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Kultur Berlin mit voller Härte getroffen
Nachrichten Kultur Berlin mit voller Härte getroffen
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19:27 25.10.2019
Brutal ehrlich – Killswitch Engage kennen keine Kompromisse. Quelle: Promo
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Potsdam

Zum Glück gibt es noch immer Bands, die Rock der härteren Gangart aufregend und am Leben halten.

26. Oktober: Killswitch Engage

Keine Frage, hier gibt es Prügel. Denn Killswitch Engage halten so gar nichts von Umwegen. Aus dem Weg! Die Truppe aus Massachusetts führt einen Frontalangriff nach dem anderen. Hieb auf Hieb. Seit 20 Jahren nun schon. Immer am Rand der Verausgabung. Mit Trash Metal, Hardcore und mehr erklommen sie Spitze der Bewegung. Grammys gab es dort oben.

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Klar ist weiter, die Jungs um Frontmann Jesse Leach lassen sich nicht verbiegen. Wie auf „Atonement“, ihrer aktuellen Platte. Achtunggebietend pflügen sie die Gegend um. Mit Killswitch Engage ist weiter zu rechnen. Dabei gab es in der letzten Zeit einige Hürden zu überwinden. Insbesondere Leach hatte zu kämpfen – zunächst gegen eine Geschwulst an der Kehle und später nach erfolgreicher Reha gegen eine Schreibblockade.

27. Oktober: Michael Monroe

Ja, nur her damit! Michael Monroe fährt all die guten Sachen auf – Trompeten, Saxofone und Mundharmonikas. Die machen die Stücke auf seinem jüngsten Album „One Man Gang“ erst richtig saftig. Der blonde Finne, der einst für Hanoi Rocks ins Mikrofon krähte und vor Zeiten bei Guns N´ Roses mitmischte, hat auch im 57. Lebensjahr und in seiner langen Solo-Karriere nichts an seinem vokalen Biss eingebüßt.

Frisch und munter – Michael Monroe (M.). Quelle: Ville Juurikkala

Ansonsten gilt die verlässliche Ansage: Rüder Punk ´n´ Roll. Volle Pulle. Prächtig, prall und prima geradeaus. Ein weiterer bunter Strauß an mitreißenden Songs. Wenig schwache Momente. Man weiß, die wilden Jahre sind noch nicht vorbei.

29. Oktober: Earth Ship und Lord Dying

Die letzten Dinge und die ersten beschäftigen Lord Dying. Und das nicht, um – ganz platt – dem Bandnamen einige Ehre widerfahren zu lassen. Der Vierer aus Portland im US-Bundesstaat Oregon mustert auf seiner jüngsten Scheibe „Mysterium Tremendum“ das Lebenszugewandte und prüft das Unausweichliche. Was ist von Wert und hat Bestand, was nicht? Auf welche Experimente sollte man sich einlassen? Welchen Göttern folgen?

Tod und Teufel – Lord Dying denken über das Leben nach. Quelle: Alyssa Herrman

Die Gegensätze liegen demnach gefährlich dicht beieinander. Unvermeidlich. Vom Leben verschluckt und ausgespien. Eine metallische, geröchelte, wüste bis getragene und ernsthafte Meditation in Lärmwüsten, wie sie nicht schöner und tödlicher sein könnten.

Mehr davon

Eisig kalte Winde blasen übers Land.Kommen von Norden wohl, aus Schweden womöglich. Könnten leicht zu einem Orkan werden. Wie Aerodyne. Der Fünfer aus Göteborg, Heimstatt vieler großartige Kapellen, blasen zum Sturm. Mit ihrer erfreulich munteren Variante von Heavy Metal. Die haben Speed und Melodien zu Hauf. Schönes Brett!

Aerodyne:Damnation. ROAR/Soulfood.

Falls ja jemand auf die glorreiche Idee käme, die furchtbar nette Grusel-Familie The Munsters noch einmal fürs Fernsehen auferstehen zu lassen, dann könnten die Planchettes locker den Soundtrack dazu liefern. Die drei aus New Orleans waten knöcheltief in Sixties-Beats, haben psychedelische Anwandlungen, wohnen in der Garage und scheppern wie ein Knochenmann.

The Planchettes:The Truth. Rise Above/Soulfood.

Dieser Dreier, der auf seiner Scheibe „Resonant Sun“ düster dröhnt und donnert – kommt aus Berlin, das ja etliche Jünger hat, die im Stoner Rock und angrenzenden Schmutzecken wie Doom räudigen Radau veranstalten. Wie Earth Ship. Bedacht aufs Wesentliche. Worte – gefaucht und ausgespuckt. Bass wummert an der Schmerzgrenze. Becken scheppern und auf Felle wird geschlagen. Drüber die Stromgitarre mit viel Fuzz. Eine perfekte Ökonomie.

Die Konzerte: Killswitch Engage gastieren am Sonnabend, dem 26. Oktober, um 20 Uhr im Huxleys in Berlin-Neukölln. Michael Monroe tritt am Sonntag, dem 27. Oktober, um 20 Uhr im Frannz Club in Prenzlauer Berg auf. Earth Ship und Lord Dying spielen am Dienstag, dem 29. Oktober, in der Zukunft am Ostkreuz in Berlin-Friedrichshain.

Von Ralf Thürsam