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Kultur regional Die Foo Fighters von Zossen: Semperfield rocken in der MAZ-Druckerei
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Semperfield aus Zossen spielen Konzert in der MAZ-Druckerei

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00:10 01.07.2020
Semperfield aus Zossen in der Druckerei: Gitarrist Markus Kricke, Schlagzeuger Max Klinkhammer, Sänger Calvin Stolte und Bassist Paul Helming (v.l.). Quelle: Maike Schultz
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Potsdam

Paul sitzt in der Prüfung, seine letzten Meter auf dem Weg zum Werkzeugmechaniker. Kurze Pause, andere zünden sich schnell vor der Tür den Tabak an, Nervosität abbauen. Paul aber greift zum Telefon und spricht gelassen über Semperfield, die Band aus Zossen, in der er E-Bass spielt. So stellt man sich wohl einen Bilderbuchbassisten vor: Nicht aus dem Takt zu bringen, stoisch geht er seiner Arbeit nach, die manchmal wie ein tiefes Grummeln klingt.

Angefangen hat er mit Trompete, da war Paul Helming sechs, die Eltern wollten, dass die Kinder, er und seine beiden Schwestern, sich ein Instrument aussuchen. Paul, heute 22 Jahre, ging in die Musikschule, blieb stehen vor dem Übungsraum der Bläser, er hat gemerkt, das ist sein Klang, klar und wuchtig. Die Sache war entschieden.

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Bassisten spielen nach Gefühl

Der E-Bass folgte auf dem zweiten Bildungsweg, genau genommen aber erstmal frei von jeder Bildung: „Ich bin mit null Basskenntnissen in die Band gekommen“, sagt er, das war 2014. Calvin hat gesungen, Max saß am Schlagzeug, Jungs von der Schule, sie suchten einen Mann am Bass.

Paul erklärte sich bereit, auch wenn er dieses Instrument allein vom Hörensagen kannte. So läuft das in den frühen Jahren einer Schülerband: Am Anfang steht der Mut, und irgendwann folgt dann die Musikalität. Bassisten üben nicht, sie spielen nach Gefühl – immer wieder hört man das Klischee. Ist da was dran? „Wahrscheinlich stimmt in meinem Fall das Gegenteil“, glaubt Paul, „ich habe etwas aufzuholen, weil ich so spät begonnen habe.“

Haben seine Eltern ihren Frieden mit dem Bass gemacht – und mit dem Ende der Trompete? „Den Bass mögen sie, aber nicht die Band“, Paul lacht. „Semperfield spielen harten Rock’n’Roll, das ist nicht ihre Welt. Und dann das Saufen mit den Jungs…“ Nein, sie würden mit dem Bier nicht übertreiben, „jeder hat da seinen eigenen Maßstab.“

Gerade haben Semperfield ein Online-Konzert in der Potsdamer MAZ-Druckerei gespielt, ohne Publikum, wie es die Zeiten verlangen. „Normalerweise kriegen wir schnell 80 bis 100 Leute zusammen“, erzählt Paul, sie haben treue Fans. Semperfield orientieren sich musikalisch an den Foo Fighters, Guns N’ Roses und den Beatles. Sie spielen emotionalen Rock oder melodiösen Punk, man kann das drehen, wie man will.

Die Mutter von Schlagzeuger Max hatte in der MAZ gelesen, dass die Zeitung Bands für Online-Konzerte sucht, um den Gig zu filmen und auf der MAZ-Homepage zu präsentieren – als Bühne in Corona-Zeiten, in denen öffentliche Bühnen sonst geschlossen bleiben. Sie hat dem Sohn die Seite auf den Frühstückstisch gelegt.

Schnell fanden Band und Zeitung zueinander. Auch bei diesem Auftritt spielten Semperfield in ihrer „Uniform“, graue Jeans mit Löchern, schwarze Anzugweste, weiße Hemden plus Krawatte. Halb Gentleman und halb Rabauke. „So ein optisches Erkennungszeichen tut kleinen Bands gut“, sagt Paul.

Sein Vorbild ist Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers, „spieltechnisch ist er überragend, er prägt den Sound der Gruppe“. Eine Band wie Semperfield, die sich die „Spieltechnik“ der Größten zum Maßstab nimmt, lebt nicht von Lautstärke und Alkohol allein – man hört hier eine Ambition heraus, die sich mit Zossen nicht begnügt.

Darum haben Semperfield am Emergenza-Festival teilgenommen, dem „größten Newcomer-Bandfestival der Welt“, wie die Gründer von sich sagen. Den Regionalwettbewerb im deutschen Nordosten haben die Zossener gewonnen.

Die Band wurde zum „Weltfinale“ beim Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber (Bayern) eingeladen. „Gewonnen haben wir dort leider nicht“, sagt Paul. Doch er kann mit Fug und Recht behaupten, dass er den Bass bezwungen hat. Das Instrument ist nun sein Freund.

Weitere Konzertvideos bei der MAZ:

Von Lars Grote, Stefan Spangenberg und Jan Russezki (Video)

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