Sieben-Tage-Inzidenz: Erste Kulturveranstaltungen in Brandenburg in Gefahr
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Sieben-Tage-Inzidenz: Erste Kulturveranstaltungen in Brandenburg in Gefahr

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19:33 27.10.2020
Ungewiss, ob Gitte Haenning am Freitag in Neuruppin spielen kann. Denn die Corona-Infektionen steigen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin.
Ungewiss, ob Gitte Haenning am Freitag in Neuruppin spielen kann. Denn die Corona-Infektionen steigen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Ob Gitte Haenning am Freitag in der Kulturkirche in Neuruppin noch auftreten kann? „Ich habe keine Ahnung, sagt Veranstaltungsmanager Andreas Vockrodt. Das Konzert ist ausverkauft. 200 Leute dürfen bei geltenden Abstandsregeln derzeit in den ehemaligen Kirchenraum, der sonst 900 Personen fasst.

Doch der sogenannte 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Ostprignitz-Ruppin lag am Montagmorgen nach Angaben des Brandenburger Gesundheitsministeriums bei 30,3 – Tendenz steigend. Klettert er bis Freitag auf 35 dürften nach der geltenden Corona-Landesverordnung nur noch 150 Zuhörer ins Konzert. „Dann werden wir wohl verschieben müssen“, sagt Vockrodt. Denn er könne die Plätze ja schlecht am Eingang verlosen und den Rest nach hause schicken.

Maximal 100 Personen bei einer 7-Tages-Inzidenz von 50

Die Anzahl der Covid-19-Infektionen in Brandenburg steigt kontinuierlich. In den ersten Regionen hat die sogenannte 7-Tage-Inzidenz bereits den Schwellenwert von 50 überschritten. Damit gelten auch für öffentliche Veranstaltungen strengere Regeln. Bei einem Wert von 50 dürfen nur noch maximal 100 Personen an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen. Doch viele Kulturveranstalter sind aufgrund der geltenden Abstandsregeln schon so weit heruntergefahren, dass es kaum noch schlimmer kommen kann.

Die Premiere von „Maria Stuart“ am Hans-Otto-Theater mit Kristin Muthwill (l.) und Janine Kreß kann am Freitag aller Voraussicht nach stattfinden. Quelle: Thomas M. Jauk

Beim Brandenburger Theater zum Beispiel, wo ins Große Haus normalerweise 480 Besucher reingehen, ist seit längerem nur noch Platz für 118, damit ein Abstand von 1,50 Meter gewahrt werden kann. Derzeit ist sogar das zuviel. Denn in Brandenburg an der Havel lag der 7-Tage-Inzidenz, also die Anzahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage, am Montag bei 62,3.

Damit dürfen nur noch 100 Personen in die Konzerte der Brandenburger Symphoniker und in die Theatervorstellungen. „Das ändert auch nicht mehr viel“, sagt Vize-Sprecher Steffan Drotleff. Bislang könnte deshalb alles stattfinden, was geplant ist. Dazu gehört die Aufführung des „Faust“ am Dienstag und Freitag, das Musiktheater „Bastien und Bastienne“ am Sonnabend, sowie der Auftritt von Dagmar Frederic am Sonntag.

Beim T-Werk bleibt man optimistisch

Auch die Kollegen vom Hans-Otto-Theater in Potsdam kann wohl kaum noch etwas erschüttern. Die Premiere von Schillers „Maria Stuart“ am Freitag ist ausverkauft. Doch in den eigentlich 450 Zuschauer fassenden Saal in der Schiffbauergasse dürfen derzeit nur noch 98 rein. Damit würde sich, selbst wenn die Landeshauptstadt demnächst die 50er-Marke reißen sollte, nichts ändern.

Der Auftritt von Philipp Winkler im Potsdamer Waschhaus wurde abgesagt. Quelle: kat kaufmann

So geht es auch den Organisatoren des 27. Internationalen Theaterfestivals Unidram im Potsdamer T-Werk, das in der kommenden Woche beginnen soll. Von den 120 Plätzen im Zuschauerraum dürfen dank Corona ohnehin nur noch 40 belegt werden. Insofern kann es den Machern in der Schiffbauergasse egal sein, ob 150 oder 100 Zuschauer zugelassen sind. Das Unidram-Festival, das auch an anderen Orten der Stadt stattfinden wird, werde auf alle Fälle stattfinden, heißt es beim T-Werk. „Wir sind optimistisch und lassen uns nicht unterkriegen“, sagt T-Werk-Sprecherin Lisa Ritscher.

Nikolaisaal drängt auf Ausnahmegenehmigung

Am Montag lag der 7-Tage-Wert laut Stadtverwaltung Potsdam bei 47,7. Für die Veranstaltungsorganisatoren im Kulturzentrum Waschhaus heißt das, die mit 140 Karten ausverkaufte Lesung mit dem Komiker Fil am Dienstag wird wohl stattfinden. Der geplante Auftritt von Philipp Winkler am Tag darauf ist allerdings am Montag abgesagt worden.

Verlegt: Der Musiker Klaus Hoffmann sollte eigentlich am Donnerstag im Potsdamer Nikolaisaal spielen. Jetzt ist sein Auftritt für Dezember 2021 geplant Quelle: imago stock&people

„Wir prüfen derzeit mit den Agenturen, was noch machbar ist“, sagt Programm-Chef Thilo Schönbeck. In die Waschhaus-Arena gehen normalerweise 600 Menschen. Sollte es in Potsdam zu einer 100er-Begrenzung kommen, könne man nur noch verschieben oder absagen. „Das ist alles sehr unbefriedigend, denn wir wollen schließlich gerade in solchen Zeiten Kultur anbieten“, so Schönbeck.

Total unbefriedigend empfindet auch Heike Bohmann, die Geschäftsführerin des Potsdamer Nikolaisaals, die derzeitige Lage. Das für Donnerstag geplante Konzert mit Klaus Hoffman musste verlegt werden. Die Argentinische Tanzshow „Vida!“ am Freitag fällt aus. Aber auch für andere Veranstaltungen wurden bereits zahlreiche Tickets bereits verkauft. Bohmann bemüht sich deshalb bei der Stadt Potsdam um eine Ausnahmegenehmigung für den Saal in der Wilhelm-Stab-Straße. Bislang hat sie noch keine Antwort.

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Von Mathias Richter