Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Weihnachten 2021: Leise, laut oder lässig – die Festplatten des Jahres
Nachrichten Kultur

MAZ-Musiktipp: Die Platten zum Weihnachtsfest 2021

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:37 25.11.2021
Starker Tobak: Ye Banished Privateers aus Schweden.
Starker Tobak: Ye Banished Privateers aus Schweden. Quelle: Promo
Anzeige
Potsdam

Advent: Bald werden wieder die 24 Türchen geöffnet. Ob der Kalender nun gefüllt ist oder nicht, jeden Tag wartet eine neue Überraschung. Was auch für die Platten zum Fest gilt.

Die Piraten kommen. Quelle: Promo

Dass es der Grinch aufs Weihnachtsfest abgesehen hatte, wissen wir. Das war damals. Nun kommt es noch schlimmer – in Gestalt von Ye Banished Privateers. Durch stürmische See haben sich Piraten aus Schweden in einer Nebelnacht herangeschlichen und Weihnachten gestohlen. Wer Lust auf eine wilde Fahrt und vor allem auf maritim angehauchte Versionen von feucht-fröhlichen Liedern zum Fest hat, der ist bei der Platte „A Pirate Stole My Christmas“ (Napalm Records) bestens aufgehoben. Die Stücke werden in einer Spelunke in Shanty-Town aus voller Kehle gegröhlt. Sicher wird zu den Folk-Rock-Weisen getanzt. Mit Holzbein, Augenklappe und Sichelhand. Von „Little Rummer Boy“ bis „O Cannonball“. Heiliger Klabautermann!

Blue Christmas hier und eine Party, die rockt, dort: Lucinda Williams. Quelle: Promo

Schachteln, Kisten und Kästen – die Geschenke warten nur darauf, geöffnet zu werden. Inzwischen wirft Lucinda Williams bereits zum fünften Mal ihre Jukebox an. Lange anvisiert war ihre Cover-Kollektion ja.

Öffnet ihre Jukebox. Quelle: Promo

Nach dem Tribut für Tom Petty, Liedern vom Literaturnobelpreisträger Bob Dylan sowie Südstaaten-Soul und Country aus den 1960ern geht auf „Lu’s Jukebox Vol. 5 – Have Yourself A Rockin’ Little Christmas“ (Highway 20/Thirty Tigers/Membran) um ein Dutzend Stücke, die Weihnachten umkreisen wie die ausgelassenen Tänzer den Baum. Nur, dass die Songwriterin sich die Telecaster umhängt und die Sache ohne viel Lametta angeht. Mit dem Blues hat sie es ja seit Anbeginn ihrer Karriere. Der mehrfache Grammy-Preisträgerin weiß, wie sie mit ihrem lakonischen Vortrag und vorzüglichen Begleitern den Laden samt Rudolph in Schwung bringt. Neben Rock, Roots und Swing kann es auch mal in der Engtanzrunde enden. Schöne Bescherung!

Den Familien-Klassikern innig zugewandt: Brian Fallon. Quelle: Promo

Als die anderen Jungs noch mit ihrer Trommel um den Baum gezogen sind, hörte der gerade mal sechs Jahre alte Brian Fallon seiner Mutter genau zu, wenn sie die alten Lieder zur akustischen Gitarre sang.

Denkt ans Zuhause: Brian Fallon. Quelle: Promo

Diese begleiteten Brian ein Leben lang. Da war der inzwischen 41-Jährige aus New Jersey längst schon der Frontmann von The Gaslight Anthem. Soloprojekt sollten folgen. Schließlich wandte sich der Songwriter in der Quarantäne den Stücken, die den Rockmusiker nicht losließen, erneut zu. Für „Night Divine“ (Lesser Know Records/Thirty Tigers/Membran) suchte er zehn Lieder heraus – und Mama half bei der Auswahl. Anrührend, weil sehr persönlich und mitunter leicht brüchig beim Singen. Mit Gitarre, Piano und manchmal etwas Rauschen – wie die Schwingen der Engel.

Hat so einige Fragen zum Fest: Amanada Shires. Quelle: Promo

Hat so einige Fragen zum Fest: Amanda Shires. Foto: Promo

Die Lütten haben meist große Wünsche. Amanda Shires hingegen äußert auf „For Christmas“ (Silver Knife/Thrity Tigers/Membran) ganz unverhohlen und – ja man muss es sagen – völlig unbescheiden ihre Vorstellungen davon, was der rauschebärtige Gabenbringer denn so ranschleppen sollte. Ein Privatflugzeug und eine Radiostation. Für eine Sängerin wie Amanda, die übrigens mit dem famosen Country-Rocker Jason Isbell verheiratet ist, klingt das gar nicht so überzogen, oder? Aber hat das noch mit der Magie dieser Tage zu tun?

Hat so ihre Wünsche: Amanda Shires. Quelle: Promo

Auch das fragt sich die Sängerin und Violonistin Amanda Shires, die vor zwei Jahren mit Brandi Carlile, Maren Morris und Natalie Hemby die Country-Super-Gruppe The Highwomen gegründet hatte. Und ja. Es gibt auch Stücke, die besinnlich und bedenkenswert sind, und in einem Sehnen enden: Das Schönste zum Fest aber wäre, wenn der Liebste da ist.

Heimelig und sehr artig: Steve Perry. Quelle: Myriam Santos

Dass man in Kalifornien beschwingt durch den Schnee tollt, ist keine ausgemachte Sache. Aus Gründen. Klimatischen.

Ganz daheim: Steve Perry. Quelle: Promo

Dennoch spürt Steve Perry auf „The Season“ (Fantasy/Concord/Universal) dem Geist der Weihnacht nach. Der stimmgewaltige Solokünstler und Sänger der Rockband Journey wählte für sich acht Standards und platzierte sie in einem intimen Setting: Wohltemperiertes Klavier, Besen streicheln die Felle des Schlagzeugs, ein paar Schellen, etwas schmachtenden Chor hier, etwas schmeichelnde Streicher-Einheiten dort. Leichte Näherungen an Gospel gibt es. Und ein jazziges Flair packt Perry ebenfalls auf den Gabentisch. Sehr soft. Sehr artig.

Von Ralf Thürsam