Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Heimspiel für Helden aus Berlin
Nachrichten Kultur Heimspiel für Helden aus Berlin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:26 29.01.2020
Kommen von überallher und spielen mit globalen Sounds: Jamila & The Other Heroes. Quelle: Anna Thiessen
Anzeige
Potsdam

Jamila Al Yousefs ist nur eine Heldin dieser Band, die noch vier weitere Mithelden hat. Sie kommen aus mehreren Ländern. Sie bringen aufgrund ihrer geografischen Herkunft ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen und musikalische Entwürfe ein. Das beginnt mit Jamila. Geboren am Tag des Mauerfalls im Osten Berlins, wird sie von ihrem Vater aus Palästina aufgezogen. Aus Syrien sind Salam Alhassan und Bilal Hammour – sie setzen die Akzente mit Perkussion und am Bass - vor fünf Jahren geflohen. Kuna Gudz (Schlagzeug) stammt aus Polen, Gitarre spielt Leon Sánchez.

Anzeige

Fünf Freigeister, alle irgendwie mit Rock aufgewachsen, doch im Sound ihres Debütalbums „Sit El Kon“ (Großmutter des Universums) gilt es, viele weitere Facetten zu feiern. Die finden sich im Funk, in flirrenden Wüstensounds, im Dub, in psychedelischen Ausflügen, in Riffs, die die Heftigkeit von Grunge oder Hardrock heraufbeschwören. Die 30-jährige Jamila setzt darauf, dass nicht nur die Band gemeinsam ihre Helden-Power einsetzt, sondern, dass dies auch allen anderen gelingt. Sie müssen ihre Kraft und ihre Fähigkeiten nur entdecken und zusammenstehen.

Mehr davon

Musik ist Waffe: Die Amazonen aus Afrika lassen sich nicht unterkriegen. Denn den Frauen dort und andernorts wird das Leben zur Hölle gemacht. Nach einer ersten Platte, die die malischen Sängerinnen und Aktivistinnen Mamani Keita, Oumou Sangaré und Miriam Doumbia zusammengeführt hatte, folgt nun die nächste, den Kontinent verbindende Platte in Sachen Frauen-Power. Sexuelle Gewalt, Zwangsheirat oder Beschneidung werden in den Stücken verhandelt. Derweil wächst der Clan der Kriegerinnen. Beispielsweise durch Fafa Ruffina (Benin), Ameri Yerewolo und Nacera Ouali Mesbah aus Algerien. Der Ire Liam Farrell, bekannt als Doctor L, saß am Mischpult und schuf pumpende elektronische Grooves, die er mit Soul, Rap sowie verschiedenen lokalen Einflüssen verband.

Les Amazones d’Afrique: Amazones Power. Real World/Pias/Rough Trade.

Die trauen sich was: Sängerin Lina und der Multi-Instrumentalist Raül Refree nähern sich dem Fado auf radikale, ja auf bahnbrechende Weise. Lina, die bereits Amália Rodrigues, die große Königin des Fado auf der Bühne darstellte, hat sich bereits tief in diese oft tieftraurige Liederwelt Portugals eingefühlt. Raul allerdings erdachte für die von Lina ausgewählten Klassiker schlichte, dabei nicht weniger eindrucksvolle avancierte Elektro-Sounds. Klavier und analoge Synthesizer statt Gitarre. Mit teils sehr tiefen Frequenzen, Wabern und Schwelltönen in der Nähe vom Dubstep. Klare Pianospuren und weite Hallräume. Chöre und außerirdisches Britzeln. Ein extrem mutiger aufwühlender Perspektivwechsel.

Lina_Raül Refree. Glitterbeat/Indigo.

Starke Frauen, die traumhafte Begegnung mit der Großmutter, die man nicht kennenlernen konnte, bittere Familie-Geschichten, schmerzhafte Abschiede von geliebten Menschen und immer auch Hoffnung – das ist der Stoff der Geschichten von Jamila und ihrer Band.

Das Konzert: Jamila & The Other Heroes treten am Freitag, dem 31. Januar, um 20 Uhr im Yaam in Berlin-Friedrichshain auf.

Von Ralf Thürsam