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Kultur Die Felice Brothers und ihr entblößtes Amerika
Nachrichten Kultur Die Felice Brothers und ihr entblößtes Amerika
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19:38 04.02.2020
Undress bedeutet sich ausziehen, entkleiden. Doch auch, sich freimachen: The Felice Brothers.
Undress bedeutet sich ausziehen, entkleiden. Doch auch, sich freimachen: The Felice Brothers. Quelle: Promo
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Potsdam

So muss das: The Felice Brothers lassen sich den Mund nicht verbieten. Schon „Undress“, der Titelsong ihres gleichnamigen Albums, ist geradezu ein Kaleidoskop eines in Haltungen, Meinungen und Lebensauffassungen zerrissenen Amerikas. Süß ist die Jugend, süßer noch die Wahrheit. Wann finden wir wieder ans Licht?, fragen Ian und James Felice und Mitstreiter.

Ihr forscher Folkrock gibt sich bisweilen biestig – sogar mit ausgeflipptem Saxofon, variiert im trefflich das Tempo, umgibt sich mit Bläsern und Frauenchor, kommt auch gedrosselt bis zur Ballade daher mit Klimperpiano, Quetschkommode oder Banjo.

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Alles macht Ella O’Connor Williams allein, fast alles. Als Künstlernamen wählte sie sich Squirrel Flower. Die Debütantin aus Boston hat jüngst ihre Folk-Platte „I Was Born Swimming“ fertiggestellt. Setzt mal auf verhangene, lang ausklingende Akkorde zur Akustischen, dann wiederum auf die fordernde Elektrische. Betont sparsames Schlagzeug dazu. Und immer wieder ihr zerbrechlicher, bisweilen recht entrückter Gesang. Ein Pendeln zwischen Hoffen und Verzagen. Am 10. Februar um 20 Uhr in der Curfew Bar in Berlin-Kreuzberg.

Squirrel Flower: I Was Born Swimming. Full Time Hobby/Rough Trade.

Eine Stimme, so nahbar und bezwingend vom ersten Moment an. Eine Steel-Gitarre, die so wunderbar schluchzt wie man es sich – eigentlich immer – wünscht. Da ist jeglicher Widerstand zwecklos. Diese sofortige Selbstaufgabe hat einen sehr guten Grund: Emma Hill. Die Sängerin aus Alaska und der Multi-Instrumentalist Bryan Daste – sie lassen keine Wünsche offen, wenn es darum geht, sich geschmackvoll ausstaffierten, dabei offen gedachten Folk auszudenken.

Emma Hill tritt am 11. Februar um 21 Uhr in der Bar BoBu im Friedrichshain auf.

Es sind Lieder, die voller Doppelbödigkeit stecken. Man lasse sich ja nicht einlullen: die frei jubilierende Slide-Gitarre hier, doch bittere Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen, die vor dem Privaten längst nicht Halt machen, im Text. The Felice Brothers folgen damit einer alten, längst nicht verblichenen Fährte – echte Enkel der Folk-Legende Woodie Guthrie.

Das Konzert: The Felice Brothers spielen am Donnerstag, dem 6. Februar, um 20 Uhr im Lido in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam