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Kultur Neues von Eric Church und Adrian Crowley
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MAZ-Musiktipp: Neues von Eric Church und Adrian Crowley

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10:15 30.04.2021
Hochproduktiv mit befreundeten Musikern: Eric Church
Hochproduktiv mit befreundeten Musikern: Eric Church Quelle: Promo
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Potsdam

Das eine ist nichts ohne das andere. Sie gehören zusammen „Heart & Soul“. Doch Eric Church hatte in einer Hütte in den Bergen von North Carolina binnen eines knappen Monats dermaßen viele neue Song-Ideen. Die hat der bei den Country Music Awards als Entertainer des Jahres ausgezeichnete Musiker mit Band und Gästen gleich in einem Restaurant aufgenommen und auf drei Platten untergebracht. Seit Monatsmitte erscheinen sie nacheinander: „Heart“, „&“, „Soul“ (EMI Nashville/Universal). Einige Jahre schrieb Church Lieder für andere. Dann erklommen seine Solo-Scheiben die Charts. Dort wird sich bald auch vom neuen Material etwas wiederfinden. Garantiert. Church zeigt sich als mit allen Wassern gewaschener Künstler. Seelenvoller Pop ist immer möglich – wie auch herzhafte Rocker oder die Stimme, die mal ins Falsett kippt und funky rüberkommt. Der bald 44-Jährige grast gekonnt verschiedene Stile ab. Elemente von Rockabilly und akustische Balladen finden sich neben Gospel-Chören im Southern Rock. Facette um Facette blättert Church auf. Ein Tausendsassa mit Herz und Seele.

Nicht länger ein Geheimtipp: Adrian Crowley. Quelle: Conor Horgan

Achtung! Dieses Album kann deutliche Spuren vom frühvollendeten Nick Drake (1948-1974) enthalten. Zumindest, was die melancholische Tonlage der Lieder von Adrian Crowley auf seiner aktuellen Platte „The Watchful Eyes Of The Stars“ (Chemical Underground/Broken Silence) anbelangt. Aufgewachsen in Galway, überzeugt der Multi-Instrumentalist mit überlegt ausbalancierten und zudem reichhaltig ausgestatteten Stücken zwischen Songwritern wie Nick Cave oder Leonard Cohen, Indie-Anleihen und Kammer-Folk. Getragen und entrückt, aber voller Trost. Ein erstaunlicher Sänger, dessen Stern längst aufgegangen ist.

Hat so einiges durchgestanden und zu erzählen: Travis Meadows. Quelle: Joshua Black Wilkins

Es gibt diese Typen, denen das Leben übel mitspielt. Die ihren wiederholten Absturz in Alkohol und Drogen kaum in den Griff bekommen. Die dennoch Stücke schreiben, die man nicht missen möchte. Travis Meadows ist einer dieser kaputten Musiker, die erfahrungssatte, authentische Songs verfassen, die in der Country-Szene dann andere singen – etwa Eric Church, Wynonna Judd oder Blackberry Smoke.

Auf der Suche nach Alternativen

Unter Volldampf stehen Dropkick Murphys seit einem Vierteljahrhundert. Damals gab es die Wette, dass es für 30 Dollars nicht gelingt, in drei Wochen eine Band zusammenzutrommeln, erzählt Mitgründer Ken Casey. Nun, die Kapelle von der Ostküste der USA mit ihrem höchst schmissigen Folk-Punk plus hohem Mitgröl-Faktor ist immer noch da. Wie sich auf „Turn Up That Dial“ (Born & Bred Records/PIAS) zeigt. Gassenhauer allererster Kajüte. Unkaputtbar, weil voller Lebensmut zwischen Dudelsack, Akkordeon und Stromgitarre.

Ashley Monroe traut sich was: Schon zum Auftakt ihrer neuen Platte „Rosegold“ (Mountainrose Sparrow/Thirty Tigers/Membran) klingt der Country-Star, bekannt von den Pistol Annies, mit versonnener Stimme und Keyboards so gar nicht nach Country. Was zeigt, dass die Sängerin geschickt ihre Finger ausstreckt. Hier greift sie nach ganz viel vielgestaltigem schimmerndem Dream-Pop und dort nach Beats wie im Hip-Hop. Doch ich fürchte, nicht jeder wird ihren Mut goutieren.

Die Rüstungen dieser Ritter auf dem Cover schimmern noch immer im Sonnenlicht. Dabei hatten Stormwind mit „Rising Symphony“ (Black Lodge) bereits 2003 ihren kriegerischen Auftritt. Für den Bandgründer Thomas Wolf und seinen gut ausgebildeten Mannen kein Grund, sich das Material für die Wiederveröffentlichung noch einmal vorzunehmen. Es bleibt prächtig aufgezäumter Power Metal. In vielen Kämpfen erprobt und – erstaunlich – ohne viel Rost.

Der End-Fünfziger verfasste 2010, damals war er nach Aufenthalten in Reha-Kliniken von der Flasche weggekommen, sein Album „Killin’ Uncle Buzzy“ (Earache Records/Edel). Tagebuchaufzeichnungen als therapeutische Unterstützung, aus denen eine rohe, wunde, ungeschminkte Platte im Spannungsfeld von Folk, Blues und Country-Rock wurde. Sie liegt nun als Jubiläumsedition vor.

Von Ralf Thürsam