Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Letzte Zuflucht: Kloster
Nachrichten Kultur Letzte Zuflucht: Kloster
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:46 14.08.2017
Früher Paddy, heute Michael Patrick: Aus dem Jungen ist ein Mann geworden.
Früher Paddy, heute Michael Patrick: Aus dem Jungen ist ein Mann geworden. Quelle: Chris Noltekuhlmann
Anzeige
Schiffbauergasse

Er ist ein Teil der Kelly-Family, nun singt er solo und will zeigen, dass mehr in ihm steckt als ein süßer irischer Junge. Michael Patrick Kelly (39) spricht über innere Leere, die Show „Sing meinen Song“ und die Emanzipation vom Kind zum Mann.

Michael Patrick Kelly, das ist der Name, unter dem man Sie heute kennt. Viele erinnern sich aber immer noch an den „Paddy“. Sind diese Zeiten vorbei?

Michael Patrick Kelly: Ich werde nach wie vor „Paddy“ genannt, das ist ja mein Spitzname. Aber der Name, den meine Eltern mir als Baby gegeben haben und der eines Tages wahrscheinlich auch auf meinem Grabstein stehen wird, ist eben Michael Patrick Kelly. Das ist nicht kurz und knackig, aber ehrlich. Man könnte es als ein Zeichen der Metamorphose vom Teenie zum Mann verstehen.

Ihr aktuelles Album trägt den Titel „iD“, kurz für „Identity“, also übersetzt „Identität“. Geht es Ihnen hier auch genau darum, zu zeigen, wer Sie wirklich sind?

Mein Album „iD“ repräsentiert meine musikalische Identität, die sich hauptsächlich in den Genres Pop, Rock & Folk abspielt. In den Songtexten gibt es biografische Elemente, aber vor allem eine Menge Themen, die über meine persönlichen Erfahrungen hinaus gehen.

Ist Identität nicht das größte Thema überhaupt? Lässt es sich im Pop überhaupt erschöpfend behandeln?

Die Frage nach der Identität entspricht dem aktuellen Zeitgeist. Menschen haben sich schon immer diese Fragen gestellt, „Wer bin ich? Wer bist du? Wer sind wir?“, umso mehr in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Veränderungen, die Ungewissheit und Unsicherheit mit sich bringen. Die Identitätsfrage, wofür wir stehen und auch Verantwortung tragen, ist vor allem in Europa sehr aktuell.

Was zählt zu Ihrer persönlichen Identität?

Zu meiner Identität gehören drei Lebenskapitel: Die Bandgeschichte mit der Familie, der Ausstieg ins Kloster, schließlich mein aktuelles Leben als Solomusiker. Aus dieser ganzen Zeitspanne hat sich herausgeformt, was mir heute wichtig ist, wo meine Leidenschaft liegt, was mir fehlt und wonach ich suche. Die Songs auf dem Album „iD“ geben einen ehrlichen Blick auf meine Identität und das, was mich durch andere Menschen geprägt hat.

Mädchenschwarm und Mönch

Michael Patrick Kelly, geboren am 5. Dezember 1977 in Dublin, ist ein irisch-amerikanischer Musiker.

Zu früher Bekanntheit kam er als drittjüngstes Mitglied der Pop- und Folkband The Kelly Family, ab Mitte der 1990er Jahre zählte sie mit mehr als 20 Millionen verkauften Tonträgern zu Europas größten Stars.

Ins französische Kloster zog sich Kelly 2004 nach seinem Solodebüt „In Exile“ zurück – und verschwand aus der Öffentlichkeit,die ihn vor allem als Mädchenschwarm wahrgenommen hatte.

Als Mönch lebte Kelly im Burgund, war Teil des katholischen Klosters des Ordens der Gemeinschaft vom heiligen Johannes. Dort legte er nach dem Noviziat die zeitlichen Gelübde ab und studierte vier Jahre lang Philosophie sowie ein Jahr Theologie.

