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Kultur Übersetzer und Autor in Personalunion?
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18:32 14.05.2019
Erlaubt sich Christoph Hein einen Spaß mit seinen Lesern? Quelle: epd
Potsdam

Der Schriftsteller Christoph Hein (75) übersetzt einen Roman, der im englischen Original noch gar nicht erschienen ist. Nachtigall, ick hör dir trapsen! Geschrieben haben soll ihn ein gewisser Philipp Lyonel Russel. Ein Pseudonym, wie auf dem Buchumschlag zu erfahren ist, hinter dem sich ein 1958 in der englischen Grafschaft Suffolk geborener Autor verberge, der seit 1986 an Universitäten der amerikanischen Ostküste lehre. Punkt. Mehr ist nicht herauszubekommen. Christoph Hein lässt verlauten, die Wiener Kanzlei Noll & Keider sei im Auftrag des ominösen Autors an ihn herangetreten, ob er das Buch übersetzen könne? Das „sehr gute“ Honorar habe ihn einwilligen lassen.

Manches spricht gegen Christoph Hein als Autor

So viel gleich vorneweg: Einen ähnlichen Hype wie die ebenfalls unter Pseudonym schreibende Elena Ferrante wird dieser Philipp Lyonel Russel nicht auslösen. Dafür ist sein Buch, zu dem er sich durch die Lebensgeschichte des Schriftstellers P. G. Wodehouse inspirieren ließ, zu dröge geschrieben. Chronologisch im Präteritum erzählt und ohne Zeit- und Perspektivwechsel, mutet es wie eine Nacherzählung an. Es gibt schrecklich lange, ungelenke Sätze. Das alles spricht dagegen, dass Christoph Hein selbst der wirkliche Autor ist, der in seinen schlechteren Romanen („In seiner frühen Kindheit ein Garten“) zwar auch ein wenig hölzern schreibt, das aber eigentlich viel besser kann („Der fremde Freund“).

Die Geschichte vom Spaßvogel Frederick Bingo Mandeville

Worum geht es: Frederick Bingo Mandeville kommt 1880 auf die Welt und ist ein Liebling der Götter. Schon die Ammen streiten sich, wer dem gutgelaunten Wonneproppen die Brust geben darf. Den Babyspeck wird Bingo ein Leben lang nicht los. Ebenso wenig den Spitznamen „Spaßvogel“. In Amerika macht er Karriere als Comedian, bevor er Romane schreibt und sich im französischen Boulogne-sur-Mer eine Villa kauft. Als während des Zweiten Weltkrieges die Deutschen einmarschieren, kommt Bingo in ein Internierungslager. Selbst da unterhält er die Mitgefangenen. Weltfremd wie er ist, lässt er sich überreden, seine Witze über den deutschen Propagandasender „Germany Calling“ ausstrahlen zu lassen. Das rächt sich als der Krieg zu Ende ist. Gilt Bingo doch jetzt in seiner Heimat als Verräter und Kollaborateur der Nazis.

Im neuen Text gehen die Leser auf Spurensuche

Während der Lektüre fühlt man sich schon ein wenig an Christoph Heins Romane „Glückskind mit Vater“ (2016) und „Trutz“ (2017) erinnert. Auch in ihnen geht es um tragische Schicksale, die durch einen Bruch der Geschichte nur noch mehr ins Hintertreffen geraten. Meinte Christoph Hein vielleicht, ein Roman über Wodehouse beschädige seinen Ruf als deutsch-deutscher Chronist? Aber lesen Sie doch selbst.

Philipp Lyonel Russel: Am Ende ein Blick aufs Meer. Insel Verlag, 222 Seiten, 20 Euro.

Von Welf Grombacher

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