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Kultur Cumbia-Könige und Klezmer-Punks in Berlin
Nachrichten Kultur Cumbia-Könige und Klezmer-Punks in Berlin
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19:56 06.11.2019
Sie zelebrieren die Cumbia und reißen die Leute mit: Chico Trujillo aus Chile. Quelle: Promo
Potsdam

Bunt wie die Welt ist das Klangkostüm, das sich Chico Trujillo und die Jewish Monkeys schneidern.

8. November: Chico Trujillo

Sie sind gekommen, um in Berlin die beste Cumbia-Party überhaupt zu feiern. Und das Beste daran ist, Chico Trujillo kriegen das auch locker hin. Die vielköpfige Truppe aus Chile mit ihrem Chef und Sänger Aldo Asento an der Spitze hält die Cumbia frisch wie nie. Zusammen sind sie einfach eine aufrüttelnde spielfreudige Kapelle von besonderem Format.

Die immer wieder in der Hauptstadt Station macht, um die Leute – wie gerade mit ihrem jüngsten Album „Mambo Mundial“ – auf die Tanzfläche zu locken. Oder, um – wie mehrfach geschehen – ihre Platten nach ausgedehnten Touren quer durch alle Welt im Funkhaus Berlin aufzunehmen.

Von überall her beziehen die Jungs aus Valparaiso ihre Inspiration. Kaum zu sagen, woher wohl die wichtigste kommt. Neben Anden-Musik stehen afro-kubanische Rhythmen oder karibische Eingebungen. Ausgelassen und elastisch ist die Cumbia. Offen. Sie hat Hip-Hop und Reggae genauso aufgesogen wie romantische Balladen. Offen wie die Welt.

13. November: Jewish Monkeys

Die hüpfen, springen, zerzausen einem frech die Haare. Was kann man sonst schon von frechen Affen erwarten? Wenn die Jewish Monkeys wieder einmal in Berlin einfallen, dann ist niemand sicher vor ihnen. Vor allem nicht vor ihrem Sound. Denn der ist ebenso rücksichtlos wie clever zusammengeklaubt.

Immer auf dem Sprung, immer mit viel Schwung: die Jewish Monkeys aus Tel Aviv. Quelle: Ilya Melnikov

Schön auch, dass die jungen den alten in der Band richtig Beine machen. Das gilt selbstredend auch fürs Publikum. Das kann sich kaum halten und springt bei der verführerischen Melange aus Punk, Wüsten-Rock, Ska, Balkan-Beats und noch viel mehr wie wild herum.

Die Sieben stimmen ein Hohelied auf das „Catastrophic Life“ an. Da steckt nicht nur jüdischer Witz drin, sondern auch ein ganzes Stück Lebensweisheit.

Mehr davon

Joao Morais kann nicht genug gedankt werden. Der Rock-Musiker beweist so etwas wie nationales Gedächtnis – er rückt daher die Viola Campanica in den Mittelpunkt seiner jüngsten Aufnahme. Schlägt das selten gewordene Saiteninstrument mit dem Daumen an und entdeckt für uns die Klangfarben dieses außergewöhnlichen Akkordophons aus dem Alentejo, dem ländlichen Süden Portugals. Der Individual-Stil jedes Spielers prägt zudem den Ausdrucksreichtum des Instruments, das beinahe nicht mehr wahrgenommen wurde.

O Gajo:Lisbon Express. European Phonographic/Broken Silence.

Da wir schon mal am westlichen Rand der iberischen Halbinsel, der vormaligen römischen Provinz Lusitania sind: Die Lusitanian Ghosts verfolgen auf ihrem Debüt einen ganz ähnlichen Ansatz wie Morais, der ebenfalls zur Vereinigung der lusitanischen Geister zählt. Nur, sie denken nicht die Schönheit nur eines Saiten-Klingers. Vielmehr stellen sie neben der Campanica noch die Amarantina, die Terceira, die Beiora oder Braguesa, die sonst ebenfalls nur Volksmusikexperten bekannt sein dürften, in den Mittelpunkt. Ein großes Geschenk.

Lusitanian Ghosts.Lusitanian Music/Broken Silence.

Dennoch, die übermütigen Affen lassen sich keine grauen Haare wachsen. Und wenn doch, lacht man drüber – wie über andere Unzulänglichkeiten, Irrtümer und dergleichen, die das Leben nun mal chaotisch, kaum beherrschbar und doch wundervoll machen.

Die Konzerte: Chico Trujillo spielen am Freitag, dem 8. November, um 20 Uhr im Festsaal in Berlin-Kreuzberg. Die Jewish Monkeys treten am 13. November, um 20.30 Uhr in der Ufa-Fabrik in Berlin-Tempelhof auf.

Von Ralf Thürsam

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