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Kultur Lola Randl stellt im Potsdamer Thalia-Kino ihren Film „Von Bienen und Blumen“ vor
Nachrichten Kultur Lola Randl stellt im Potsdamer Thalia-Kino ihren Film „Von Bienen und Blumen“ vor
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14:02 08.05.2019
Filmszene aus Lola Randl: „Von Bienen und Blumen“ Quelle: Lola Randl
Potsdam

Gerswalde in der Uckermark ist ein Sehnsuchtsort: für Städter, Künstler, Intellektuelle. Regisseur Wim Wenders wurde hier schon gesichtet, zahlreiche Filmemacher und Schauspieler wie Bibiana Beglau fliehen am Wochenende aus der Stadt hierher auf der Suche nach Sinn und Entschleunigung. Von Frühling bis Herbst ist in dem kleinen Dorf im nordöstlichen Brandenburg kein Durchkommen - alles zugeparkt. Ziel der Ausflügler ist der „Große Garten“, wie Lola Randl das terrassenartige Gelände der alten Schlossgärtnerei derer von Arnims nennt. Seit zehn Jahren lebt die Autorin und Regisseurin mit ihrer Familie in Gerswalde. Sie kauften zunächst einen maroden, ehemaligen Gasthof, einige Jahre später ergab sich die Gelegenheit, die Schlossgärtnerei zu erwerben.

Der Traum vom richtigen Leben

Alleine ist so ein Areal nicht zu bewirtschaften, also hat sich Randl Freunde und Kollegen eingeladen. Hingebungsvoll beschäftigen sie sich nun mit Saatzeiten und Bodenqualitäten, Schädlingen und Unkraut, Beschnitt und Lagerungstechniken. Es ist ein Langzeitprojekt, Lola Randl weiß nicht, wann das alles jemals fertig sein wird. Aber das macht nichts. Die 38-Jährige ist ein Projektmensch, wie sie selber sagt, ständig ist alles in Bewegung, zu einer Baustelle gesellt sich die nächste, Ideen hat die gebürtige Münchnerin sowieso noch sehr viele, wie in ihrem essayistischen Debütroman „Der große Garten“ nachzulesen ist.

Regisseurin Lola Randl Quelle: Agentur

Es ist ein wunderbares Buch mit vielen ironischen Pointen über das Landleben mit Tieren und stadtflüchtigen Menschen, „die nur auf der Flucht vor sich selber sind“. Sie träumen davon, endlich ein richtiges Leben zu führen, ganz bei sich zu sein, mit Eiern von glücklichen Hühnern. Keine Frage, Randl zieht alles, was mit Zeitgeist zu tun hat, mit großer Lust durch den Kakao. Ein Kommunikationsdesigner bietet einen Workshop zum Thema Workshop an. Japanerinnen haben im alten Gewächshaus ein Café eröffnet und verkaufen am Wochenende Matcha-Cheesecake und gesalzenen Kirschblüten-Sirup.

Natürlich kommen auch alteingesessene Dorfbewohner vor, wie etwa Irmgard, die täglich ihre Lieblingsserie „Rote Rosen“ schaut und begeistert davon erzählt. Oder ein Nachbar, der den ahnungslosen Stadtmenschen erst mal sagen muss, was ein Schaf eigentlich frisst.

Der Liebhaber wohnt mitten im Dorf

Mittlerweile hat sich zur Kleinfamilie Randl noch die Mutter gesellt, eine Gartenexpertin, zum Glück. Und ein namenloser Liebhaber, der gleich hinter der Kirche wohnt, mitten im Dorf und damit für alle sichtbar. „Da muss der Schein gewahrt bleiben, obwohl alle wissen, dass es nur Schein ist“, meint Lola Randl. Und deshalb verlässt sie durch den Hinterausgang das Haus des Liebhabers und schleicht wieder nach Hause.

Eingebettet in die zwischenmenschlichen Episoden zum Thema Polyamorie gibt es in dem Buch jede Menge Lehrreiches: Zum Beispiel, dass die Ausscheidungen des Regenwurms der ideale Nährstoff für das Pflanzenwachstum sind und dass Eierschalen den Boden nicht nur gut kalken, sondern sie auch ein Mittel gegen die Schnecken sind. Der Fuß der Schnecke kriegt die Schale nicht los, die Schnecken verschleimen, bleiben liegen und können aufgesammelt werden.

Autorin und Filmemacherin

Geboren wurde Lola Randl 1980 in München.

Von 2001 bis 2006 studierte sie an der Kunsthochschule für Medien in Köln und absolvierte 2007 die Drehbuchwerkstatt München.

Ihr Spielfilmdebüt gibt sie 2008 mit dem Berlinale Beitrag „Die Besucherin“. 2012 folgen „Die Libelle und das Nashorn“ mit Mario Adorf und Fritzi Haberlandt, 2013 „Die Erfindung der Liebe“, dessen Dreharbeiten vom Tod der Hauptdarstellerin überschattet ist. Im März 2018 kommt „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ mit Lina Beckmann, Charly Hübner und Benno Fürmann ins Kino.

Lola Randl: „Der Große Garten“, Matthes und Seitz, 250 Seiten, 20 Euro. Der Film „Von Bienen und Blumen“, startet am 9. Mai. Am 8. Mai um 18.45 Uhr kommt Lola Randl ins Potsdamer Thalia-Kino, Info unter 033/7437020

All dies liest sich höchst vergnüglich und zu besichtigen ist das Dorfleben mit allen Protagonisten aus dem Buch jetzt auch im Kino. „Von Bienen und Blumen“ heißt der Film und er nimmt die Utopisten und Glückssucher, die Gerswalde heimsuchen noch etwas schärfer ins Visier als das Buch, aber stets mit Empathie.

Am Ende geht es in die Dönerbude

„Sinnsuche des postkapitalistischen Individuums am Fallbeispiel des Wiederaufbaus einer alten Gärtnerei. Genauer: Am Fallbeispiel der Wunschvorstellung ­eines zugezogenen Paares,“ heißt es zu Beginn. Aber von diesem Soziologen-Deutsch sollte man sich nicht beirren lassen. Auch postkapitalistische Individuen mit Anspruch auf ein autarkes Landleben sind nur Menschen, die am Ende auch gerne mal eine Dönerbude besuchen, die neuerdings das Dorf bereichert.

Von Claudia Palma

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