.

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