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Nachrichten Kultur Lotte Laserstein in der Galerie Dr. Nöth in Potsdam
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11:53 27.09.2019
Lotte Lasersteins Porträt der modernen, emanzipierten Frau: Frau mit roter Baskenmütze aus dem Jahr 1931. Quelle: Dr. Nöth Kunsthandel + Galerie
Potsdam

Was für ein Kontrast? Gut 20 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern. Hier die moderne Frau, die sich, wie für ein Foto-Porträt, selbstbewusst in Pose wirft. Dort das junge Paar, mit in sich gekehrten, von einander abgewandten Blicken – die Gesichter zweier Menschen, die schon viel hinter sich zu haben scheinen.

Lotte Laserstein hatte selbst schon viel hinter sich, als sie das Paar in den 50er-Jahren malte. Die 1898 in Ostpreußen geborene Künstlerin hatte in der späten Weimarer Republik fast schon Kultstatus erreicht, als sie 1937 aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln von den Nazis ins Exil nach Schweden getrieben wurde. Dort geriet sie weitgehend in Vergessenheit.

Eine verlorene Künstlergeneration

Laserstein gehört neben Künstlern wie Fritz Ascheroder Magda Langenstraß-Uhlig zur sogenannten „verlorenen Generation“, deren Karrieren in den 30er-Jahren durch Berufsverbote und Verfolgung beendet wurden und im Westeuropa der Nachkriegszeit, wo gegenständliche Malerei lange verpönt war, nicht mehr zum Zug kamen. Erst in den 80er-Jahren, kurz vor ihrem Tod 1993, wurde sie langsam wiederentdeckt. Vor allem Lasersteins Arbeiten aus den 30ern sind mittlerweile berühmt. Weniger bekannt hingegen ihre Bilder aus der Zeit danach. Die Potsdamer Galerie Dr. Nöth zeigt von Freitag an eine kleine, feine Auswahl davon.

Die späten Arbeiten der deutsch-schwedischen Malerin Lotte Laserstein wurden bislang wenig gewürdigt. In der Potsdamer Galerie Dr. Nöth sind derzeit 14 Bilder zu sehen. Die MAZ zeigt eine kleine Auswahl.

„Die späten Bilder von Lotte Laserstein wurden lange unterschätzt“, sagt Galerieleiter Alessandro Rotondo. Doch das dürfte sich bald ändern. In den vergangenen Jahren gab es geradezu eine Laserstein-Renaissance. Seit Ende vergangenen Jahres waren ihre Werke in großen Ausstellungen zunächst in Frankfurt am Main und in Berlin zu sehen. Derzeit macht die Schau in leicht veränderter Form in Kiel Station.

„Abend über Potsdam“ – das bekannteste Werk

Zu den bekanntesten Werken Lasersteins gehört das 2010 von der Berliner Nationalgalerie angekaufte Gemälde „Abend über Potsdam“ von 1930 – eine melancholische Arbeit, die eine Gruppe von Freunden auf einer Terrasse vor der Kulisse Potsdams zeigt. Stumm starren sie vor sich hin. Das Bild wirkt heute wie eine Vorahnung der aufziehenden politischen Katastrophe, die auch Lasersteins Familie treffen sollte. Ihre Mutter wurde 1943 im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet. Ihre Schwester überlebte die Nazis traumatisiert in einem Versteck in Berlin.

Typ moderne, emanzipierte Frau

In dem Potsdam-Bild zeichnet sich bereits eine thematische Wende im Werk Lasersteins ab. Denn verehrt wurde die Künstlerin in den 30-Jahren vor allem für ihre Frauenporträts. Lasersteins figürliche Malerei, die häufig in die Nähe der Neuen Sachlichkeit gerückt wird, bildete den Typ der emanzipierten, berufstätigen Frau ab – selbstbestimmt, intellektuell, meist kurzhaarig und nicht selten mit Zigarette als Symbol für weibliches Selbstbewusstsein.

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Ein Prototyp davon hängt in der Galerie Dr. Nöth: „Frau mit roter Baskenmütze“. Laserstein inszeniert sie wie ein Model, in modischem roten Kleid, manikürten Fingernägeln, geschminkten Lippen. Es ist die neue Frau der modernen Großstadt, die in den 20er-Jahren aus dem Schatten der Männer tritt.

In der Potsdamer Ausstellung hilft dieses Bild von 1931 vor allem dazu, den Abstand zu den späten Werken zu verdeutlichen. Die 13 übrigen Gemälde und Zeichnungen zeigen eine andere, nicht weniger beeindruckende Malerin.

Tiefe Melancholie

Vor allem die zehn Porträts, die in der Zeit bis 1975 entstanden, transportieren, was sich in dem Potsdam-Bild bereits andeutete: eine tiefe Melancholie. Die Gesichter repräsentieren keinen sozialen Typus mehr, sie haben eine Geschichte. So wie das mit Kohle gezeichnete Paar aus den 50ern.

Verkaufsgalerie in Potsdam

Die Galerie Dr. Nöth ist eine Verkaufsgalerie. Das 2005 von dem Kunsthändler Michael Nöth in Ansbach (Bayern) gegründete Unternehmen hat seit zwei Jahren eine Niederlassung in Potsdam. Ihr Angebot konzentriert sich auf das 19. und 20. Jahrhundert.

Von Lotte Lasermann zeigt die Galerie 14 Arbeiten. Sie werden jeweils zu Preisen zwischen 10.000 und 100.000 Euro angeboten.

Lotte Laserstein. Gemälde und Zeichnungen 1931-1975. Galerie Dr. Nöth, Humboldtstr. 4, Potsdam, Do-Sa, 11-18 Uhr, bis 21. Dezember.

Laserstein, die nie aus dem Exil zurückkehrte, begann sich für das Innenleben der Menschen zu interessieren. Etwa bei dem „Blonden Jungen mit der Schirmmütze“ – ebenfalls um 1950 gezeichnet. In einfachen Linien umreißt Laserstein mit Kohle und Kreide ein Knabengesicht. Ein netter Bengel, der den Betrachter jedoch mit einem undurchschaubaren Blick provoziert. Spott? Trauer? Verachtung? Was mag dieser junge Mensch durchgemacht haben?

Es ist eine vielschichtigere, weniger stilisierte Sichtweise auf die Welt, die Laserstein in ihrem späten Werk entwickelt. Nicht mehr so offensiv, eher distanziert rückt sie ihre Umgebung ins Bild. Die Porträts werden weicher, die Akte nehmen natürliche Positionen ein, wirken wie spontan festgehaltene Momente. Die Künstlerin malt Blumenstillleben in impressionistisch fein abgestimmten Farbtönen. Aber es sind vor allem die vielsagenden Gesichter, die überwältigen.

Von Mathias Richter

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