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Kultur Bluesbeben und etwas Bombast in Berlin
Nachrichten Kultur Bluesbeben und etwas Bombast in Berlin
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20:14 16.10.2019
Wer so einen Frontmann wie Daniel Welbat hat, kann mit Recht stolz sein: WellBad. Quelle: Promo
Potsdam

Vollblutmusiker dürfen ächzen, herrlichen Krach machen und den Blues haben.

17. Oktober: WellBad

Die holen einen sofort ab: WellBad legen ohne Umschweife los. Ein Riff, das sich einprägt, etwas bluesy, die Rhythmiker der Band aus Hamburg bollern und brummeln, obendrauf noch etwas Glam und eine olle Orgel. Um die bezwingende Stimme von Daniel Welbat, der gerade mal 30 Jahre alt ist, aber viel reifer rüberkommt, kann sich ohnehin niemand drücken.

Und dann dieses Quietschen, Ächzen, Atmen, Hetzen und Poltern im Gesamtsound der umwerfenden Band – und in der Stimme Welbats – mit gewisser Ähnlichkeit zu Tom Waits und dann doch von ganz eigener Qualität, wenn er den Rockshouter gibt, der sich in manche Höhe schwingt. Bald gesellt sich eine Bläsergruppe hinzu – gemächlich schreitend wie eine Begräbniskapelle aus in New Orleans zu Piano und Bass. Oder die Sache läuft über einen Hip-Hop-Beat. Das hat was.

Und der Titel der jüngsten Platte nimmt man WellBad, das Wortspiel im Bandnamen dürfte jedem aufgehen, leuchtet sofort ein. „Heartbeast“. Ja, so ist es: das menschliche Herz ist ein echtes Biest.

18. Oktober: North Mississippi Allstars

Die bringen uns nicht nur die Flötentöne bei, denn das Gros ihrer Songs lebt nun einmal vom Blues. Wenngleich dieser für die Rockmusik wesentliche Einfluss nicht immer nur einem Takt-Schema folgt. Darum wühlt bei den North Mississippi auch gleich eine wütende Slide-Gitarre los - eingangs des aktuellen Albums „Up And Rolling“.

Seit über 20 Jahren lassen die North Mississippi Allstars sich nicht vorschreiben, welchen Blick auf den Blues sie haben dürfen. Quelle: Promo

Und weil sie eben nicht zu den Angepassten gehören, drehen und wenden sie den Blues – wie sie wollen. Kann also sein, dass Gospel und Soul aufscheinen in den Stücken der Brüder Cody und Luther Dickinson. Und dass sie mal schnell eine große Dame einladen. Für die funky Version von „What You Gonna Do“ ließ sich Mavis Staples nicht lange bitten.

Zudem stammen vielen Anregungen zur zehnten Platte der Band von Fotografien, auf denen Wyatt McSpadden das Leben der Blues-Szene von Hill Country festhielt. Im Schulterschluss damit huldigen die Allstars dann lokalen Stars wie Junior Kimbrough. Der Altmeister gehörte vor einiger Zeit zu einer Reihe beinahe vergessener Künstler, die das Label Fat Possum für ein größeres Publikum quasi wieder ausgrub.

21. Oktober: The Slow Show

Wer Lust hat, zu lernen, wie Lieder sich langsam ins Gehör schleichen, wie sie sich in feinen Abstufungen bewegen, wenn man sie im Grunde beim Wachsen belauschen kann, dann dürfte man gerade die neue Platte von The Slow Show aufgelegt haben.

Immer schön sachte - The Slow Show aus Manchester. Quelle: Paul Husband

Die Jungs um den Sänger Rob Godwin, der als der traumhaft raunende jüngere Bruder von Kurt Wagner (Lambchop) durchgehen könnte oder als naher Verwandter der Tindersticks, zeigen auf der Platte „Lust and Learn“ ganz viel Tastsinn. Der sich wahrlich nicht allein auf Piano beschränkt. Oder auf summende Perkussion und sanfte Gitarrenläufe.

Die Band aus Manchester dramatisiert seine Popsongs überdies durch Chöre. Nutzt Bläser und Streicher. Gibt ihnen Luft und Ernsthaftigkeit zugleich. Großes Kino. Nicht weniger.

Die Konzerte: WellBad treten am Donnerstag, dem 17. Oktober, um 20 Uhr im Musik & Frieden in Berlin-Kreuzberg auf. The Mississippi Allstars spielen am Freitag, dem 18. Oktober, um 20 Uhr im Privatclub in Kreuzberg. The Slow Show gastieren am Montag, dem 21. Oktober, um 20 Uhr im Columbia-Theater in Berlin-Tempelhof.

Von Ralf Thürsam

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