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Kultur Neue Töne von: Anneke van Giersbergen, Joanna Connor und Ally Venable
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MAZ-Musiktipp: Neues von Anneke van Giersbergen, Ally Venable und Bones Owens

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10:57 26.02.2021
Ehrt den Chicago-Blues: Joanna Connor.
Ehrt den Chicago-Blues: Joanna Connor. Quelle: Maryam Wilcher
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Potsdam

Manchmal muss es das Wasser sein, in dem irgendetwas Besonderes drin ist. Bei Joanna Connor ist es ohne Zweifel der Ort. Denn die Gitarristin, die ihre Slide-Gitarre so wunderbar singen lassen kann, wählte den Titel ihres aktuellen Albums mit Bedacht: „4801 South Indiana Avenue“. Dort, in „Theresa’s Lounge“, euphorisierten funky Blues-Jams das Publikum. Naheliegend, dass Joanna sich Songs heraussuchte, die den Chicago-Blues als die elektrifizierte Variante des Genres besonders unmittelbar repräsentieren. Schön auch, dass der omnipräsente Bluesrocker Joe Bonamassa sich um Kollegen kümmert. Denn diese Scheibe erscheint auf seinem unabhängigem Blues-Label KTBA. Fun Fact: Bonamassa hatte vor zig Jahren für Joanne ein Konzert eröffnet – und sie nie aus dem Blick verloren.

Im Alleingang: Die Belgierin Ghalia Volt trampt durch Amerika. Quelle: Promo

Ohne Frage, diese Stimme verdient die feinen Umschlingungen von akustischer Gitarre, den Girlanden aus Streichinstrumenten, das sanfte getupftem Schlagzeug. Diese Stimme gehört Anneke van Giersbergen. Nach Schulchor und erster Band nahm die Karriere der Niederländerin Fahrt auf.

Auf der Suche nach Alternativen?

Ganz frisch ist die Nachlese zur Blues-Karawane 2020: Da waren der wild umher tobende Gitarrist Jeremiah Johnson aus St. Louis, die stimmgewaltige Whitney Shay aus San Diego und der ebenso verstörend gut vorwärts preschende Ryan Perry, den man einst in Memphis als Blueswunderkind ausgerufen hatte, gemeinsam auf Achse. Das kann jetzt auf „Blues Caravan 2020“, einem Live-Mitschnitt aus Nürnberg nachhören. Seit inzwischen anderthalb Jahrzehnten lässt das rührige Label Ruf Records aus Thüringen es sich nicht nehmen, immer wieder neue oder noch nicht so bekannte Blues-Künstler – insbesondere Frauen – auf Reisen zu schicken. Danke für diese inspirierende Runde!

Straßenmusikerinnen kennen das: Sie brauchen die richtige Ecke, eine gute Zeit und halt echten Kampfgeist, die Leute ringsum unmittelbar zu erreichen. Den hat Ghalia Volt. Als Covid die Clubs zusperren, besinnt sich die Gitarristin auf ihre Stärken. Aus Brüssel war sie nach New Orleans umgezogen. Und hatte am Mississippi mit Cedric Burnside, Watermelon Slim und weiteren Größen gemeinsame Sache gemacht. Ghalia packt ihre Siebensachen und reist kreuz und quer durch Amerika. Als Eine-Frau-Band. Mit den Füßen tritt sie neuerdings wuchtig Kickdrum, Snare und Tamburin. Die Hände tun, was sie ohnehin bereits gut konnten. Bald liebt Ghalia diesen roh gezimmerten, unmittelbaren und rustikalen Zugriff auf den Blues. Und nimmt ihn genauso für „One Woman Band“ (Ruf Records) im Studio auf.

Das schlägt ein wie Blitz! „Lightning Strike“ ist nur einer von einem knalligen Dutzend an Songs. Direkter geht es kaum. Die Stücke von Bones Owens rumpeln, krachen, rocken geradeaus, duften nach Blues aus den Sümpfen und hinterlassen den Hörer frohgemut und angenehm aufgeputscht. Bones Owens liefert ein Debüt – eingespielt in Nashville - das schlicht „Bones Owens“ (Black Ranch/Thirty Tigers/Membran) heißt. Imponierender Roots-Rock von einem ausgeschlafenen Typen, der in Missouri groß geworden ist, Ziehväter wie CCR und andere kennt und genau weiß, was er tut. Der boxt sich durch. Jeder Punch sitzt.

Führte zu Band wie The Gathering und VUUR. Überhaupt hielt Anneke neben Soloprojekten Kontakt zu Metal und Prog-Szene. Verletzlich, innig und verhalten gibt sich die Sängerin und Gitarristin bei klarer Intonation auf ihrem jüngsten Album „The Darkest Skies Are The Brightest“ (Inside Out Music/Sony). Es gibt den einen oder anderen Schwenk zu orientalischen Mustern. Eine Farbe, die neben in die Höhe strebenden Chören, geringfügig aufscheinendem Mittelalter-Flair und sogar Pop leuchtet. Der Frühling macht, dass ich mich lebendig fühle, singt Anneke. Und das glauben wir ihr.

Schnellfeuer aus Texas: Ally Venable. Quelle: Lindsay Steele

Ally Venable räumt ordentlich auf. Die junge Texanerin krempelt die Ärmel hoch, stöpselt ihre E-Gitarre ein und was bekommen wir von ihr? Einen schneidigen, kantigen, nahezu heavy inspirierten, auf jeden Fall aber aufgeräumten Frühjahrsputz wie er für den Bluesrock nur selten in Szene gesetzt wird. Ally geht nicht nur im massiv groovenden Titelsong von „Heart Of Fire“ (Ruf Records) in die Vollen. Feuerwerk samt Wah-Wah-Effekt ist ganz ihr Ding. Als Gäste verbreiten Kenny Wayne Shepherd und Devon Allman, der Sohn von Gregg, noch zusätzliche Magie an den Saiten. Dass es eine langsame, dabei tiefe Verneigung vor SRV – der Ikone Stevie Ray Vaughan – gibt, ist unter Landsleuten ja üblich – und gelungen.

Von Ralf Thürsam