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Kultur Luther und Kanonendonner
Nachrichten Kultur Luther und Kanonendonner
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18:29 27.03.2017
Ellen Radtke, Pfarrerin in der Kirchengemeinde Golzow-Planebuch (Oderbruch). Quelle: Frank Gaudlitz
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Potsdam

80 Prozent der Brandenburger sind kirchlich ungebunden, die nackte Zahl gibt noch nicht zu erkennen, warum das Thema „Wort & Wirkung – Luther und die Reformation in Brandenburg“ auf Interesse stoßen könnte. Natürlich geht das „Kulturland Brandenburg“, diese über das Sommerhalbjahr gestreute Veranstaltungsreihe der Brandenburger Gesellschaft für Kultur und Geschichte, trotzdem keine Risiko ein, wenn es diesen Titel wählt. Weil Luther so berühmt ist wie Mick Jagger. Wenn Luther draufsteht, geht man hin, weil in seinem Namen Wucht, Ehrfurcht und Kanonendonner liegt. So ähnlich halt wie in der Stimme von Jagger.

Martin Wilke, Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), sagt gar: „Luther war noch nie so modern und lebendig wie heute.“ In seiner Stadt findet der Festakt und die Eröffnung des „Kulturlandes“ am 5. Mai in der Marienkirche statt.

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Luther ist 2017 der Superstar, weil er seine 95 Thesen vor genau 500 Jahren mutmaßlich ans Hauptportal der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen hat. Brandenburg hingegen war nie Kernland der Reformation, und um genau zu sein: Martin Luther hat nie einen Fuß gesetzt ins Kurfürstentum oder auf das Terrain von Brandenburg. Dennoch hat die Reformation, die Trennung in römisch-katholische und evangelisch-lutherische Kirche, die Mark tief geprägt. Jahrhunderte lang galten Preußen und Brandenburg als Synonym für Protestantismus.

In Jüterbog immerhin predigte der Dominikanermönch Johann Tetzel seine Ablasspredigten, die nicht zuletzt Anlass für Luthers Thesen und Protest waren. Zudem fand die Schlacht bei Mühlberg (heutiger Kreis Elbe-Elster) 1547 auf Brandenburger Boden statt, wo protestantische Truppen des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich dem Heer Kaiser Karls V. unterlagen, seinerzeit der mächtigste Streiter der römisch-katholischen Kirche.

Termine des Luther-Kulturlandes in Brandenburg

Auftaktveranstaltung: 5. Mai, 14 Uhr in der St. Marienkirche Frankfurt (Oder), Oberkirchplatz 1. Eintritt frei. www.gesellschaft-kultur-geschichte.de

Luther und die Folgen“, Porträtserie des Potsdamer Fotografen Frank Gaudlitz. Ausstellungseröffnung am 18. April, 17 Uhr, Bahnhofspassagen Potsdam. Bis 30. April. www.bahnhofspassagen-potsdam.de

„Sankt Luther? Ein Reformator zwischen Inszenierung und Marketing.“ Ausstellungseröffnung am 1. April, Nikolaikirche Berlin. Bis 28. Mai. www.stadtmuseum.de

„Alles neu oder nicht?“, Ausstellungseröffnung am 5. Mai, Dommuseum Brandenburg/Havel, bis 31. Oktober. www.dom-brandenburg.de

„Kirche und Stadt – alles eins ... Reformation in der Alten Stadt.“, Ausstellungseröffnung am 14. Mai, St. Gotthardkirche, Brandenburg/Havel. Bis 31. Oktober. www.gotthardkirche.de

„Liebe deinen Nächsten“, Ausstellungseröffnung am 22. Juni, Museum am Zisterzienserkloster Lehnin. Bis 30. November. www.museum-lehnin.de

„Reforma(k)tion – zurück zur Form“, Ausstellungseröffnung am 10. Juni, Museum Burg Ziesar. Bis 31. Oktober. www.burg-ziesar.de

Gesamtübersicht und Informationen zu allen rund 300 Veranstaltungen in diesem Sommer finden Sie unter www.kulturland-brandenburg.de

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch sagt, „60 Prozent der Touristen kommen aus kulturellen Gründen in die Mark“, so gesehen sind die Veranstaltungen des „Kulturlandes“ auch unter dem Aspekt zu sehen, Besucher ins Land zu locken. Im vergangenen Jahr stand das „Kulturland“ unter dem Motto „Handwerk – zwischen gestern und übermorgen“, es kamen gute 200 000 Besucher. In diesem Jahr rechnet die Ministerin bei den Veranstaltungen mit noch mehr Gästen, „da wir nun ein weltweit aktuelles Thema präsentieren.“ Auch auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg wird in diesem Sommer für die rund 300 Brandenburger Veranstaltungen geworben, die über einen Etat von rund 900 000 Euro verfügen.

Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin des „Kulturlandes Brandenburg“, betont die Bedeutung des Eröffnungsortes Frankfurt (Oder) für das Lutherjahr: „Nach dem Übertritt des kurfürstlichen Landesherrn zum Luthertum entwickelte sich die Stadt und die Universität Viadrina nach 1539 zu einem Zentrum der Reformation.“ Bald folgte die ganze Mark den Lehren Luthers. Diese spannende Geschichte der Emanzipation erzählt das „Kulturland“ nun ausführlich.

Von Lars Grote

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