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Kultur Neues von Black River Delta, Gary Louris, und Chris Eckman
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MAZ-Musiktipp: Neues von Black River Delta und Chris Eckman

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10:15 04.06.2021
Ruppig und aufrührerisch: Black River Delta.
Ruppig und aufrührerisch: Black River Delta. Quelle: Promo
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Potsdam

Um Gesundheitszustand und Spielfreude braucht man bei Black River Delta nicht fürchten. Denn widerborstig, wütend und wild stampft der Blues-Rock daher, den der Vierer aus Schweden aufführt. Inzwischen mit seinem dritten Album „Shakin“ (Sofaburn Records). Übersteuert, ungehemmt und bisweilen grimmig glühend gehen die Jungs vor – und weisen Legenden wie Robert Johnson und R.L. Burnside ihre Referenz. Auch die Nähe zu den Black Keys, die sich ja erst jüngst auf Klassiker stürzten, scheint auf. Doch das elektrisch verstärkte Feuerwerk auf den Slide-Gitarre weicht mitunter sogar einem akustische gefärbten Western-Feeling mit verwehter Mundharmonika – bis der Tumult von vorn beginnt. Ganz grandios.

Auf der Suche nach Alternativen

Gary Louris sollte ausgelastet sein. Fehlanzeige! Das Gründungsmitglied der Jayhawks aus Minneapolis lässt die Arbeit mit seiner ausgezeichneten Stammband mal außen vor. Vom Alternative Country konnte der Songwriter schon früher locker den akustischen Bogen zu süffigem Sonnen-Pop samt fluffig-schrägen Sounds, darunter Vocoder und Samples, schlagen. Wie bei „Jump For Joy“ (Sham Records/Thirty Tigers/Membran). Ja, es ist Zeit für Freudensprünge – mit seinem zweiten Solo-Album nach 2008.

Einst hat Norwegen mächtig Eindruck gemacht auf Marco Campitelli. Noch immer bastelt er an nordischen Stimmungen. Der an der südlichen Adria-Küste aufgewachsene Italiener verschraubt mit der Band Oslo Tapes auf „ØR“ (Pelagic Records) unterkühlten New Wave mit Schimmer-Gitarren, pulsierenden, in den Jazz driftenden Rhythmusgebern und Krautrock-Passagen. Wummernder Lärm plus kalte Schönheit.

Norwegen II: Wer nach einer freundlichen Umarmung sucht, erhält sie von Minor Majority. Der Fünfer versteht sich auf Folk-Pop-Feinsinn. Gitarren, Piano, Streicher und ja, etwas Moll-Stimmung bilden auf „The Universe Would Have To Adjust“ (Voices Of Wonder/Soulfood) ein maßvolles Ganzes. Wer einst und noch mit Kings Of Convenience oder Sivert Hoyem etwas anzufangen wusste, findet mehr als einen Anknüpfungspunkt.

Fünf Vogelmasken-Männer und zwei Sängerinnen, die ihr Antlitz nicht permanent verhüllen, – das sind Nephila. Sie haben auf ihrem gleichnamigen Debüt „Nephila“ (The Sign Records) einen Kessel überm Feuer, in dem sie bühnenreif einen mysteriös magischen Trank aus Blues, Hardrock und einigen proggedelischen Zutaten brauen.

Die Gedanken sind frei. Nur nicht in Ikaria. Und wenn, dann nur für wenige – wie die gehörlose Myra. Mindpatrol entführen auf „Ikaria“ (Green Zone Music/Distrokid) in eine dystopische Stadt. Für deren Besichtigung fügen die Luxemburger Metal verschiedener Härtegrade und Prog zu einer extrem bedrohlich düsteren Zukunftsvision zusammen.

Wenn die Musiker aus Bollnäs, einem Bahnhaltepunkt rund 100 Kilometer nördlich von Stockholm, ihre neuen Stücke im Dezember live vorstellen, dann bekommen sie es mit einem weiteren Saiten-Hexer zu tun: Prominente Hilfe erhalten sie nämlich von Dorian Sorriaux, den man von Blues Pills kennt. Und: Bei Black River Delta hat der Teufel – wie bei ihrem Debüt – ganz sicher seine Klauen im Spiel. Cross Roads – na, ja, ihr wisst schon.

Erzählt Geschichten, die lange nachhallen: Chris Eckman. Quelle: Jaka Babnik

Zuletzt konnte man ein bisschen den Eindruck haben, dieser Musiker verschwindet zu oft hinter dem Mischpult. Schließlich produzierte Chris Eckman – Frontmann der Walkabouts, Duett-Partner von Carla Torgerson und Mitglied von Dirtmusic – nicht nur die Berlinerin Andrea Schröder, sondern auch Kollegen aus Mali, Polen und Kroatien. Doch genug davon. Der Songwriter Eckman legt ein weiteres Solo-Album vor. Er ist ein Mann des langen Atems. Während er flüstert und raunt gehen seine Geschichten auf „Where The Spirits Rest“ (Glitterhouse/Indigo) auf Wanderschaft. Ein Spiel mit Bildern und Worten. Meist nur unterlegt von Akkorden oder Finger Picking auf der Akustischen. Oder eingehüllt in atmosphärisch driftenden Keyboards-Figuren und getupftem Schlagzeug. Seltsam und transparent, versehen mit der Wehmut der Pedal Steel. Was Eckman’s sieben Erzählungen von Schnee, der viel zu früh kam und doch zu lange blieb, von den Geistern, die endlich ruhen mögen, oder den Nordlichtern nur noch eindringlicher und unvergesslich macht.

Bieten geschmeidige Interpretationen: Black Pumas. Quelle: Brian C. Parker

Die berühmten Capitol Studios in Los Angeles waren und sind ein Tummelplatz der Berühmtheiten. Den Status der Ehrerbietung haben sich die Black Pumas aus Austin vor zwei Jahren bereits mit ihrem gleichnamigen Debüt erkämpft. Sänger Eric Burton und Adrian Quesada (Gitarrist und Produzent) haben gezeigt, wie Funk, Soul und Latino-Einflüsse ein unauflösbares Miteinander feiern. Acht Stücke umfassen die „Capitol Cuts – Live From Studio A“ (ATO Records/Pias/Rough Trade). Die hat das Duo Burton und Quesada – man muss es sagen – mit Hingabe gezaubert. Mitgeschnitten wurden wundervolle Momente zweier Künstler in ihrem Zenit. Davon kann man nicht genug bekommen.

Von Ralf Thürsam