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Kultur Sitar-Klänge in Berlin
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20:09 30.01.2020
Raga-Rocker aus Kanada: Elephant Stone. Quelle: Promo
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Potsdam

Man könnte sich fragen, was sie Elephant Stone denn ins Wasser getan haben – da in Montreal. Es gab ja schon einige Euphorie und etliche Versuche, indische Musik in Rock und Pop einzubeziehen. George Harrison, der „stille Beatle“, dürfte wohl der bekannte Musiker sein, der sich vom virtuosen Ravi Shankar im Spiel der Sitar unterrichten ließ. George legte los – mit Folgen. Er wurde zum Geburtshelfer des Psychedelic Rock.

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So manchen Blumenkranz windet man sich im kurzen nordischen Sommer, wenn die Sonne einfach mal nicht untergehen mag. Der Duft mancher Blumen macht einen ganz irre. Und mitunter – so sagt man – sorgen bestimmte Pilze für – ähem – ausgefallene Träume. Ganz und gar betörende Songs verfassen die Death Hawks. Die vier Finnen werfen nicht nur einmal die Orgel an. Sondern immer. Sie imponieren mit einem wisperndem, leichtfüßigem und daher sehr tanzbarem Disco-Pop. Orientiert an den Siebzigern, Daft Punk und so.

Death Hawks: Psychic Harmony. Svart Music/Cargo.

Während die Finnen wohlig durch die Gegend schweben, ist dagegen die Spannung bei The Mystery Lights kaum auszuhalten: Der Fünfer aus New York sorgt für eine Explosion nach der anderen. Olle Hammond-Orgel, Gesang, der schnell mal überschnappt, drängelnde Fuzz-Gitarren. Scharf im Tempo. Fein wie sich dieser aufgeraute, hektische Mix aus Sixties, Surf, Garage und Rhythm ‘n‘ Blues angeboten wird. Nicht zu vergessen, das eine oder andere Stück, in dem die Lichter mal Ruhe können. Dann aber umso heller leuchten.

The Mystery Lights: Too Much Tension! Wick/Groove Attack.

55 Jahre später ist dieses Kapitel längst nicht abgeschlossen. Im Gegenteil. Elephant Stone liefern sozusagen ihr Update. Klar gibt es kosmisches Rauschen und Schweben, doch der Sitarspieler Rishi Dhir, Miles Dupire am Schlagzeug und Robbie MacArthur an der Gitarre, ergänzt um den Gastmusiker Jason Kent an Tasten und Saiten, verlieren nie das Gefühl für Pop, wenngleich mit etwas charmanter Schräglage ausgestattet. Von fern fühlt man sich angenehm an Kula Shaker erinnert, die ebenfalls Klänge aus West und Ost benutzen.

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„Hollow“ ist das jüngste und sechste Album von Elephant Stone. Dhir spricht von einer Suite, die er geschaffen habe. Sie handelt von unglücklichen Seelen, die den Kontakt zueinander verloren haben. Klingt nicht unbekannt in einer Welt voller sozialer Medien, die zugleich eine Welt der Entfremdung, Vereinzelung und Sinnsuche ist.

Das Konzert: Elephant Stone spielen am Sonnabend, dem 1. Februar, um 21 Uhr im Urban Spree in Berlin-Friedrichshain.

Von Ralf Thürsam