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Kultur Soul-Man Marcus King in Berlin
Nachrichten Kultur Soul-Man Marcus King in Berlin
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19:38 05.03.2020
Hat den Soul-Man in sich entdeckt: Marcus King. Quelle: Alysse Gafkjen
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Potsdam

Wer auf Musik steht, der – stimmlich und instrumental – gutes Handwerk sofort anzumerken ist, der kann in den folgenden Tagen in Berlin einige gute Auftritte erleben.

7. März: Marcus King

Wenn man es nicht besser wüsste, dann würde man das erste Solo-Album von Marcus King in einer anderen Zeit verorten. Der formidable Sänger und vorzügliche Gitarrist aus South Carolina hat mit „El Dorado“ eine Platte von klassischen Zuschnitt vorgelegt, für die er sich auch der Mithilfe von Dan Auerbach (The Black Keys) versichert hat.

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King, der mit seiner Band bereits Beachtliches geleistet hat, legt eine Scheibe der Königsklasse vor. Stimmlich über jeden Zweifel erhaben, gibt King den Crooner, der mit seinem Vortrag jeden Seelenzustand, jede tiefe Empfindung, jede Herzensregung ins Publikum gepflanzt. Von verletzlich, verwundert bis aufgekratzt. Marcus Kings, der am 11. März erst 24. Jahre alt wird, bestiegt den Thron, der aus Soul, Country, Blues, Gospel und Südstaaten-Rock solide und haltbar gezimmert ist.

6. März: The Cadillac Three

Diese Langhaarigen aus Nashville sind doch ganz lässige Lausbuben. The Cadillac Three beackern das weitläufige Feld zwischen Country und Southern Rock – Blues, Boogie und Honkytonk eingeschlossen – seit beinahe zehn Jahren. Und sie haben daher eine beträchtliche Anhängerschaft erworben, auch in Deutschland.

Hoch die Tassen mit The Cadillac Three. Quelle: Promo

Nicht umsonst gehört das Trio aus Tennessee zu den Stars der diesjährigen Ausgabe des C2C. Country To Country zeigt von Land zu Land, wer gerade das Sagen hat in der vielgestaltigen Country Music und ihren angrenzenden Genres. Es zeigt zudem, wer sich gerade auf den weg macht, um möglichst bald in die erste Garde aufzurücken.

Man studiere nur einmal das prall gefüllte Programm für die drei Tage in Berlin. Kurz gesagt: The Cadillac Three sind nur ein Beispiel für das, was aus den USA an Stars und Sternchen auf vielen Bühnen zu haben ist. Die Jungs bieten auf ihrer Platte „Country Fuzz“ kräftigen Country-Rock: breitbeinig, derbe und lausbubenhaft.

13. März: Thomas Oliver

Es geht um diese Beziehungssachen. Darin hat er seine Lektionen gelernt – sagt Thomas Oliver. Was auch für seine ausgefeilten Exkursionen auf der Weissenborn-Gitarre gilt. Das Instrument wurde im frühen 20. Jahrhundert vom gleichnamigen, in die USA emigrierten deutschen Ingenieur.

Meisterlich auf der Weissenborn: Thomas Oliver. Quelle: Promo

Oliver legt es sich auf die Knie und unter seinen geschickten Händen zeigt sich sofort die spezifische Sound-Qualität dieser Hawaii-Gitarre, deren Resonanzkörper den Steg einschließt und die häufig mit Bottleneck für Slides übers gesamte Griffbrett gespielt wird.

Der Wahl-Berliner Oliver bettet das Instrument in farbenfroh gestaltete Stücke. Von Soul-Songs im mittleren Tempo, bis hin zu fein gesponnenem Folk, herzhaftem Rock samt Wahwah-Pedal und kernige Roots Music.

EXTRATIPP

Rich Robinson gilt zu Recht als einflussreicher Griffbrett-Experte in Sachen Rock und mehr aus den Südstaaten. Das zeigte der Gitarrist lange bei den Black Crowes und bei seiner neuen Band The Magpie Salute. Robinson lebt sich aus und die neue Platte als Verlängerung einer Spielidee strotzt nur wieder so vor gehaltvollen Beiträgen auf der Sechssaitigen, respektive der Leistungen seiner Mitstreiter. Alles süffig, alles exzellent, alles richtig gemacht. Nur: Dem Fortkommen der Truppe scheint ein anderes Ereignis einen Riegel vorzuschieben. Nicht weniger als die (erneute) Wiederbelebung der Black Crowes ist versprochen. Rich trifft dann auf seinen Bruder Chris, der exaltierte Sänger betrieb zuletzt seine eigene musikalische Bruderschaft. Ein Sprichwort besagt, eine Krähe kratzt der anderen kein Auge aus. Mal sehen, wie viel Feuer und Zunder tatsächlich in den Brüdern steckt und ob, die jüngst beschworene Einigkeit hält.

The Magpie Salute: High Water II. Provogue/Mascot Label Group/Rough Trade.

Keine Frage: Der Songwriter aus Neuseeland kostet die Möglichkeiten aus. Wie auf seinem gerade erschienenen Album „The Brightest Light“.

Die Konzerte: Marcus King tritt am Sonnabend, dem 7. März, um 20 Uhr im Heimathafen Neukölln auf. The Cadillac Three spielen am Freitag, dem 6. März, beim C2C in der Verti Music Hall in Berlin-Friedrichshain. Beginn des dreitätigen Festivals ist um 15 Uhr. Thomas Oliver tritt am Freitag, dem 13. März, um 20 Uhr im Privatclub in Berlin-Kreuzberg auf.

Von Ralf Thürsam

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