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Kultur Ohne Kitsch: Weihnachtslieder von Andrew Bird
Nachrichten Kultur

MAZ-Musiktipp: Andrew Bird singt neue und alte Weihnachtssongs

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10:10 11.12.2020
Feine Ideen zum Fest: Andrew Bird, klassisch ausgebildet auf der Violine.
Feine Ideen zum Fest: Andrew Bird, klassisch ausgebildet auf der Violine. Quelle: Amanda Demme
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Potsdam

Unter den Liedern zum Fest ist „White Christmas“ so etwas wie eine Ikone. Bing Crosbys Version kann, muss es aber nicht unbedingt sein. Wie gut dieser immergrüne Song funktioniert, stellt Andrew Bird mit seiner Version unter Beweise. Sie entfernt sich schon ein Stückchen von Original. Hall auf der Stimme, eine Schrammel-Gitarre und ein gespitzter Mund zum Pfeifen. Sehr charmant.

Zunächst hatte der Multi-Instrumentalist nie den Wunsch verspürt, eine Weihnachtsplatte aufzunehmen. Seinen Sinneswandel kann man nur begrüßen. Denn der Songwriter und Schauspieler aus Chicago hat sich sogar noch zwei feine neue Christmas-Songs ausgedacht. So mahnt „Alabaster“, das Licht in dunkler Zeit zu schützen.

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Frischluft – brauchen wir. Jetzt. Eigentlich immer. Bei der sachgerechten Beatmung helfen Someday Jacob. Die Band um den musizierenden Journalisten Jörn Schlüter aus Bremen und Hamburg zeigt sich auf ihrem neuen Album erneut mit all-amerikanischen Wassern gewaschen. Die stilistischen Vorlieben sind sofort auszumachen: Traumhaftes aus Kalifornien, Countryeskes aus der Nähe der Jayhawks, die deutlicheren Reminiszenzen an die Siebziger.

Someday Jacob: Oxygen Will Flow. Haldern Pop Recordings/Rough Trade.

Geschickt im Umgang mit den alten Zeiten zeigen sich auch Fooks Nihil. Dreistimmig, harmonisch und einfach nur wunderbar. An wen erinnert diese Band, die da unvermutet aus Frankfurt am Main aufgetaucht ist? Richtig. Crosby, Stills und Nash. Neben all den flirrenden Gesang der Spätsechziger – ja auch die Birds - gibt es dennoch etliche Kanten aus Beat, Rock und Psychedelik.

Fooks Nihil: Fooks Nihil. Unique Records/The Orchard.

Die Yonder Boys kommen nicht aus den Appalachen, sondern mit ihrem Bluegrass aus Berlin. Das Trio – Debütanten wie Fooks Nihil – pickt sich flink durch zehn Stücke. Mit pluckerndem Banjo, die Fiedel hat viel Schmiss, die Soli von Mandoline gehen ins Ohr. Dass der Gesang eines Amerikaners, eines Australiers und eines Chilenen fein abgestuft und herzerwärmend daherkommt, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Yonder Boys: Acid Folk. Blue Whale Records.

Man merkt dem Mittvierziger die Herkunft an. Jazz, Swing und Folk. Das Mini-Album des vergangenen Jahres ist während des Lockdowns auf volle Länge gewachsen. Mit Unterstützung seiner Mutter. Mit reizvollen Versuchen zu Vorlagen von John Cale, der Handsome Family (die es separat zu entdecken lohnt) und dem in diesem Jahr verstorbenen großartigen Songwriter John Prine. Nur auf Vinyl und als Download. Ein Glanzstück.

Andrew Bird: Hark! Loma Vista Recordings/Universal.

Noch ein Extra-Tipp: Der Künstler meldet sich am 13. Dezember mit einem Live-Stream aus Kalifornien. Dann heißt geht die Andrew Bird’s Gezelligheid Holiday Show über den Sender.

Von Ralf Thürsam