Nach sechs Jahren Pause vom Mediengeschäft kehrte er 2011 ins Musikbusiness zurück. Er trat 2010 aus der Ordensgemeinschaft aus und begründetet die Entscheidung mit gesundheitlichen Problemen und der Lust, Musik zu machen.

An der vierten Staffel der TV-Show „Sing meinen Song“ nahm er 2017 teil.

Waschhaus Open Air, 17. August, 20 Uhr: Michael Patrick Kelly. Tickets in der MAZ-Ticketeria unter 0331/2840284.

Ihre Lebenskapitel sind tatsächlich extrem unterschiedlich. 2003 haben Sie haben Ihr erstes Soloalbum „In Exile“ veröffentlicht, dann kam der Rückzug aus dem Showgeschäft in ein französisches Kloster – ein radikaler Schritt. Was hatte Sie dazu bewogen?

Ich war auf der Suche nach mehr. Es sollte in meinem Leben mehr geben als nur den Spaß, in Fußballstadien Konzerte zu geben oder als den unglaubliche Luxus, in einem Schloss zu wohnen. Das war zwar spannend und eine Weile lang sehr aufregend, aber es konnte die innere Leere in mir nicht füllen.

Sie fühlen sich leer?

Ich habe nach dem Sinn meines Lebens und nach Gott gesucht. Dann habe ich den Lebensstil der Mönche entdeckt und das hat mich fasziniert. Diese Lebensform, in der man rund um die Uhr aufs Wesentliche fokussiert ist. Wir lassen uns im Alltag ständig von unwichtigen Dingen blenden, beschäftigen uns mit Sachen, die langfristig gar nicht relevant sind, und das kann ein Leerlauf der Kräfte sein, bis zur Erschöpfung. In der Stille des Klosters habe ich unter anderem auch die Lust zum Musik machen wiedergefunden. An manchen Tagen hagelte es Inspirationen für Songs.

Sind Sie deshalb 2011 wieder zurückgekehrt ins Musikgeschäft?

Nachdem ich in den sechs Jahren die für mich wichtigesten Fragen des Lebens klären konnte, und damit den „Reset“- Button für mein Leben gedrückt hatte, wurde mir klar, dass Musik meine Berufung ist.

Sie haben ja schon als Kind musiziert ...

... ich stand schon im Alter von 10 Tagen auf der Bühne, das war in meiner Kindheit mein Spielzimmer. Musik ist also wie meine zweite Natur. Insofern war es ein logischer Schritt, mich neu der Musik zu widmen.

Sie waren in der vierten Staffel von „Sing meinen Song“ im Fernsehen dabei. Wie war die Zeit in Südafrika für Sie?

„Sing meinen Song“ war eine ganz besondere Zeit! Vor der Show war ich nervös, was die anderen Musiker darüber denken, wie ich ihre Songs neu interpretiert habe. Ich musste auf Deutsch singen, was schon eine heftige Umstellung für mich ist. Und Lieder zu meinen eigenen machen, die aus einem ganz fremden Musikgenre kommen.

Haben Sie Gefallen daran gefunden oder blieb Ihnen diese Arbeit fremd?

Man muss sich aus seiner Komfortzone herauswagen – das ist sehr reizvoll. Vor allem bei solchen tollen Kollegen. Am Ende war für mich das beeindruckendste, meine eigenen Songs von anderen Musikern wie Gentleman gesungen zu hören. Das hat mich sehr berührt.

Auf was darf sich das Publikum in Potsdam freuen?

Bei meinen Live-Konzerten gibt es in jedem Fall eine Achterbahn der Gefühle. Mit Publikum und Band erleben wir einiges, vom richtig Partymachen bis hin zu einem besonderen Moment der kompletten Stille, auch alles dazwischen wird vertreten sein. Ich werde viele Songs aus meinem Album „iD“ singen, aber auch ältere Hits, außerdem werde ich ein, zwei Nummern aus der „Sing Meinen Song Sendung performen. Ich freue mich sehr über die Einladung nach Potsdam – der Abend wird sicher ein Highlight in meiner Konzert-Saison.

Von Lars Grote