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Kultur Darf ein AfD-naher Künstler in Potsdam ausstellen?
Nachrichten Kultur Darf ein AfD-naher Künstler in Potsdam ausstellen?
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18:22 04.06.2019
Axel Krause: Das vierte Element. Quelle: Axel Krause
Potsdam

In Leipzig wird er nun nicht zu sehen sein. Doch in Potsdam hängen seine Bilder gerade in einer Ausstellung in der Galerie Kunstkontor. „Trans-Mission“ heißt die Schau, die Galeristin Friederike Sehmsdorf präsentiert. Der Künstler heißt Axel Krause und sorgt derzeit für Wirbel in der Kunstszene.

Der Grund: Krause ist Sympathisant der AfD, sitzt im Kuratorium der von der Partei gegründeten Desiderius-Erasmus-Stiftung und hat sich mehrfach öffentlich despektierlich zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung geäußert. Er unterstützt Pegida und selbst die vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ soll er als einen „zu begrüßenden Beitrag zur Gesellschaft“ bezeichnet haben. Nachdem bekannt wurde, dass er für die diesjährigen Leipziger Jahresausstellung zusammen mit 36 weiteren Künstlern nominiert worden war, gab es Proteste. Aus Angst vor Tumulten bei der Eröffnung wurde er erst ausgeschlossen, dann trat der Vorstand des Veranstaltervereins geschlossen zurück. Mittlerweile ist die Ausstellung abgesagt.

Die Galerie Kunstkontor fragt nicht nach Parteibuch

Das wirft Fragen auf. Geht es um das Werk des Künstlers oder dessen politische Ansichten? Ist das gesinnungspolitische Zensur, wie es Krause in einer ironischen Stellungnahme andeutet, in der er sich als „entarteter Künstler“ tituliert? Die Organisatoren der Leipziger Jahresausstellung beteuern, dass es sich bei der Auswahl Krauses allein um die künstlerische Qualität seines Werkes ging. Aber kann man dieses Werk, das in der Tat keine dezidiert politischen Botschaften transportiert, in politisch so aufgeladenen Zeiten noch als unpolitisch werten?

Die Potsdamer Galeristin Friederike Sehmsdorf findet das schon. „Ich frage bei meinen Kunden nicht nach Parteibuch, Religionszugehörigkeit oder erotischen Vorlieben“, so Sehmsdorf. Als „liberal und demokratisch Denkende“ sehe sie in den Arbeiten Krauses vor allem eine ausgesprochen eigenwilligen künstlerisch Position. Deshalb habe sie gleich zugegriffen, als Krause eine neue Galerie brauchte.

Krauses Leipziger Galerist warf das Handtuch

Die brauchte er vergangenen August nicht etwa weil der in Halle geborenen Künstler, der als Schüler von Arno Rink zur Neuen Leipziger Schule gezählt wird, weniger gefragt ist. Die Leipziger Galerie Kleindienst hatte sich schlicht von dessen politischen Statements distanziert und darauf verzichtet, seine teils surrealistisch anmutenden Gemälde weiter zu vertreiben. Friederike Sehmsdorf sieht das anders. „Mir sind keine Äußerungen von Axel Krause bekannt, die ich als FDP-Mitglied problematisch fände“, sagte sie der MAZ.

Etwas anders beurteilt Mike Geßner, der Kurator des Kunstraums Potsdam, den Künstler. Eine private Galerie könne selbstverständlich alles ausstellen und müsse allein auf die künstlerische Qualität achten. „Ich persönlich würde um so einen Künstler jedoch einen Bogen machen“, so Geßner. Denn als Vertreter einer öffentlichen Einrichtung biete er einen Raum, von dem sich die Politik nicht trennen lasse.

Künstlerverband fordert eine gesellschaftliche Debatte

Das wird nach Ansicht von Jutta Pelz, der Vorsitzende des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler, auf lange Sicht nicht durchzuhalten sein. Bei 20 Prozent AfD-Wählern werde sich das auch auf die Kunst auswirken. „Wir dürfen der gesellschaftspolitischen Debatte nicht aus dem Weg gehen, müssen aber zugleich die aktuellen Trends in der zeitgenössischen Kunst im Auge behalten“, so Pelz. Denn, so betont sie, es gebe genügend aufregende Kunst im Land, die politisch unproblematisch sei.

Trans-Missionen. Axel Krause – Bilder. Galerie Kunstkontor, Potsdam, Bertiniweg 1A. Noch bis 15. Juni.

Von Mathias Richter

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